Norwegen: Wie die Altstadt von Starvanger unter Kreuzfahrten leidet

Norwegen: Wie eine Altstadt unter Kreuzfahrten leidet

Kreuzfahrtschiffe versperren die Aussicht und verpesten die Luft, Touristen verstopfen die Straßen, laufen in Gärten und starren in Wohnungen – die Bewohner von Stavanger haben die Nase voll.

Touristen in der Altstadt von Stavanger in Norwegen.
Die Häuser in Stavangers Altstadt sind nett anzuschauen – reinschauen sollten Besucher aber nicht.

Foto: imago images/Raimund Müller

Stavanger im Süden Norwegens ist ein beliebter Hafen für Kreuzfahrten. Weil die Bucht so tief ist, können Kreuzfahrtschiffe bis ins Zentrum fahren. Für die Urlauber ein Pluspunkt – vielen Einheimischen ist das aber ein Dorn im Auge.

Die Bewohner der Altstadt leiden immer mehr unter den Schiffen und den Touristen. Als die am besten erhaltene Holzhaussiedlung in Nordeuropa ist Gamle Stavanger ein beliebtes Ziel für den Stadtbummel. Sie besteht aus 173 geschützten, weiß oder bunt gestrichenen Häusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert. 

Kreuzfahrt-Touristen bevölkern Stavangers Straßen und laufen in private Gärten

„Auf dem Marktplatz herrscht Touristenwahnsinn. In der Altstadt leben Menschen, die erleben, wie Touristen in ihre Gärten spazieren, weil sie denken, das sei eine Art Museumsdorf.“ So schildert Lokalpolitiker Mímir Kristjánsson die Situation gegenüber der norwegischen Zeitung „Dagbladet“. 

„Es ist nicht so, dass wir keine Schiffe oder Touristen hier haben wollen. Wir wollen nur nicht, dass sie uns auf die Teller gucken“, sagt auch Altstadtbewohner Bernt Posch. 

Nicht nur die Touristen, auch die Schiffe selbst stören die Einheimischen. Bernt Posch hat eigentlich eine fantastische Aussicht auf die Bucht – sie wird allerdings fast täglich von riesigen Kreuzfahrtschiffen blockiert. „Die ganze Bucht verschwindet. Das ist tragisch.“ Erst abends kann er seine Aussicht wieder ungestört genießen. Viele Häuser liegen zudem den ganzen Tag im Schatten der riesigen Pötte.

Jeden Morgen schallen die Ansagen an Bord durch die Straßen: „We are now arriving Stavanger“ – wir erreichen jetzt Stavanger, gefolgt von minutenlagen Hinweisen über die Stadt.

Allein in diesem Jahr werden bis zu 250 Schiffe erwartet, im kommenden Jahr sollen es schon 290 sein. Manchmal liegen bis zu vier Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig im Hafen. Weil diese immer größer werden, steigt auch die Zahl der Kreuzfahrttouristen in Stavanger: 40 Prozent mehr werden in diesem Jahr im Vergleich zu 2018 erwartet.

Stavanger: Einheimische fürchten Umweltverschmutzung durch Kreuzfahrtschiffe

Viele Anwohner beschweren sich außerdem, dass ihre Häuser vom Ruß der Schiffe völlig verdreckt würden und die Häuser mehrmals jährlich gereinigt werden müssten. Den ganzen Tag würden die Schiffsmotoren dröhnen, ergänzt Anwohnerin Unni Karoline Bakke. „Es gibt viel Verunreinigung. An manchen Tagen halten wir alle Fenster und Türen geschlossen.“ Ein Antrag der Stadt auf eine Landstromanlage wurde abgelehnt.

Viele Einheimische verstehen nicht, warum die Schiffe nicht außerhalb der Stadt anlegen. Besucher könnten mit kleineren Schiffen in den Stadtkern gebracht werden, wenn sie an Land wollten, finden sie. „So wie es jetzt ist, verlieren wir das Herz der Stadt“, lautet das Urteil von Unni Karoline Bakke.

Stavanger will Kreuzfahrt-Hafen verlegen

Hafendirektorin Merete Eik will die Ankünfte von Kreuzfahrtschiffen besser auf das ganze Jahr verteilen und so die Sommermonate entlasten. Außerdem versuche man, nicht mehr als 9.000 Passagiere pro Tag in Stavanger zu empfangen. 

Tatsächlich seien bereits neue städtische Planungen beschlossen worden. Denen zufolge soll außerhalb des Zentrums ein neuer Kreuzfahrtkai gebaut werden. Wie lange das dauert, ist aber noch völlig offen: „Wir hoffen, die Pläne so schnell wie möglich umsetzen zu können“, so die Hafendirektorin. „Aber solche Dinge dauern halt.“

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