Touristen-Fails in Island werden jetzt öffentlich gemacht

Es reicht! Isländer machen Touristen-Fails öffentlich

Touristen, die offroad fahren oder sensible Natur zertrampeln, gibt es so einige in Island. Die Einheimischen sammeln nun auf Facebook und Instagram Beiträge von Touristen, die sich danebenbenehmen.

Overtourism-Alarm am Skógafoss.
Damit die Natur sich erholen kann, wurden teilweise Wanderwege gesperrt, hier am Wasserfall Skógafoss.

Foto: imago images/Seeliger

Ein russischer Instagrammer, der festhält, wie er offroad fährt und dabei stecken bleibt. Wilde Pferde, die verängstigt werden, weil Drohnen über ihnen fliegen. Touristen, die auf Eisschollen oder an Geysiren sitzen und spazieren.

Wanderinnen, die Moos ausgraben: Island, als „instagramtaugliche Destination“ ausgezeichnet, hat genug von Influencern und Touristen, die sich nicht benehmen können. 

Dumme Dinge, die Touristen in Island machen

In der Facebook-Gruppe „Stupid things tourists do in Iceland“ (dumme Dinge, die Touristen in Island machen) werden Artikel und Posts gesammelt, die dokumentieren, wie Reisende der Natur der Insel schaden.

Die Community meldet solche Beiträge, vor allem jene, die gegen isländische Gesetze verstoßen, und kommentiert unter den jeweiligen Beiträgen, wie sie der Natur schaden. 

Da wäre beispielsweise auch das Paar, das mit einem Kleinwagen einen Fluß kreuzen wollte – abgetrieben wurde und in einer Fußgängerbrücke hängen blieb. 

Oder die Reisegruppe, die Steine auf Seehunde warf. Oder die Typen, die ihre Namen in Steine ritzten. Oder die Frau, die direkt neben einem Geysir sitzt – auf einem Geothermalfeld, das wärmer als 100 Grad Celsius werden kann. 

Zuspruch erfuhr die Facebook-Gruppe, genau wie andere ähnliche Accounts, vor allem wegen des besagten Russen, der mit seinem Wagen stecken blieb. Die Polizei postete auf Facebook Bilder davon – im Gegensatz zu dem jungen Mann, der die Bilder weiterhin stolz auf Instagram präsentiert, fand die das aber nicht so lustig. 

Um die Natur zu schützen, ist es verboten, offroad zu fahren. Auf die Kritik entgegnete er lediglich, dass er das nicht gewusst habe. Sein Unwissen wurde teuer, 5.000 Euro musste er bisher zahlen. Und selbst die russische Botschaft hat sich eingeschaltet und mahnt auf Facebook dazu, sich vor Reisen mit den Gesetzen im jeweiligen Land vertraut zu machen.

Eine der Initiatorinnen ist Michalina Okreglicka. Die Fotografin sagte der „BBC“: „Ich habe den Eindruck, dass es nur noch um Instagram und das perfekte Instagram-Bild geht. Ich habe noch nie so viel dummes und unverantwortliches Verhalten in anderen Ländern gesehen, verglichen mit Island.“ Unter den Beiträgen versuche sie mit Kommentaren zu einem Umdenken zu verhelfen. 

Jüngst hat die Tourismusbehörde Visit Iceland sogar damit begonnen, am Flughafen Touristen abzufangen und sie unterschreiben zu lassen, dass sie die Natur zurücklassen, wie sie sie vorgefunden haben. Auch einzelne Gegenden, wie Seyðisfjörður im Osten der Insel, haben bereits eigene Benimmregeln eingeführt

Immer wieder hat Island mit Massenanstürmen zu kämpfen, die der Natur schaden und auch verantwortungslose Urlauber ins Land holen. So hat etwa der Fjaðrárgljúfur-Canyon enorm gelitten, nachdem Justin Bieber dort ein Musikvideo gedreht hatte und der Ort Pilgerstätte für Fans und Instagrammer wurde.

Das Problem: Die Fans wollen Bieber nacheifern, der im Video auf einer Klippe balanciert und sich im Moos wälzt. Der isländische Umweltminister Gudmundur Ingi Gudbrandsson sagte dazu: „Tollkühnes Verhalten einer berühmten Person kann sich dramatisch auf ein ganzes Umfeld auswirken, wenn die Massen dem folgen.“

Immerhin gibt es Teilerfolge für die Naturschutz-Gruppe auf Facebook: Viele Bilder auf Facebook und Instagram sind nach Intervention verschwunden. 

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