Sizilien: Geisterstadt Poggioreale sucht Touristen als Bewohner

Diese Geisterstadt auf Sizilien sucht Bewohner

An diesem Ort ist die Zeit stehen geblieben. Das sizilianische Dorf Poggioreale wurde durch ein verheerendes Erdbeben eine Geisterstadt. Doch das soll sich ändern, diesen Ruinen kannst du Leben einhauchen.

Hinter den wolkenverhangenen Olivenhainen kämpfen sich die Sonnenstrahlen über der Geisterstadt Poggioreale hervor.
Hinter den wolkenverhangenen Olivenhainen kämpfen sich die Sonnenstrahlen über der Geisterstadt Poggioreale hervor. Eigentlich ein Idyll.

Foto: unsplash.com/Daniel Wiadro

Vor mehr als 50 Jahren, in der Nacht zum 15. Januar 1968, bebte das Valle del Belice im Südwesten Siziliens. Es war eines der heftigsten Erdbeben in der italienischen Geschichte.

Menschen flohen aus ihren Häusern, mehr als 200 kamen bei der Naturkatastrophe ums Leben. Eine Ortschaft, in der die Zerstörung besonders heftig war, ist das Städtchen Poggioreale. Die teilweise in Trümmer liegenden Gebäude stehen seither leer. Das soll sich so schnell wie möglich ändern.

Auswanderer willkommen: Dorf in Sizilien soll wiederbelebt werden

Bürgermeister Girolamo Cangelosi möchte den Nachfahren der damals geflohenen Einwohner ihre alte Heimat zurückgeben. Und auch Touristen dürfen gern in Poggioreale sesshaft werden. Doch für die Umsetzung seines Ziels fehlen ihm nicht nur Menschen, sondern vor allem das Geld.

Dafür reiste er um die Welt, um Angehörige der ehemaligen Bürger Poggioreales ausfindig zu machen und sie um Spenden zu bitten: „Ich will die Stadt wieder aus ihrem Grab holen und sie zum Scheinen bringen“, sagte er „CNN Travel“. 

Sowohl in den USA als auch in Australien sollen insgesamt 9.000 Menschen leben, deren Vorfahren nach dem Erdbeben flüchteten. „Ich reise um die Welt, um die Familien, die trotz ihrer langen Abwesenheit noch immer eine starke Bindung zu ihrer Heimat haben, miteinander zu vernetzen.“

Bürgermeister sucht zahlungskräftige Bürger für Geisterstadt 

Wie du helfen und nach Poggireale ziehen kannst? Indem du 50.000 Euro in (d)eine Ruine investierst – vorher müssen aber zunächst Straßen, Plätze und damit auch das Grundversorgungssystem wieder in Gang gebracht werden. Mit etwas Fantasie könntest du dann bald wieder Kultur im Theater genießen, dich in der alten Bibliothek belesen oder am Marktpkatz la dolce vita genießen.

Die Lage der Geisterstadt hat Potenzial für eine Touristendestination: Umgeben von Olivenhainen und Schafweiden soll es sich in den umliegenden Hügeln wunderbar wandern und Rad fahren lassen.

Im Ort selbst plant Bürgermeister Girolamo Cangelosi Einkaufsmöglichkeiten, Bars und Unterkünfte. 

Wieso wurde aus der Poggioreale eine Geisterstadt?

Ob der Bürgermeister es auf diese Weise tatsächlich schafft, das alte Lebensgefühl in die Geisterstadt zurückzubringen? Die Vergangenheit dürfte ihn zumindest einiges gelehrt haben.

Denn nach dem starken Erdbeben wurde Poggioreale einfach an einen anderen Ort versetzt. Die einstigen prunkvollen Bauten liegen seither brach.

Die Geschichte Poggioreales reicht bis ins Jahr 1642 zurück.
Die Geschichte Poggioreales reicht bis ins Jahr 1642 zurück. Damals schenkte der Spanische König Ferdinand IV. einem Fürsten das Gebiet. Foto: imago images / imagebroker

Die Einwohner sollten sich im neu enstandenen Poggioreale Nuova eigentlich eine neue Existenz aufbauen – doch zu Hause fühlten sich nur wenige, wie ein ehemaliger Bürger namens Calogero Petralia dem „Guardian“ schilderte: „Das neue Poggioreale gehörte einfach nicht zu mir.“

Sizilien sucht händeringend nach Einwohnern 

Es ist nicht der erste Versuch Siziliens, Menschen vom Bleiben zu überzeugen und damit mehr als nur ein Feriendomizil zu sein. 

Gerade junge Menschen tauschen das Landleben gegen die aufregende Stadt ein. Hauspreise von gerade mal einem Euro in dem malerischen Dorf Sambuca oder in Mussomeli im Herzen Siziliens sollen dieser Abwanderung entgegenwirken. 

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