Sächsische Schweiz: Hier kannst du Stille fühlen I reisereporter.de

Sächsische Schweiz: Hier kannst du Stille fühlen

Die Sächsisch-Böhmische Schweiz ist eine Urlaubsregion für Entdecker. Zwischen Malerweg und Biodorf gibt es einiges zu sehen. reisereporter Jens hat sich bei einem Besuch ein Bild davon gemacht.

Die 1851 errichtete Basteibrücke bietet knapp 200 Meter oberhalb von Rathen einen grandiosen Blick in die Landschaft.
Die 1851 errichtete Basteibrücke bietet knapp 200 Meter oberhalb von Rathen einen grandiosen Blick in die Landschaft.

Foto: Jens Burmeister

Es ist noch früh an diesem Morgen. Nebel wabert über die Elbe und steigt den ersten Sonnenstrahlen entgegen. Der Ausblick von der Bastei ist grandios: bizarre Felsen wie Kleckerburgen, tiefe Schluchten mit fast senkrechten Wänden und in der Ferne majestätische Tafelberge, wie der dicht bewaldete Lilienstein oder der Königstein.

Die Zeit scheint hier, knapp 200 Meter oberhalb des Kurortes Rathen, in Deutschlands einzigem Felsennationalpark stillzustehen.

Sächsische Schweiz: Maler haben die Landschaft bekannt gemacht

Es ist vielleicht genau dieses Gefühl, das auch Maler der Romantik wie Caspar David Friedrich (1774–1840) oder Ludwig Richter (1803–1884) erfasste, als sie vor rund 200 Jahren diese großartige aus Sand gebaute Erosionslandschaft durchstreiften und den Zauber der Sächsisch-Böhmischen Schweiz in ihren Bildern verewigten.

Ohne sie wäre das Elbsandsteingebirge vielleicht nicht das, was es heute ist: eine der beliebtesten Naturlandschaften Europas, ein gemeinsamer Nationalpark mit 1.100 Kletterfelsen, 1.200 Kilometer Wanderwegen und der größten Sandstein-Felsbrücke Europas, dem Prebischtor im nahen Tschechien.

Zu den schönsten Wegen gehört dabei zweifellos der 112 Kilometer lange Malerweg, der sich weitgehend an den historischen Routen der Künstler orientiert.

Mit ihren Felsnadeln und Tafelbergen gleicht die Sächsische Schweiz einer Märchenlandschaft.
Mit ihren Felsnadeln und Tafelbergen gleicht die Sächsische Schweiz einer Märchenlandschaft. Foto: Jens Burmeister


Apropos wandern – die Zeit drängt. Die Nationalparkführer Ralf Schmädicke und Daphna Zieschang warten bereits, um uns ein Stück auf dieser schönen Route zu begleiten. Doch zuerst wird der Rucksack mit Proviant gefüllt. „Wie die Verpflegung, so die Bewegung“, scherzt Ralf und meint im schönsten Sächsisch, die „Bredchen“ würden wir brauchen.

Auf geht’s in die Schwedenlöcher, eine klammartige Schlucht

Die Bäume, die an den steilen Felsen zu kleben scheinen, lassen die Sonne kaum hindurchdringen. Das hier herrschende Klima, bei dem die Temperaturen um bis zu 15 Grad Celsius tiefer liegen als auf der Hochebene, hat ein ganz eigenes Reich der Moose und Farne geschaffen.

Aber warum Schwedenlöcher? Der Begriff stammt aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, weiß Daphna. Damals flüchteten Bauern der Region hierher vor brandschatzenden schwedischen Soldaten.

Nationalpark-Guide Ralf Schmädicke führt Besucher gern zu Orten der Stille im Elbsandsteingebirge.
Nationalpark-Guide Ralf Schmädicke führt Besucher gern zu Orten der Stille im Elbsandsteingebirge. Foto: Jens Burmeister

Weiter geht es durch dichten Wald, vorbei an engen Felswänden – eine wahrhaft filmreife Kulisse. Kein Wunder, dass hier so bekannte Hollywoodstreifen wie „Inglourious Basterds“, „Die Chroniken von Narnia“ oder der Defa-Indianerfilm „Die Söhne der großen Bärin“ gedreht wurden.

Hier gibt es Orte, da kann man die Stille körperlich fühlen.

Ralf Schmädicke, Wanderführer

Plötzlich hält Ralf inne. „Hört ihr das?“ Wir lauschen. Die Sekunden vergehen. Und wir hören nichts. Absolut nichts. „Hier gibt es Orte, da kann man die Stille körperlich fühlen“, schwärmt der Wanderführer.

Viele seien heute eingehüllt in eine Wolke aus Geräuschen von Straßenlärm, Musik und Sprache. „Und wenn dieses Grundrauschen mal wegfällt, dann ist das Balsam für die Seele“, sagt Ralf. Erst jetzt begreifen wir, was er meint, und gehen nachdenklich weiter.

Auf den Dampfschiffen lässt sich die Region in aller Ruhe erkunden.
Auf den Dampfschiffen lässt sich die Region in aller Ruhe erkunden. Foto: Jens Burmeister

Mit dem Schaufelradschiff „Pirna“ nach Bad Schandau

Zurück geht es gemütlich: mit dem 1898 gebauten Schaufelradschiff „Pirna“. Vor gut 180 Jahren war es noch ein modernes Verkehrsmittel für Sommerausflügler. Geschwindigkeit ist heute aber längst kein Argument mehr für die sächsischen Nostalgieschiffe.

Heute fährt man Dampfer, weil es langsam ist. Und weil es zugleich so schön ist, schippern wir bis Bad Schandau, um von dort einen kurzen Abstecher nach Schmilka zu machen. Was uns dort erwartet, hält man kaum für möglich.

