Touri-Schlangen am Preikestolen in Norwegen: Schmerzgrenze erreicht

Touri-Schlangen am Preikestolen: Schmerzgrenze erreicht

Sie kommen, um Zeit in der idyllischen Natur zu haben – doch mit einem Naturerlebnis hat die Wanderung zum Preikestolen nichts mehr zu tun. Menschen stehen Schlange. Das Limit ist erreicht, sagen Locals. 

Schlange stehen am Preikestolen in Norwegen.
Knapp 65.000 Touristen besuchten den Preikestolen allein im Juni.

Foto: imago images/Panthermedia

Ein Abenteuer in der norwegischen Natur soll es sein, wandern im Einklang mit der Landschaft – und als Höhepunkt die tolle Aussicht über den Fjord genießen. Doch inzwischen machen sich rund 2.150 Menschen auf die zweistündige Wanderung zum Preikestolen – pro Tag! Für Juli werden wegen der Ferien gar noch mehr Wanderer erwartet. 

Das ist zu viel, finden Einheimische und Naturschützer, die nun fordern, dass das Umfeld des Preikestolen den Status als Nationalpark bekommt. „Die Schmerzgrenze ist erreicht“, sagt Rune Folkvord vom norwegischen Naturschutzbund der Zeitung „Dagbladet“.

Der Leiter der Stiftung Preikestolen, Helge Kjellevold, ergänzt: „Im Sommer kann sich der Weg nach oben schon wie eine sich ziehende Schlange anfühlen.“

Fast 65.000 Besucher in nur einem Monat

Schon in den vergangenen Jahren erlebte Norwegen einen Touristen-Boom, doch in diesem Juni machten sich 64.354 Menschen auf den Weg zu dem Stein mit der fantastische Aussicht, das sind fast 20.000 mehr als im Juni 2018. Nun reicht es einigen mit dem Overtourism

Folkvord sagt, das Gefühl, sich in der Natur zu befinden, gebe es durch diese Menschenmassen nicht mehr. „Es ist eher eine Zirkusattraktion.“ Er frage sich, wo all das enden solle – immerhin sind schon seit Jahren immer wieder Eingriffe in die Natur notwendig, um dem Touristenansturm gerecht zu werden, etwa weil Toiletten oder Gebäude an der Route gebaut werden müssen. 

„Wenn man Menschenmassen sehen will, kann man auch in Städte gehen. Das hier ist die Natur“, sagt Folkvord. Kjellevold hingegen gibt zu Bedenken, dass man den Weg nicht einfach schließen könne, wenn eine gewisse Anzahl Touristen unterwegs sei – immerhin gilt das Jedermannsrecht für alle. 

Rettungskosten auf leichtsinnige Touristen abwälzen

Folkvord wünscht sich trotzdem, wie andere in Norwegen auch, dass die Tour künftig kostenpflichtig wird. Damit könnten dann beispielsweise Rettungseinsätze bezahlt werden, die durch Touristen ausgelöst werden. Das ist nämlich ein weiteres Problem: Viele Touristen sind nicht oder nur schlecht vorbereitet auf die Wanderung. 

Sie tragen zu dünne Kleidung, falsches Schuhwerk, checken keine Wetterberichte und erwarten ausgebaute Spazierwege. Immer wieder müssen deshalb Rotes Kreuz und andere Rettungsteams ausrücken, um Touristen von den Bergen zu holen. 

Touri-Problem auch an der Trolltunga

Bisher gab es das Problem vor allem auf dem 28 Kilometer langen Weg von und zur Trolltunga, wo der Weg noch deutlich anstrengender ist und Menschen sich – für die besten Instagram-Bilder – zu waghalsigen Stunts auf dem Felsbrocken animinieren lassen. Dort sind nun auf dem Parkplatz Menschen positioniert, die die Wanderer auf falsche Kleidung hinweisen. 

Beim Preikestolen könnte es in diesem Jahr hingegen auch bei der Anzahl der Rettungseinsätze einen neuen Rekord geben. Bisher gab es bereits 50 Notfälle allein beim Rettungsteam der Norwegischen Volkshilfe, im gesamten Jahr 2018 waren es 60. 

Das Rote Kreuz appelliert daher an die Touristen: „Touren können länger sein, als man vorher denkt, und auch wenn morgens die Sonne scheint, kann es tagsüber schneien – auch im Sommer“, sagt Kjersti Løvik.

Zudem rät sie, sich der Anstrengungen der gesamten Tour bewusst zu sein. Sowohl bei Preikestolen als auch bei Trolltunga ist der Hinweg schließlich nur die Hälfte des Weges – die gesamte Strecke muss man auch wieder zurück. 

Zudem warnt die Bergrettung auch noch einmal vor waghalsigen Selfie-Posen auf Trolltunga und Preikestolen. Wer sich etwa für ein Foto auf die Klippe setzt oder in der Nähe des Abgrunds herumturne, riskiere sein Leben. 

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