Analyse entlarvt: City-Pässe für Städtetrips lohnen sich selten

Analyse entlarvt: Städtepässe lohnen sich selten

Städte-Trips sind so beliebt wie nie zuvor. Vor Ort wollen Reisende das volle Sightseeing-Paket – und das zu kleinem Preis. Eine Möglichkeit sind Städtepässe, die Rabatte versprechen. Lohnt sich der Kauf?

Ein Foto von Venedigs Kanälen.
Rundum-Paket Städtepass: Allein in Venedig verglich ein Portal drei Varianten eines Passes. Welches Angebot lohnt sich wirklich? (Symbolfoto)

Foto: unsplash.com/Jakob Owens

Ordentliche Rabatte bei Führungen, freier Eintritt in Museen und bequemes Fahren mit Bussen und Bahnen – das sind nur einige Punkte, mit denen die Angebote der Städtepässe Urlauber locken wollen.

Scheint auf den ersten Blick praktisch, wirklich sparen kannst du damit bei der Städtereise aber nur unter Umständen. Der reisereporter sagt dir, in welchen Städten sich der Pass bezahlt macht und worauf du beim Kauf achten solltest.

So teuer ist ein Städtepass

Ein Blick auf die Preise: Durchschnittlich kostet dich der Städtepass 62,43 Euro. Das hat das Deal-Portal „Mydealz“ in einer Analyse in 33 europäischen Städten in 20 verschiedenen Ländern herausgefunden – 168 Pässe wurden unter die Lupe genommen.

Theoretisch könnten Urlauber beim Besuch von 55 Sehenswürdigkeiten ganze 499,45 Euro sparen, aber mal ehrlich: Schaffst du dieses Pensum in einem zwei- bis dreitägigen City-Trip? 

Wer nicht viel ausgeben will – und Lust auf Urlaub in der nordirischen Hauptstadt hat –, dem dürfte der „Belfast Visitor Pass“ für umgerechnet 6,78 Euro gut ins Budget passen. Der preisgünstigste aller Pässe ist allerdings auch nur einen Tag lang gültig.

Sechs Tage mehr und 25 Sehenswürdigkeiten inklusive bekommst du für die „Madrid iVenture Card“ – für saftige 255 Euro der teuerste Städtepass in dem Vergleich!

Mit so viel musst du in der Regel aber nicht rechnen. Die Analyse ergab, dass 82 Pässe weniger als 50 Euro kosteten, 54 Pässe 50 bis 100 Euro und 24 Pässe zwischen 100 und 150 Euro. 

Darüber lagen weitere fünf Pässe, darunter der Spitzenreiter aus Madrid und der „London Pass + Travel“ (sechs Tage für 219,22 Euro; zehn Tage für 236,17 Euro).

Städtetrip am Wochenende? Für diese Dauer lohnt sich der City Pass

Beim Preis zählt ein ganz entscheidender Faktor: die Gültigkeit. Logischerweise steigt der Preis mit der gültigen Tagesanzahl. Einer der Gründe: „Der Herausgeber der Pässe muss die Betreiber der einzelnen Sehenswürdigkeiten meist nur bei einem tatsächlichen Besuch am Umsatz beteiligen“, heißt es in der Analyse. 

Je länger Reisende in der Stadt sind, desto größer seien die potenziellen Kosten und desto höher auch der Preis eines Städtepasses.

Aber wie viele Sehenswürdigkeiten willst du in einem bestimmten Zeitraum wirklich sehen? Für wie viele Tage rentiert sich also der Pass? Verhältnismäßig budgetschonend schneiden die Ein-Tages-Pässe ab – vorausgesetzt, dein Kurztrip gleicht einem Spießroutenlauf.

Wer sich Zeit beim Sightseeing lassen will, der ist mit Städtepässen mit bis zu vier Tagen Gültigkeit gut beraten. Ab fünf Tagen verschlechtere sich das Preis-Leistungs-Verhältnis, ab sieben Tage Laufzeit lohne sich der Kauf kaum, stellte das Deal-Portal fest.

Was kriegst du für dein Geld?

Preis: check! Gültigkeit: check! Aber was bekommst du für den Städtepass überhaupt geboten? Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Irreführend sind dabei die Slogans. So heißt es bei der „Lisboa Card“ (42 Euro für drei Tage): „Freier Eintritt in Lissabons beste Attraktionen und Museen.“ Diesen gab es allerdings nur bei 40 von 102 Attraktionen.

Nicht ganz so mau sieht die Bilanz bei der „Zürich Card“ (24,30 Euro für einen Tag) aus, dort kommst du mit dem Pass bei 43 von insgesamt 59 Sehenswürdigkeiten gratis rein.

Im Schnitt bieten die 168 analysierten Städtepässe bei 55 Touri-Spots – darunter Museen, Führungen, Bühnen – Rabatte, wirklich im Pass-Preis inklusive sind hingegen nur 26 solcher Angebote. 

Bedeutet für dich: Informier dich vorher ganz genau über die Leistungen. Welche Sehenswürdigkeiten interessieren dich besonders und sind diese im Preis inbegriffen? Wenn nicht: Wie hoch sind die Mehrkosten?

Vorsicht: Hinter kleinen Preisen können Mehrkosten stecken

Um Kostenfallen beim Pass zu vermeiden, solltest du dich nicht von dem hohen Kaufpreis abschrecken lassen – solange du damit gratis deine Favoriten besuchen kannst. Deutlich wird das an diesem Beispiel: Mit dem „Stockholm Pass“ (fünf Tage gültig für 139,03 Euro) erhalten Reisende Eintritt zu 68 Sehenswürdigkeiten im Wert von bis zu 1.668,26 Euro. 

Deutlich preiswerter ist zwar die „Hamburg Card“ mit 10,50 Euro (einen Tag gültig). Für 40 der 43 Angebote müssen Reisende jedoch zusätzlich zahlen – und zwar 2.912,59 Euro!

Welcher Städtepass ist der Richtige für dich?

Gepredigt haben wir dir, dass du ganz nach deinen persönlichen Vorlieben den Pass wählen solltest. Dabei hast du die Qual die Wahl: Aufgerundet gibt es in den getesteten Städten zwei Pässe in fünf verschiedenen Varianten.

Meistens kannst du dafür unbegrenzt Öffis nutzen und besonders beliebte Sehenswürdigkeiten ohne langes Anstehen (Fast Lane) besuchen, zum Beispiel den Petersdom in Rom, den Tower of London oder den Berliner Fernsehturm.

Wem das reicht, der kann auf die preiswerteren (und damit oftmals schmaleren) Pässe zurückgreifen – hier ein paar Beispiele: der „Belfast Pass“ (Preis: ab 6,78 Euro), die „Berlin City Tour Card“ (ab 16,90 Euro), die „Köln Card“ (ab 9 Euro) , die „Budapest Card“ (ab 20,12 Euro) oder die „Milano Card“ (ab 8 Euro).

Das beste Rundum-Paket bietet „Mydealz“ zufolge allerdings der „Venedig City Pass Complete“ (sieben Tage gültig für 124,90 Euro). Dieser rechnet sich allerdings erst ab acht besuchten Sehenswürdigkeiten.

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