Selfies mit Touristen: So leiden wilde Tiere für Instagram

Selfies mit Touristen: Das Geschäft mit der Tierquälerei

Tiger, Löwen, Schlangen, Affen oder Elefanten – in den sozialen Medien finden sich Tausende Fotos von Urlaubern, die auf ihren Reisen mit eigentlich wilden Tieren posieren. Für die Tiere ist das oft eine Qual.

Zwei Löwenjunge in der Serengeti in Tansania.
Fürs Tierwohl: Touristen sollen Löwenbabys lieber in freier Wildbahn anschauen, als mit ihnen zu kuscheln.

Foto: imago images/Nick Dale

Meena trägt eine Kette um das Bein, die ist mit Zacken versehen, weil der vierjährige Elefant manchmal tritt. Doch auch ohne Touristen in der Nähe trägt Meena die Kette, die es ihr unmöglich macht, schmerzfrei zur Ruhe zu kommen.

Auf die Frage der „National Geographic“-Reporterin Natasha Daly, warum das Tier in Chiang Mai noch immer eine Kette trage, antwortet ein Mahout, ein Elefantentrainer, dass er das auch nicht wisse. 

Auf dem Rüssel sitzen, füttern, Elefantenreiten oder gar eine Art Zirkusshow mit den Tieren – Elefanten werden immer wieder für touristische Zwecke missbraucht und dafür gequält. Erst kürzlich sagte die thailändische Elefantenschützerin Lek Chailert dem reisereporter: „Die Elefanten sind das Symbol unseres Landes, aber wir halten sie als Sklaven.“ 

Meena beschert ihrem Mahout damit Geld, dass sie Bilder zeichnet. Mit einem Stock mit spitzem Metallhaken führt er Meena an, wilde Elefanten oder Bäume zu malen.

Durch den schmerzenden Haken leitet er den Elefantenrüssel so, dass ein Kunstwerk entsteht, das er nachher an Touristen verkaufen kann. 

„Unsichtbares Leiden“: Geschichten von Tierquälerei weltweit

Unter dem Titel „Unsichtbares Leiden“ hat „National Geographic“ nun einen großen Aufschlag gemacht und erzählt von Tierquälerei weltweit.

Ein Jahr lang war die Reporterin dafür auf drei Kontinenten unterwegs, besuchte Orte, an denen der Wildlife-Tourismus boomt. Je nach Gegend machen die Einnahmen aus dem Wildlife-Tourismus bis zu 20 Prozent aus. 

Es sind nicht nur die Elefanten, die unter dem Wildlife-Tourismus leiden, sondern auch Tiger, Delfine, Faultiere, Affen, Löwen und alle wilden Tiere, die zu Interaktionen mit Menschen gezwungen werden. Doch in den sozialen Medien finden sich nur glückliche Urlauber mit zahmen, süßen Tieren. 

Allein auf Instagram hat sich die Anzahl der Selfies mit wilden Tieren seit 2014 um 300 Prozent erhöht – was wiederum andere dazu verleitet, ebenfalls Tier-Selfies zu posten. „Diese Selfies sind virale Werbung für Attraktionen, bei denen mit wilden Tieren aus nächster Nähe kommuniziert wird.“ 

Bereits 2017 hat Instagram eine Pop-up-Nachricht eingeführt, sobald Nutzer Bilder mit den Hashtags #slothselfie oder #tigercubselfie hochladen. Das soll daran erinnern, dass die Tiere wahrscheinlich für das Bild leiden mussten. 

Tiere ohne Bewegungsfreiheit

Die Reporterin berichtet von schlimmen Zuständen und zeigt in einem Video schockierende Aufnahmen. Ein Äffchen, das an einer Kette liegt und zu zehn Sit-ups gezwungen wird, während die Touristen erfreut zählen. Das Tier bricht schließlich zusammen. Ein Elefant mit gebrochenem Bein und offenen Wunden, an einer kurzen Kette gehalten, ohne die Möglichkeit, sich auszuruhen. 

Tiere, die durch Misshandlungen verletzt sind. Krokodile, die herumgetragen werden. Tiger, die an so kurze Ketten gelegt sind, dass sie nicht aufstehen können – und die betäubt sind, damit sie Urlauber während der Fotos nicht angreifen. Ein Gorilla, der mit seinen Fingern auf dem Boden vor seinem Käfig Wasser aufklaubt, um es von seinen Fingern abzulecken.

Wale und Delfine, die auf engstem Raum Kunststücke vorführen müssen. Eisbären und Wölfe, die narkotisiert werden, damit Touristen mit ihnen kuscheln können. Esel, die unter der Last von schweren Urlaubern zusammenbrechen

Raubtiere, deren Krallen oder Zähne abgesägt oder gar gezogen werden, damit sie keine Gefahr mehr sind. Bären, die tanzen. Und immer wieder Tiere, die in viel zu kleinen Käfigen an viel zu kurzen Ketten gehalten werden

Touristen sollen sich nicht vormachen, die Tiere hätten Spaß

Speziell in Thailand und dort in Ban Ta Klang, sagt Natasha Daly in ihrem Artikel, seien die Zustände oftmals furchtbar. Aber auch Russland und China hätten keine Gesetze zum Tierschutz von Lebewesen in Gefangenheit. 

Der Artikel mahnt, bei Wildlife-Attraktionen die Bedingungen zu hinterfragen – und sich nicht vormachen zu lassen, dass die Tiere Spaß bei der Betätigung hätten. Für Fotos werden Tiere etwa aus einem gewissen Winkel mit Futter gelockt, wenn sie ihr Maul öffnen, sieht es aus, als würden sie lächeln. 

Auch sollten sich Besucher fragen, warum es bei den gefangenen Tigern und Löwen quasi immer Nachwuchs gibt, der von zahlenden Gästen geknuddelt werden darf: Weil die Muttertiere schnell trächtig werden müssen und ihnen der Nachwuchs direkt abgenommen wird, um ihn an Menschen zu gewöhnen.

Bei Löwen in Südafrika und Namibia steckt eine ganze Industrie dahinter: Weil die Tiere nicht scheu sind, werden sie an Reservate verkauft, wo Trophäenjäger sie erlegen können.

Das System basiert auf Missbrauch und Qual

Auch bei den Elefanten in Südostasien ist es oftmals ähnlich. Die Muttertiere bekommen Nachwuchs; sind die Babys zwei Jahre alt, werden sie konfisziert und trainiert. Das Training für Show-Tiere und Tiere, die zum Elefantenreiten eingesetzt werden, ist dabei das gleiche: Es basiert auf Missbrauch und Qual.

Im Alter von etwa zehn Jahren werden die Show-Elefanten zum Elefantenreiten eingesetzt, bis sie im hohen Alter zu schwach werden.

Doch wer im Urlaub mehr über Wildtiere lernen und in gewissem Grad mit ihnen interagieren will, findet überall auch nachhaltige Projekte. Etwa im „Elephant Valley“ in Chiang Rai in Thailand oder im „Daphne Sheldrick Elephant Orphanage“ in Kenia. Dort steht es den Tieren frei, sich den Menschen hinter einer Absperrung zu nähern.

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