Flug-Scham bei Reisenden: Warum jetzt sogar die Airline KLM mitmacht

Flug-Scham: Warum jetzt sogar eine Airline mitmacht

Immer mehr Menschen fliegen – der große Greta-Effekt scheint bei der Mehrheit der Reisenden noch nicht angekommen zu sein. Das will KLM ändern. Airline wirbt für Flug-Scham – wie passt das zusammen?

Der Sonnenuntergang über den Wolken.
Über den Wolken willst du eigentlich abschalten – oder plagt dich etwa auch das schlechte Gewissen? (Symbolfoto)

Foto: unsplash.com/Sahar Kanyas

Muss es das Flugzeug sein? Diese Frage sorgt inzwischen bei vielen Reisenden für Gewissensbisse. Aber geht die Flug-Scham so weit, dass aus Liebe zur Umwelt wirklich auf das Fliegen verzichtet wird?

Aktuelle Zahlen sprechen jedenfalls nicht dafür, dass die schwedische Flug-Scham, Flygskam, ob hierzulande oder weltweit, das Reisen revolutionieren wird – in Deutschland sind es einer Umfrage zufolge gerade einmal zwölf Prozent, die fürs Klima auf eine Flugreise verzichten würden.

Nehmt alternativ den Zug“ – dass dieser Satz tatsächlich von einer Airline kommt, scheint fast absurd, ist aber Teil der jüngsten Werbekampagne von KLM. Was steckt dahinter?

KLM appelliert in einem Video: Fliegt verantwortungsbewusst!

Fliegen ja, aber verantwortungsbewusst. Das ist die Botschaft von KLM. In einem Youtube-Video erinnert die niederländische Airline an die Fluggeschichte und wie „magisch“ das Reisen um die Welt sei.

Aber genau diese gelte es zu schützen, damit auch nachfolgende Generationen Wunder wie die Pyramiden von Gizeh oder die vom steigenden Meeresspiegel bedrohten Inselparadiese mit eigenen Augen sehen können.

Und was dann tun? Wenn es nach der Airline geht, einfach überdenken, ob für den nächsten Urlaub oder ein bevorstehendes Geschäftstreffen nicht etwas anderes als der Luftweg infrage komme.

Lautet die Antwort Nein, dann sollten Passagiere wenigstens beim nächsten Flug COkompensieren. Entweder über die Airline oder über externe Anbieter – dafür gibt’s mittlerweile sogar Apps. Dann kommt ein Anteil deines gezahlten Ticketpreises Klimaschutz-Projekten zugute.

Nachhaltig fliegen – geht das überhaupt?

Weniger Fluggäste bei gleicher Preislage macht gleich weniger Einnahmen, oder? Ob die Airline das wirklich bezwecken will, ist mehr als fraglich. Was sie mit der Kampagne wohl aber erreicht hat, ist, dass die Aufmersamkeit auf nachhaltige Innovationen gelenkt wird.

Denn beim Greta-Trend scheinen immer mehr Fluggesellschaften mitmachen zu wollen: SAS verbannte bereits Plastikverpackungen beim Essen an Bord, Qantas testete den ersten Zero-Waste-Flug, und auch Etihad hob dieses Jahr ohne Einweg-Plastik ab.

Vom klimaneutralen Fliegen sind wir jedoch noch weit entfernt. Erste Entwürfe des Zukunfts-Fliegers „Flying-V“ von KLM sehen vor, 20 Prozent weniger Kerosin zu verbrauchen.

Zwar trägt die Flugbranche unterschiedlichen Studien zufolge nur 2,5 bis 5 Prozent zum globalen CO2-Ausstoß bei – die Tendenz ist aber steigend. Prognosen zeigen bereits jetzt, dass die Flug-Rekordmarke von 4,1 Milliarden Passagieren in diesem Jahr geknackt wird.

Die Anstrengungen der Airlines kommen nicht von ungefähr, denn ab 2020 darf das Luftverkehrswachstum nicht zu mehr Kohlenstoffdioxid-Emissionen führen. Beschlossen wurde das im Rahmen der UN-Klimaschutz-Strategie Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation (CORSIA).

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