Kreuzfahrt-Gast verklagt Hurtigruten – kein „malerischer Meerblick“

Nicht genug Meerblick auf Hurtigruten-Kreuzfahrt – Frau klagt

Eine Frau buchte bei Hurtigruten eine Kabine mit „malerischem Meerblick“. Auf dem Kreuzfahrtschiff die böse Überraschung: Der Ausblick sei nicht wie im Katalog beschrieben – sie verklagte die Reederei.

Die „MS Nordkapp“ der Reederei Hurtigruten im Geirangerfjord, Norwegen.
Solch ein Panorama erwartete das Ehepaar von seiner Kabine aus. Die „MS Nordkapp“ der Reederei Hurtigruten im Geirangerfjord, Norwegen.

Foto: imago images/imagebroker

Der Kreuzfahrt-Titel „Lebenstraum Hurtigruten“ sollte doch eigentlich Programm sein, allerdings nicht für diese Passagierin. Sie zog vor Gericht, weil ihrer Meinung nach ihre gebuchte Kabine nicht der Beschreibung entsprochen hatte.

Die Urlauberin buchte für sich und ihren Liebsten auf der „MS Nordkapp“ eine Außenkabine in der Kategorie „Superior“. Für 799 Euro Aufpreis sollte sie laut Reisekatalog einen „malerischen Meerblick“ genießen dürfen. Weil sie das ihrer Ansicht nach für ihr Geld nicht bekommen hatte, verlangte sie vor dem Gericht eine Rückerstattung von Hurtigruten – allerdings ohne Erfolg.

Kein malerischer Meerblick: Passagierin verlangt von Hurtigruten Geld zurück

Das Amtsgericht Frankfurt wies die Klage am 28. Juni 2019 ab. Die Begründung: Eine kreuzfahrttypische Lage und Ausstattung der Passagierkabinen stellen kein Reisemängel da (Az. 29 C 404/18 (40)). Juristen-Jargon beseite – was bedeutet das Urteil im Klartext?

Zum Hintergrund: Im September 2017 buchte die Klägerin eine zweiwöchige Kreuzfahrt mit der „MS Nordkapp“ von Hurtigruten zum Preis von mehr als 6.800 Euro. Darin inbegriffen auch die 799 Euro für die höher kategorisierte Kabine. Die Reise sollte ein Geschenk für ihren Ehemann sein. 

In der Broschüre hieß es: „Mit malerischem Meerblick: Diese zum Großteil auf den oberen Decks gelegenen Außenkabinen erfreuen Sie neben dem ‚Standardkomfort‘ mit Tee-/Kaffeezubereitungsmöglichkeit und einem Fenster für das Genießen privater Nordlandmomente!“

Als die Eheleute die Kabine 547 betraten, stellten sie jedoch fest, dass sich davor ein Promenadendeck befand, auf dem andere Passagiere, nahe dem Kabinenfenster des Paares, das Schiff umrunden konnten. 

Dieses Deck war mit einer Reling aus dünnen Metallstreben gesichert – das störte offenbar den uneingeschränkten Blick aufs Meer. Und nicht nur das regte die Urlauber auf: Vom Fußende des Bettes bis zur Kabinenwand waren es (nur) 25 Zentimeter, und das Bett war so hoch, dass die beiden im Sitzen nicht den Boden berühren konnten.

Superior-Kabine? Das entsprach nicht den Erwartungen der Frau, weshalb sie den Preisunterschied zu einer weniger komfortablen Standard-Außenkabine zurückerstattet bekommen wollte.

Klägerin geht vor Gericht leer aus

Für das Gericht reichte diese Beschwerde aber nicht aus. Es entschied, dass die Reederei Hurtigruten allen Pflichten nachgekommen sei.

Ein eingeschränkter Meerblick könne zwar schon einen Mangel begründen, in diesem Fall habe die Reling vor dem Kabinenfenster aber eine ausreichende Sicht zugelassen. An dem Wort „malerisch“ hätte sie sich wohl im Nachhinein gesehen besser nicht aufhängen sollen.

Denn das diene erkennbar Werbezwecken, so das Gericht, müsse aber keinen ungehinderten Blick aufs Meer garantieren.

Dass nun auf oberen Decks wegen der guten Sicht viel los ist, damit habe das Ehepaar rechnen müssen. Und auch die Beschwerde über das erhöhte Bett konnte an dem Urteil des Amtsgerichts in Frankfurt nichts ändern – Hurtigruten sei kein „schwimmendes Luxushotel“, weshalb ein höherer Komfort wegen der beengten Raumsituation nicht erwartet werden dürfe.

Jungfernfahrt von Hybrid-Kreuzfahrtschiff „MS Roald Amundsen“ abgesagt

Die „MS Nordkapp“ macht Expeditionsfahrten entlang der norwegischen Küste. Platz bietet sie für mehr als 600 Passagiere.

Die norwegische Reederei Hurtigruten ist für Polarexpeditionen bekannt – als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit sollte die brandneue „MS Roald Amundsen“ mit Hybridantreib am 27. Juni 2019 in See stechen.

Doch die Jungfernfahrt ab Hamburg musste wegen andauernder Bauarbeiten am Schiff abgesagt werden, teilte die Reederei mit. Die alternative Reise soll am kommenden Mittwoch, 3. Juli, starten, allerdings im norwegischen Tromsø.

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