Aus dem einst verschlafenem Grenzdorf ist ein moderner Bio-Erlebnisort geworden: mit Hotel, Gaststätten, Wassermühle, Bäckerei, Bierbrauerei und Badehaus – das meiste davon verpackt in Fachwerkhäuschen.

Zum Biodorf Schmilka gehören eine eigene Mühle, eine Bäckerei, eine Brauerei und ein Hotel.
Zum Biodorf Schmilka gehören eine eigene Mühle, eine Bäckerei, eine Brauerei und ein Hotel. Foto: Thorsten Rogge/Biodorf

Als der ostdeutsche Unternehmer Sven-Erik Hitzer Anfang des Jahrtausends begann, seine Vision umzusetzen, galt er noch als Paradiesvogel. Alles sollte plötzlich öko sein – Naturstrom, Kräuter aus dem eigenen Garten, Lehmbauweise, geseifte statt geölte Fußböden, surrende E-Autos.

Heute hat er 70 Arbeitsplätze in der 78-Seelen-Gemeinde geschaffen, die Gäste kommen selbst aus Südamerika und Ostasien, Hitzer wird als sächsischer Bio-Visionär gefeiert. Ob er noch Pläne habe? „Und ob. Ich habe ständig Kopfkino“, sagt er. Als Nächstes plant er die Eröffnung eines Hostels in einer Biedermeiervilla.

Nach so vielen Eindrücken macht sich natürlich der Hunger bemerkbar. Aber was isst man so typischerweise in der Sächsischen Schweiz? Klar, die Leipziger haben ihr Allerlei-Gemüse, die Böhmen ihre Knödel, die Bayern ihre Weißwurst.

Die Wanderführer geben uns einen Tipp: Esst bei Martin Wehler im Bad Schandauer Elbhotel. Und tatsächlich. Der erst 26-jährige Chefkoch ist hocherfreut, als wir ihn nach dem kulinarischen Markenzeichen der Region fragen.

Der Krautwickel ist ein Küchenklassiker

Gemeinsam mit dem Regionalverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands sowie anderen Hotelköchen ist Martin einer derjenigen, die in der Geschichte der Sächsischen Schweiz und in der Küche ihrer Oma geforscht haben und dabei auf den variantenreichen Klassiker Krautwickel gestoßen sind.

Kulinarisch aufgepeppt gibt es seit ein paar Jahren auf seiner Karte aber nicht nur die herzhafte Kohlroulade mit gehacktem Schweinefleisch, sondern auch einen Krautwickel aus Wildschweinfleisch im Rotkohlmantel mit Quittenragout. Einfach lecker! „Wir haben uns für den Krautwickel entschieden, weil er sich ausnahmslos und ganzjährig aus regionalen Produkten zubereiten lässt“, sagt Martin.

Wer es hingegen nicht ganz so deftig, aber dennoch regional mit einem Hauch von asiatischer Exotik mag, der ist bei Barbara Siebert bestens aufgehoben. Abseits des touristischen Trubels liegt ihr Landgasthof im romantischen Schwarzbachtal. Köchin ist die geborene Badenerin eigentlich aus der Not geworden.

Nachdem ihr Mann gestorben war, wollte sie den Gasthof nicht aufgeben und probierte es erst mit anderen Köchen, um schließlich selbst am Herd zu stehen. Ihre treuen Gäste danken es ihr bis heute. „Ich koche immer so, als hätte ich Freunde eingeladen“, verrät sie uns.

Die meisten Zutaten stammen aus der Region

Die meisten Produkte, die sie verwendet, kommen aus der Region: Fisch aus dem nahen Langburkersdorf, Wild schießt ein Jäger aus Altendorf, Kuh- und Ziegenkäse werden in Cunnersdorf, Wehrsdorf und Lauterbach hergestellt. Die Eier werden von Hühnern in Lohsdorf gelegt, Rind- und Schweinefleisch kommen von Minsels Hofladen in Lohmen. Spezielle Gewürze und einige Kräuter bringt sie von ihren Touren aus ganz Asien mit. Und wie sie die mit den heimischen Produkten kombiniert, das bleibt ihr Geheimnis.

Tipps für deine Reise in die Sächsische Schweiz

Anreise: Die Sächsische Schweiz liegt an der Bahnstrecke Hamburg–Prag. Es ist sogar ein Ausstieg in Bad Schandau möglich. Sie ist außerdem über die A 17 und B 172 mit Dresden verbunden. Von Dresden aus verkehrt regelmäßig die S-Bahn bis Schmilka. Der öffentliche Nahverkehr ist gut ausgebaut. Elbnahe Orte sind auch mit der Sächsischen Dampfschifffahrt erreichbar.

Beste Reisezeit: Zum Wandern eignet sich die Region ganzjährig. Selbst im Winter haben einige Berghütten geöffnet, es gibt kleine Skigebiete für Anfänger und Langläufer.

Hotels: Zu empfehlen sind das Berghotel Bastei direkt an der historischen Basteibrücke über dem Elbtal (Doppelzimmer sind ab 95 Euro pro Nacht buchbar) und das Hotel Elbresidenz in Bad Schandau direkt an der Elbe. Eine Übernachtung im Doppelzimmer kostet hier ab 136 Euro.

Attraktionen: Das Nationalparkzentrum (Dresdner Straße 2 B, Bad Schandau) bietet kostenfreie Wanderberatungen und eine multimediale Ausstellung über die Entstehung des Elbsandsteingebirges.

Weitere Informationen: Tourismusverband Sächsische Schweiz, Bahnhofstraße 21, 01796 Pirna, Telefon: 0 35 01/47 01 47, info@saechsische-schweiz.de.

  

Die Reise wurde unterstützt vom Tourismusverband Sächsische Schweiz. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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