Kaiserwinkl in Österreich: Paradies für Fliegenfischer I reisereporter

Kaiserwinkl in Österreich: Ein Paradies für Fliegenfischer

Direkt hinter der Grenze nach Österreich gibt es für Fliegenfischer viele Gelegenheiten die Angelrute auszuwerfen. Die Region Kaiserwinkl hat aber noch mehr zu bieten. reisereporter Conrad hat sich umgesehen.

Im klaren Wasser des Weißenbachs, dahinter das Kaisergebirge: Christoph Grünbacher fischt auf Bachforellen.
Im klaren Wasser des Weißenbachs, dahinter das Kaisergebirge: Christoph Grünbacher fischt auf Bachforellen.

Foto: Conrad von Meding

In hellem Kalkgrau leuchten die beiden Gipfelzüge des Tiroler Kaisergebirges im Sonnenlicht. Von ihnen kommt das Quellwasser, kristallklar mit einem Hang ins Türkisfarbene. Sauerstoffreich und schnell sprudelnd fließt es ins Tal der Region Kaiserwinkl.

Äschen und Bachforellen sind in den Flüssen heimisch, bis in die kleinsten Nebenbäche wandern sie zum Fressen und Laichen. Ein Paradies für Angler, das aber einiges Geschick abverlangt – und viel Rücksichtnahme.

Kössen und das benachbarte Walchsee sind den meisten als Wander- und Skigebiet bekannt und natürlich vom gleichnamigen See, an den beide Gemeinden grenzen.

Die meisten Touristen kommen im Sommer

Im Gegensatz zu den hochalpinen Gebieten Österreichs macht hier der Sommertourismus 65 Prozent der Besucherzahlen aus. Kein Wunder: Die Berge stehen nicht so eng wie etwa im Ötztal, die Sonne strahlt von frühmorgens bis weit in den Abend, die Hänge sind so sanft, dass sogar 70-Jährige bequem zu Mountainbiketouren aufbrechen.

Paragliding gewinnt an Beliebtheit, weil die Aufwinde berechenbar sind. Immer mehr Reisende entscheiden sich auch für Ballonfahrten und Bogenschießen, ein neues Hochmoor-Infozentrum hat eröffnet.

Als Wassersport werden Schwimmen und Wasserski im Walchsee und neuerdings Rafting in der Großache angeboten – nur als Angelgebiet ist die Region kaum bekannt. „Weniger als ein Prozent und damit für uns nicht messbar“ sei der Anteil der Angler unter den Touristen, sagt Gerd Erharter vom Tourismusverband Kaiserwinkl.

Das Moor Schwemm bei Walchsee misst rund 65 Hektar. Es ist das größte zusammenhängende Moorgebiet Nordtirols. Von einem 16 Meter hohen Aussichtsturm aus lässt sich die Natur beobachten.
Das Moor Schwemm bei Walchsee misst rund 65 Hektar. Es ist das größte zusammenhängende Moorgebiet Nordtirols. Von einem 16 Meter hohen Aussichtsturm aus lässt sich die Natur beobachten. Foto: Conrad von Meding

Mitglieder des Fischereivereins verraten die besten Stellen

Dabei sind die Mitglieder des örtlichen Fischervereins sehr hilfsbereit, wenn es darum geht, die besten Stellen fürs Fliegenfischen zu erkunden. Über 13 Kilometer erstreckt sich das Revier des Vereins am Kohlen- und Weißenbach, die aus dem Zahmen Kaiser und dem Wilden Kaiser ins Tal rauschen und dort in die Großache münden.

Selten sind die beiden dicht bewachsenen Wasserläufe breiter als fünf Meter – es braucht also Geschick, wenn man an der feinen Fliegenrute den Köder im Wasser platzieren will. Es sei denn, man kennt die Stellen, wo die Kiesbänke sich weiten.

Christoph Grünbacher, der zusammen mit Stefan Hofer den Job des Guides übernimmt, ist im Berufsleben Hubschrauberpilot – er fliegt Rettungseinsätze für die Bergwacht und auf den Autobahnen. Der perfekte Ausgleich zum manchmal anstrengenden Job sei das Fliegenfischen, sagt der 41-Jährige, während er mit ruhigem Schwung die schwerelos wirkende Köderfliege aufs Wasser setzt.

Viele kleine Bachforellen gehen an diesem Tag an den Haken, viele verschwinden aber auch wieder von selbst im Wasser – auf der gesamten Strecke des Vereins darf nur mit Schonhaken gefischt werden, also ohne Widerhaken. Der 68-jährige Hofer bringt die einzige größere Äsche des Tages in den Kescher, aber auch sie wird schonend zurückgesetzt.

