Touristenmassen in Norwegens Bergen: Die Schattenseite der Flug-Scham?

Massen in Norwegens Bergen: Schattenseite der Flug-Scham?

Statt ins Ausland zu fliegen, entscheiden sich immer mehr Menschen für Heimaturlaub – besonders in Skandinavien. Das soll den CO2-Fußabdruck minimieren – und erhöht den Druck auf nationale Reiseziele.

Menschen auf dem Galdhøpiggen, dem höchsten Berg in Norwegen.
Der Galdhøpiggen ist der höchste Berg in Norwegen – und in diesem Jahr besonders gut besucht.

Foto: twitter.com/KristinaShizuka

Für das beschämende Gefühl, zu fliegen und dadurch die Umwelt zu belasten, haben die Schweden vor einiger Zeit ein eigenes Wort erfunden: „Flygskam“, übersetzt Flug-Scham. Das Bewusstsein für negative Klimaauswirkungen von Flugreisen setzt sich aber auch in den Nachbarländern durch.

Und das sorgt dafür, dass einige beliebte Ziele in Skandinavien immer mehr Besucher empfangen. Denn anstatt mit dem Flugzeug den Rest Europas oder andere Kontinente zu bereisen, entscheiden sich viele Skandinavier für Zugreisen an Orte, die näher an ihrem Zuhause liegen. Das bekommt unter anderem der höchste Berg in Skandinavien zu spüren.

Flug-Scham: Schweden reisen lieber in Nachbarländer als in die Ferne

In diesem Jahr sollen besonders viele Familien mit Kindern und viele Norweger zum Galdhøpiggen kommen. Aber auch die Zahl der dänischen und schwedischen Urlauber steigt rasant. Insgesamt kämen sehr viele Besucher dafür, dass die Saison noch jung sei, berichten Betreiber der Wanderhütten. Von den Gästen aus Schweden hören sie, dass vor allem die Flug-Scham ein Grund für den Norwegen-Trip sei.

Tourismusexperten beobachten, dass in den verangenen vier Jahren auch besonders viele Norweger im eigenen Land Urlaub gemacht haben. Ein Grund dafür könnte der Wunsch nach umweltfreundlichen Reisen sein. Aber auch ein schwacher Kronen-Kurs oder die wiederentdeckte Wertschätzung für die landschaftliche Schönheit Norwegens könnten den Trend beeinflussen.

All das führt dazu, dass sich zum Dach von Norwegen eine Schlange bildet:

Dienstag war der bislang bestbesuchte Tag des Jahres auf Norwegens höchstem Berg. Insgesamt sollen laut Hüttenbetreibern rund 1.250 Menschen zum Gipfel gewandert sein.

Der Rekord ist damit allerdings noch nicht geknackt: An einem Tag im August 2015 tummelten sich rund 2.600 Menschen gleichzeitig auf dem Galdhøpiggen, das berichtet die „Aftenposten“.

Auch in anderen Gebirgsregionen des Landes steigen die Besucherzahlen: innerhalb der vergangenen 15 Jahre um fast 50 Prozent. Waren es 2005 noch rund 310.000 Übernachtungen pro Jahr, übernachteten 2018 etwa 460.000 Urlauber in Norwegens Berghütten. 

Noch sind die Vertreter der norwegischen Reisebranche allerdings guter Dinge: „Es ist sehr positiv, dass mehr Menschen an Naturerlebnissen interessiert sind und erkennen, dass Norwegen dazu einlädt, die vielfältige Natur ganzjährig zu genießen“, erklärt Mocia Hägglund Langen, Beraterin des norwegischen Tourismusverbandes DNT, gegenüber der Nachrichtenseite „NRK“.

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