„Bis dieser Unsinn ein Ende hat“ – so lange wollen Aktivisten wie Julia Schröder von der Turbo-Klima-Kampf-Gruppe (TKKG) gegen die boomende Kreuzfahrt-Branche in Kiel demonstrieren. Das berichten die „Kieler Nachrichten“. 

Weder die Dampfer noch Passagiere seien ihrer Meinung nach in Kiel willkommen – und das sollen am Samstag unter anderem die Urlauber der ankernden Schiffe „MSC Meraviglia“, „Mein Schiff 1“ und „Aida Prima“ in einer Protestaktion zu spüren bekommen.

Protestaktion in Kiel gegen Kreuzfahrt – rund 400 Teilnehmer

Rund 12.000 Gäste sollen bis 19 Uhr an Bord der drei Kreuzer gehen. Genau diese wollten die Umweltschützer abfangen und über Probleme des Kreuzfahrt-Tourismus informieren. 

Zu der Demo, die um 13.30 Uhr am Platz der Matrosen vor dem Hauptbahnhof gestartet ist, waren offiziell 200 Menschen angemeldet. Nach aktuellem Stand der  „Kieler Nachrichten“, sollen sich insgesamt 400 Menschen dem Demonstrationszug angeschlossen haben. Darunter auch Anhänger von Greenpeace, Extinction Rebellion und dem Nabu.

Ein Mann verkleidet als Eisbär, der um seine rettende Eisscholle fürchtet – ein Hinweis auf die schmelzenden Polkappen.
Ein Mann verkleidet als Eisbär, der um seine rettende Eisscholle fürchtet – ein Hinweis auf die schmelzenden Polkappen. Foto: imago images / penofoto

Vom Bahnhof aus zogen die Aktivisten in Schwimmoutfits und mit Schlauchbooten durch die Kieler Innenstadt zum Ostseekai. Auf dem Weg dorthin planten die Teilnehmer auch Stopps bei Reisebüros ein, die Kreuzfahrten anbieten. 

Am Ziel, dem Ostseekai, wurde für die Demonstranten ein kleiner Bereich abgesperrt. Offiziell wurde die Protestaktion vorzeitig um 16 Uhr beendet. Mehr als eine Kundgebung, Musik und einige Diskussionen mit Passanten gab es bislang nicht, dennoch möchte die Polizei weiter vor Ort bleiben bis die Schiffe Kiel am Abend verlassen haben.

Ziel des Demo-Zuges war der Ostseekai in Kiel, wo am Samstag die  „Mein Schiff 1“ ankerte.
Ziel des Demo-Zuges war der Ostseekai in Kiel, wo am Samstag die „Mein Schiff 1“ ankerte. Foto: imago images / penofoto

Darum protestieren die Umweltschützer in Kiel

Sie machen die Branche für die Klimakrise mitverantwortlich. Von Touristen hinterlassene Müllberge, der Verbrauch von fossilen Brennstoffen und der Ausstoß von umweltschädlichen Treibhausgasen sind nur einige der Kritikpunkte. Auch gegen schlechte Arbeitsbedingungen der Besatzung wettern sie.

Das scheint die Protest-Gruppierungen zu vereinen, die Forderungen fallen jedoch unterschiedlich aus. Greenpeace Kiel verlangt, dass Reedereien gesetzlich verpflichtet werden, während der Liegezeit Landstrom zu beziehen. Um das Problembewusstsein bei Reisenden zu wecken, hält der Bund eine Klimagebühr für jeden Kreuzfahrttouristen für wirksam, berichtet der „NDR“.

Polizei stockt Personal wegen Kreuzfahrt-Demo auf

„Wir hoffen auf einen friedlichen Ablauf“, sagte Polizeisprecher Matthias Felsch im Vorfeld gegenüber der „Kieler Nachrichten“. Doch seitens der Klimaaktivisten gibt es dafür keine Garantie: „In Kiel und auch anderswo ist kein Kreuzfahrtschiff vor einer erneuten Blockade sicher“, drohte die TKKG.

Die Polizei im Großeinsatz.
Die Polizei im Großeinsatz: Entgegen aller Befürchtungen, verlief die Protestaktion friedlich ab. Foto: imago images / penofoto

Und diese Drohung sollte ernst genommen werden: Erst Pfingsten blockierten Aktivisten ein Kreuzfahrtschiff, indem sie sich auf einem Kran am Ostseekai in Kiel, dem Wulstbug und im Wasser vor dem Kreuzfahrtschiff versammelten. Die Polizei musste eingreifen, das Schiff fuhr mit sechs Stunden Verspätung ab

Schon im April mussten Einsatzkräfte eine Sitzblockade bei einer Demo beenden. Die Polizei wappnet sich vor Ort. Allein 18 Mannschaftswagen postierten sich vor dem Kieler Hauptbahnhof.

Und auch das Sicherheits- und Abfertigungspersonal am Hafen wurde aufgestockt, allerdings vor allem wegen des erhöhten Passagieraufkommens. Am Scheerhafen, dort wo die „Aida Prima“ derzeit liegt, soll es Platzverweise gegeben haben. 

Venedig und Kiel: Menschen protestieren fürs Klima

Erhitzte Gemüter im Norden Deutschlands, aber auch im Süden Europas: Rund 8.000 Einwohner Venedigs gingen Anfang Juni, nach einem Kreuzfahrt-Crash, auf die Straße. Auch sie machen die Reedereien für die Verschmutzung von Luft und Wasser verantwortlich.

Deutlich gravierender als in Kiel zeigt sich dort die Überlastung der Stadt, maßgeblich verursacht durch die Kreuzfahrt-Gäste. Tausende von ihnen strömen mit einem Mal in die engen Gassen und tragen damit zum Overtourism in der Unesco-Stadt bei.