Wenn die Fische mal nicht beißen, kann man im Weißenbach Golfbälle sammeln - dank Fehlschlägen vom benachbarten Golfplatz.
Wenn die Fische mal nicht beißen, kann man im Weißenbach Golfbälle sammeln - dank Fehlschlägen vom benachbarten Golfplatz. Foto: Conrad von Meding

Hochwasser schädigte 2013 die Fischbestände

Die Fischbestände haben dramatisch gelitten unter dem schweren Hochwasser, das den Raum Kössen 2013 getroffen hat. Damals hatte es tagelang geregnet, und dann war eine Brücke in der Großache eingestürzt und hatte den Abfluss der Wassermassen nach Bayern gestoppt. Viele Forellen und Äschen sind umgekommen oder geradewegs in den Chiemsee geschwemmt worden und haben den Weg nicht wieder zurückgefunden.

Der Verein setzt seitdem wieder Jungfische in großer Zahl ein und ältere Fische um. Die Universität Innsbruck hat im Herbst bescheinigt, dass die Bestände sich gut erholen: Auf einer 150 Meter langen Strecke wurden 224 Äschen bis 49 Zentimeter und 20 Bachforellen bis 36 Zentimeter gefunden, dazu 97 Koppen, das Hauptfutter der beiden Raubfischarten.

Wer im Kaiserwinkel fischen will, ist nicht nur auf Weißen- und Kohlenbach angewiesen. Der 21 Meter tiefe Walchsee, seit Jahrzehnten im Besitz der Familie Palm, ist ein Angelrevier vor allem für Spinn- und Ansitzangler, und wer will, kann ein Holzruderboot zur Tageskarte mieten und so vom See aus auf Hecht und Barsch, Karpfen und Seeforelle fischen. Mehrere Fischteichbetreiber bieten zudem Angelmöglichkeiten an Kunstgewässern mit regelmäßigem Fischnachschub an.

Großache ist das schönste Fliegenfischergewässer

Das vielleicht schönste Fliegenfischergewässer, die Großache, ist in Kössen in Privatbesitz: Die Angelrechte dort gehören Peter Schröcksnadel, dem Vorsitzenden des Österreichischen Skiverbands und Betreiber etlicher Seilbahnen und Skieinrichtungen. Er duldet keine fremden Angler in seinem Flussabschnitt.

Wer aber im Fluss angeln will, kann vom Kaiserwinkl aus sowohl den Abschnitt der Großache zwischen Kirchdorf und Erpfendorf per Tageskarte befischen wie auch die Tiroler Ache, den weiteren Flussverlauf zwischen deutscher Grenze und Chiemsee – beides ist von Kössen aus quasi um die Ecke.

An der Entenlochklamm zwängt sich die Ache durch einen Alpendurchbruch.
An der Entenlochklamm zwängt sich die Ache durch einen Alpendurchbruch. Foto: Conrad von Meding


Die Ache entspringt oberhalb Kitzbühels und hat Zuflüsse aus mehreren Zweitausenderbergen. Ihr klares Wasser erreicht bei Kössen einen starken Druck und schiebt sich dann in der Entenlochklamm durch eine enge Alpenschlucht nach Deutschland – hier locken Angler traumhafte Kiesbänke, lang gezogene Rauschen, plötzliche Sohlschwellen und eine von Menschenhand unberührte Natur – weite Teile der Klamm sind nur watend oder per Boot zu erreichen. Kein Wunder, dass auch Fahrer von Wildwasserkajaks und Rafter die Passage schätzen.

Immer mal wieder gibt es Konflikte mit Anglern, die die sensiblen Laichplätze in den Kiesbänken durch Freizeitpaddler gefährdet sehen. „Aber wir finden immer eine Lösung, mit der beide Seiten leben können“, sagt Tourismusobmann Gerd Erharter. Schließlich kämen alle Gäste, um die Natur zu genießen – und alle müssten sie auch gemeinsam nutzen können.

Den Hoteliers geht es gut

Der warme Sommer 2018 hat die Übernachtungszahlen im Kaiserwinkl auch dank vieler Spontangäste aus Deutschland anschwellen lassen. Fast eine Million waren es im abgelaufenen Tourismusjahr, etwa so viele wie zuletzt 2005, nur dass es damals noch etwa 7.000 Gästebetten im Kaiserwinkl gab. Jetzt sind es 5.500, weil viele Privatvermieter Schluss gemacht haben.

„Wir haben 80 Prozent Stammgäste“, sagt etwa Andreas Gruber vom Hotel Alpina in Kössen: „Die Leute kommen gern wieder, weil die Berge hier nicht so extrem sind.“ Familien mit Kindern, Großeltern mit Enkeln und viele aktive Senioren genießen die Ruhe auf den Almen und im Tal. Kutschfahrten, Konzerte oder Führungen etwa in Käsereien und inzwischen auch ein Freizeitpark mit Sommerrodelbahn lassen die Zeit schnell vergehen.

