Koffer geht verloren: Was machen Flug-Passagiere dann?

Koffer geht verloren: Was machen Flug-Passagiere dann?

Worst Case am Flughafen: Der Koffer ist weg! Ob verspätet oder etwa verloren gegangen: Wie Reisende in solch einem Fall vorgehen müssen und welche Ansprüche sie haben, erklärt der reisereporter.

Ein Reisekoffer steht am Flughafen.
Wenn das geliebte Gepäck einfach nicht am Urlaubsziel auftaucht – das ist beim Verlust zu tun. (Symbolfoto)

Foto: unsplash.com/Michal Parzuchowski

Es gehört zu den Horror-Szenarien schlechthin – das Gepäck ist weg! Reisende realiseren das meist erst dann, wenn der geliebte Koffer am Ziel-Flughafen einfach nicht auf dem Gepäckband vorbeirrollt.

Der reisereporter hat mit Reiserechts-Anwalt Paul Degott gesprochen und erklärt dir Schritt für Schritt, was zu tun ist.

1. Sofort am Flughafen eine Verlustmeldung aufgeben!

Ganz gleich, ob du den Flug im Rahmen einer Pauschalreise oder individuell gebucht hast: Als Erstes müssen sich betroffene Passagiere so schnell wie möglich am Gepäckschalter melden. Halte Ausschau nach einem Schild mit der Aufschrift „lost and found“.

Dort meldest du dich mit deinem Flugticket (und dem Gepäckaufkleber) an: Es wird unter anderem nach deinem Namen, dem genauen Flug und der Anzahl der aufgegebenen Gepäckstücke gefragt. Hilfreich ist, wenn du die Koffer und Taschen detailliert beschreiben kannst.

Führt deine Beschreibung nicht weiter und taucht das Gepäck währenddessen nicht auf, musst du zwingend eine Verlustmeldung aufgeben. Wichtig: Die Verlust-Bescheinigung unbedingt aufheben!

2. Geld zurück bei Pauschalreisen

Den nächsten großen Fehler solltest du vermeiden: „Nicht mit der Beschwerde bis nach dem Urlaub warten. Und auch nicht an der Hotelrezeption das verlorene Gepäck melden“, warnt Degott. Denn ein Verlust ist grundsätzlich umgehend zu melden – deine Unterkunft trägt in dem Fall keine Verantwortung.

Anders beim Reiseveranstalter: Ist dein Koffer nicht pünktlich am Reiseziel oder gar weg, haftet dieser. Hier greift die Gewährleistung, auch wenn der Reiseveranstalter den Verlust nicht verschuldet hat. Zuletzt gab es Koffer-Chaos am Düsseldorfer Flughafen wegen einer Störung an der Gepäckabfertigung – der Flughafen ist trotzdem raus aus dem Schneider.

Bei Pauschalreisen kannst du teilweise 50 Prozent des Reisepreises zurückverlangen

Kontaktiere also umgehend deinen Reiseveranstalter. Du kannst in jedem Fall einen Minderungsanspruch geltend machen. Bedeutet: Durch den (vorübergehenden) Verlust entsteht nicht nur ein materieller Schaden, sondern er belastet deinen ganzen Urlaub.

Zeit verstreicht wegen der Suche, darunter leidet dein Erholungswert, und womöglich musst du dich um die Besorgung notweniger Utensilien kümmern. Daher muss dir der Veranstalter anteilig deinen Reisepreis zurückerstatten. Taucht das Gepäck während des ganzen Urlaubs nicht auf, kannst du mindestens 50 Prozent des Reisepreises zurückverlangen.

3. Individualreisen

Davon abgesehen, dass der verlorene Koffer die Urlaubsplanung durcheinanderbringt, entstehen auch vor Ort weitere Kosten.

Hygienartikel, Kleidung oder anderer Kleinkram – bewahre bei jedem Kauf die Quittung auf und mache die Kosten geltend. Das gilt sowohl für Pauschalurlauber als auch für Individualreisende.

Der große Unterschied: Individualreisende, also jene, die nur den Flug bei einer Airline gebucht haben, können erst mal nur eine Schadensmeldung aufgeben. Auch hier gilt: Sammle alle Quittungen und reiche sie bei der Airline ein.

Alle Kaufbelege sammeln und bei der Airline einreichen

Einen Mindestanspruch, weil deine Urlaubsqualität wegen des fehlenden Gepäcks gelitten hat, gilt hier nicht. Die Fluggesellschaft verpflichtet sich nur, dich von A nach B zu bringen. Alles andere ist Kulanz.

Die meisten stellen dir jedoch die nötigsten Artikel (Zahnbürste, Duschgel…) gratis zur Verfügung. Manchmal gibt es sogar eine Art Gutschein, um sich Kleidung zu kaufen. Die Höhe regelt jede Airline individuell.

„Notwendige Kleidung, keine Designer-Ware“, merkt Degott an. Taucht der Koffer gar nicht mehr auf, steht dir ein Schadensersatz von maximal 1.300 Euro zu – der gilt pro Passagier, nicht pro Gepäckstück. Ganz genau geregelt wird das im Montrealer Übereinkommen.

So oft gehen Koffer verloren

Wie kann ein Koffer überhaupt erst verloren gehen? Meistens passiert das Unglück beim Umsteigen – nach Angaben des SITA Baggage Reports in 46 Prozent der Fälle. Als zweithäufigste Ursache (16 Prozent) folgen Fehler bei der Ettikettierung, Verwechslung von Gepäckstücken und Komplikationen beim Sicherheitscheck oder aber einfach Schwierigkeiten bei der Verladung.

Im Flugjahr 2017 sollen 24,8 Millionen von insgesamt 4,27 Milliarden transportierten Koffern nicht im Ursprungszustand beim Besitzer gelandet sein. 

In 77 Prozent der Fälle kam das Gepäck zu spät, 18 Prozent waren beschädigt. Fünf Prozent machten gestohlene oder anderweitig verloren gegangene Koffer aus.

Trotz mehr Passagieren sinkt die Zahl der verspäteten beziehungsweise verloren gegangenen Koffer. Das liegt unter anderem an neuen Technologien wie Trackingdiensten. Derzeit sollen Airlines an eigenen Apps feilen, die Passagieren ein exaktes Nachverfolgen ermöglichen.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Das könnte dich auch interessieren
Zur
Startseite