Killer-Keim: Gran-Canaria-Urlauberin wochenlang im Koma

Killer-Keim: Gran-Canaria-Urlauberin wochenlang im Koma

Eine schwedische Touristin infizierte sich an einem resistenten Keim – und lag auf Gran Canaria drei Wochen im Koma. Ihre Beine und neun Finger mussten amputiert werden, die Ursache ist noch unklar.

Palmenstrand von Arguineguín auf Gran Canaria.
Kurz nach der Ankunft im Badeort Arguineguín wurde Elin Rantatalo krank.

Foto: imago images/Markus Lange

Sie feierten den sechsten Geburtstag von Tochter Stella, packten ihre Koffer, am 28. März ging es von Schweden nach Gran Canaria. Ferienwohnung mit Meerblick im Süden der Kanareninsel, westlich der Touristen-Hochburg Maspalomas. Frische Früchte und Churros in der Sonne, das sind die letzten schönen Erinnerungen von Elin Rantatalo an diese Reise. 

Am Tag nach der Ankunft begann ihr rechter Arm zu schmerzen, immer stärker. Die 31-Jährige dachte an eine Muskelentzündung und ging am 1. April ins Krankenhaus. Sie ließ ein paar Tests machen, ein paar Medikamente, dachte sie, dann könne sie ihren Urlaub wieder genießen.

Doch kaum hatte sie die Klinik verlassen, riefen die Ärzte an. Sie schickten einen Krankenwagen, „meine Entzündungswerte waren wohl sehr, sehr hoch“, sagt Elin Rantatalo der schwedischen Zeitung „Expressen“.

Zwei Tage nach den ersten Symptomen erlitt sie einen lebensgefährlichen septischen Schock, ihre Nieren versagten, ihre Lungen füllten sich mit Wasser, sie wurde ins künstliche Koma versetzt.

Nach einer Woche war ihr Zustand so schlecht, dass die Ärzte ihrem Mann Olle sagten, er solle Abschied nehmen, weil seine Frau die Nacht wohl nicht überleben würde. Ihr Vater kam nach Gran Canaria, um die Kinder, Stella und den kleinen Cornelis, nach Hause zu holen.

Beide Beine und neun Finger amputiert

Drei Wochen lag Elin Rantatalo im Koma, ihr Mann an ihrer Seite. Ihr Überlebenswille war stark, sie wachte wieder auf. „Eine der ersten Dinge, an die ich mich erinnere, ist, dass die Sonne sich sehr heiß angefühlt hat“, sagt sie dem Radiosender „P4 Jönköping“. 

Am 8. Mai wurden ihre beiden Beine amputiert, kurz danach auch neun Finger, nur ihren rechten Daumen hat sie noch. Zwischen Hüfte und Achselhöhlen wurde Haut transplantiert. „Ich konnte mich überraschenderweise schnell daran gewöhnen, keine Beine mehr zu haben. Aber meine Finger zu verlieren ist schwer zu verarbeiten“, sagt sie „Expressen“.

„Ich habe ein lange Phase der Rehabilitation mitsamt einiger Operationen vor mir. Aber ich werde zum Alltag zurückkehren, auf eine neue Art. Ich freue mich auf die Zukunft, so sehr“, schrieb Elin am 13. Mai auf Instagram – der erste Beitrag nach ihrer Erkrankung. „Sepsis werde ich aber wohl nie googeln“, fügt sie fast scherzhaft hinzu.  

Frust, weil niemand sagen kann, wie es zur Infektion kam

Fünf Wochen wurde sie in Spanien behandelt, dann nach Schweden verlegt. Inzwischen hat sie eine erste Reha-Maßnahme hinter sich, gewöhnt sich langsam an die Bein-Prothesen. In ihren Job wird sie nicht zurückkehren können – sie hatte einen Friseursalon.

Schwierig sei zudem, erzählt sie „Expressen“, dass nach wie vor unklar ist, woher das Bakterium kam und wie sie sich infizierte. Auch andere Urlauber können daher nicht vorsorgen. „Das ist frustrierend, die Ärzte können mir viel nicht beantworten – aber sie sagen, dass ich es nicht hätte verhindern können.“ 

Ihren Lebensmut hat die 31-Jährige nicht verloren, auf Instagram teilt sie Bilder aus ihrem neuen und ihrem alten Leben und Fotos, die die große Liebe zu ihrer Familie beschreiben. Sie sei stolz, was ihr Körper ausgehalten habe – und freue sich auf die zweite Chance, sagt Elin Rantatalo.

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