180 Kilometer Radwege: Das Radnetz im Kaiserwinkl ist gut ausgebaut. Die Alpen sind hier gut zu bewältigen – auch für Ungeübte.
180 Kilometer Radwege: Das Radnetz im Kaiserwinkl ist gut ausgebaut. Die Alpen sind hier gut zu bewältigen – auch für Ungeübte. Foto: Conrad von Meding


„Die Münchner Schickeria geht nach Kitzbühel – wir aber haben das schönere Tirol zu bieten“, sagt Gruber selbstbewusst. „Das ganze Jahr über ist bei uns Sonnenschein auch im Tal, und wir können in die Berge, müssen aber nicht.“ Er führt das 1972 gegründete Familienhotel mit inzwischen 79 Zimmern in zweiter Generation.

Für die dritte ist gesorgt: Tochter Sarah ist mit 29 Jahren schon in der Geschäftsführung. Der Vater war selbst Fliegenfischer. „Er hat es geliebt, in die Bäche und Flüsse zu steigen und ganz allein mit sich und den Fischen zu sein“, sagt Gruber. Auch, wenn sie im Kaiserwinkl nicht viel Aufhebens davon machen: Es ist eben eine gute Region für Fliegenfischer.

Tipps für deine Reise nach Österreich

Das Ziel: Kaiserwinkl bietet 35 Kilometer Alpinski, 121 Kilometer klassische Loipen und 119,5 Kilometer Skating-Loipen, teilweise doppelt gespurt. Die meisten Gäste kommen aber zwischen Mai und Oktober zum Wandern, Radfahren und Schwimmen.

Die Gemeinde Kössen mit 4.300 Einwohnern liegt auf 588 Metern, das knapp halb so große Walchsee auf 658 Metern Höhe. Hausberg ist der Unterberg, dessen Horn auf 1.773 Metern Höhe einen tollen Blick auf das Kaisergebirge sowie im Süden bis in die schneebedeckten Hochalpen, im Norden bis zum Chiemsee freigibt. Bis 1.500 Meter Höhe fährt eine Bergbahn, der Aufstieg zum Unterberghorn ist in 20 Minuten bequem zu bewältigen.

Anreise: Die Region Kaiserwinkl direkt hinter der deutschen Grenze lässt sich mit dem Zug und dem Auto gut erreichen. Die nächsten großen Flughäfen sind Innsbruck, Salzburg und München.

Unterkunft: Sowohl in Kössen als auch im Nachbarort Walchsee gibt es zahlreiche Privatunterkünfte und auch Hotels. Dazu gehört das Hotel Alpina (vier Sterne) in Kössen, das unter anderem über einen großen Wellness- und Schwimmbereich verfügt.

Angelerlaubnis: Um in den Flüssen und Naturseen zu angeln, benötigt man wie in Deutschland zunächst einen Fischereischein, um nachzuweisen, dass man mit Fischen naturgerecht umgehen kann. Zusätzlich sind für die Nutzung der Gewässer Erlaubniskarten nötig, die man einzeln erwerben muss.

Weiß- und Kohlenbach: Tageskarten gibt es beim Teichwart des Fischervereins Kössen in der Vereinshütte am Aufeldteich. Weil die Karten limitiert sind (nur drei Angler pro Tag), empfiehlt sich eine Anmeldung unter Telefon (00 43) 53 75 22 70, am besten zwischen 17 und 19 Uhr.

Ache: Tageskarten für die acht Kilometer lange Strecke der Großache bei Kirchdorf gibt es bei Markus Gruber unter Telefon (00 43) 66 03 44 63 10. Auf der bayerischen Seite erhält man Karten für die 25 Kilometer lange Tiroler Ache zum Beispiel beim Angelbedarfgeschäft Chiemsee-Tackle am Osterbuchbergweg 12 in Übersee.

Walchsee: Tageskarten für das Angeln auf dem 21 Meter tiefen und 96 Hektar großen See gibt es ausschließlich auf dem Campingplatz Seespitz, dort lassen sich auch Ruderboote leihen.

Angelteiche: Der Fischerverein Kössen betreibt den Aufeldteich, der mit Tageskarten befischt werden darf. Zudem gibt es im Kaiserwinkl mehrere Angelteiche, die ständig mit Fischen besetzt werden und für die kein Angelschein nötig ist, etwa die Bichlacher Angelteiche oder Quellfisch Schwendt. An beiden ist auch Ausrüstung ausleihbar.

   

Die Reise wurde unterstützt von der Tourismusregion Kaiserwinkl und dem Hotel Alpina. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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