Notting Hill: Einwohner kämpfen gegen Selfie-Touristen

Notting Hill: Einwohner kämpfen gegen Selfie-Touristen

Das bunte Viertel in London ist seit dem „Notting Hill“-Film ein Touristenmagnet. Das Problem: Viele benehmen sich daneben, die Einwohner wollen ihre Häuser nicht mehr Instagram sehen.

Jennifer Geminiani
 Auch Julia Roberts und Hugh Grant verliebten sich in „Notting Hill“ in die Gegend.
Auch Julia Roberts und Hugh Grant verliebten sich in „Notting Hill“ in die Gegend.

Foto: imago/imagebroker

Den Einwohner des Londoner Stadtviertels Notting Hill reicht es: Seit Jahren gehört der Bezirk zu den meistfotografierten Gegenden in der Metropole und ist seitdem ein Instagram-Hotspot für Touris.

Nicht nur die bunten Mauern und Erker der Häuser sind beliebt, auch die bunten Eingänge und Treppen sind ein echter Hit bei Fotografen. Unter dem Hashtag #Nottinghill findest du 1,2 Millionen Fotos.

Doch damit nicht genug: Viele Touristen posieren direkt vor Türen und lehnen sich an Zäune, stürmen teilweise sogar in private Gärten; und das alles nur, um den besten Schnappschuss auf Social Media zu posten.

Die Anwohner von Notting Hill sind so gar nicht amused. In einem Interview gegenüber der englischen „The Times“ offenbart eine 90-jährige Anwohnerin: „Es wird immer schlimmer. Sie sitzen einfach vor meiner Haustür und posieren. Oftmals sind sie ziemlich unhöflich und machen viel Lärm.“

Sie wohne bereits seit 40 Jahren in der Straße und berichtet von einer besonders schlimmen Erfahrung ihrer Tochter. Diese habe Menschen darum gebeten, nicht dauerhaft vor der Eingangstür zu stehen. Daraufhin sei sie beschimpft worden.

Auch die Nachbarn der 90-Jährigen beschweren sich, eine vergleicht Notting Hill mit Disneyland: Überall säßen Millennials, die ihr Mittagessen einfach auf der Türschwelle von Privathäusern genießen würden.

Nicht nur in London nerven Instagram-Touristen

Auch Paris kennt dieses Problem nur zu gut. Aufgrund des aufdringlichen Verhaltens von Touris in ihrem bunten Stadtviertel um die Rue Crémieux appellierten sie bereits im März an die Stadt, ein klares Zeichen zu setzen. Die Straße in der Hauptstadt soll abends und an Wochenenden für Touris gesperrt werden.

Der Vize-Präsident der Straßenvereinigung sagte gegenüber dem Radiosender „Franceinfo“: „Es ist zur Hölle geworden. Während der Woche ist es nicht allzu schlimm, weil es sich mit den Touristengruppen noch in Grenzen hält, aber am Wochenende sind über 200 Personen vor den Fenstern, um sich zu fotografieren.“

Auch in den USA ächzen einige Städte unter dem Problem: San Franciscos berühmte Lombard Street zieht 200 Millionen Besucher jedes Jahr an. Inzwischen wird sogar ein Eintritt von 9 Euro in Erwägung gezogen, um den Tourismus einzudämmen.

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