Lufthansa: Entschädigung nach Flugausfall nur gegen Selfie

Lufthansa: Entschädigung bei Flugausfall nur gegen Selfie

Verlangen Passagiere wegen Flugausfall oder Verspätung Entschädigungen von Lufthansa, müssen sie neuerdings auch ein Foto von sich mit einem Ausweisdokument schicken. Fluggastrechtler kritisieren das.

Passagiere vor einer Anzeigetafel am Flughafen.
Hat der Flieger mehr als drei Stunden Verspätung oder fällt der Flug aus, haben Fluggäste häufig ein Recht auf Entschädigung.

Foto: imago images/fossiphoto

Ein Selfie gegen Geld? Wer bei der Lufthansa Entschädigungsansprüche geltend machen will, soll seit April ein Foto von seinem Gesicht zusammen mit einem Reisepass hochladen. Damit will die Fluglinie sicherstellen, dass die Ansprüche auch an die richtige Person gehen. 

Das Fluggastrechteportal „Fairplane“, das Reisende vertritt, hat den Fall nun auf seiner Website publik gemacht – und ist entsetzt. „Diese Vorgehensweise ist die reinste Schikane. Wir sehen darin eine bewusste Verzögerung der Bearbeitung von Ausgleichsansprüchen und eine unnötige Hürde für Passagiere“, wird Unternehmenssprecher Ronald Schmid zitiert.

Fairplane: Aufforderung, Fotos von Passagieren zu schicken 

Nach eigenen Angaben bekam „Fairplane“ am 19. Juni eine E-Mail vom Kundenservice der Lufthansa, in dem es hieß: „Damit wir die Zahlung zu Händen des berechtigten Empfängers anweisen können, bitten wir Sie, uns einen Nachweis der Anspruchsinhaberschaft in Form eines Fotos jedes Reisenden einzureichen, auf welchem dessen Gesicht neben seinem Ausweisdokument (mit geschwärzter Ausweisnummer) zu erkennen ist.“ 

Für Geschäftsführer Andreas Sernetz klingt das wie ein Scherz, nach dem Motto: „Hier hast du meine Daten, Lufthansa, dafür bekomme ich jetzt mein Geld.“ 

Die neue Masche der Lufthansa, die auch auf ihrer Website nachzulesen ist, bedeutet nicht nur mehr Aufwand für Kunden, sondern erschwert auch das Geschäft von Fluggastrechteportalen.

Passagiere können an die Portale ihre Verspätungen melden. Das Portal geht gegen die Airline vor und erhält im Erfolgsfall eine Provision von beispielsweise 20 Prozent der Entschädigungssumme. 

Lufthansa: Bei Vollmachten kein Foto-Nachweis erforderlich

Für „9vorFlug“ liegt auch genau darin der Sinn der Sache, denn die Geschäftsmodelle der Portale seien der Lufthansa ein Dorn im Auge. Immerhin ist es eine einfache Art für Kunden, ihre Ansprüche geltend zu machen – ein Formular ausfüllen, und das Portal kümmert sich um alles Weitere.

Viele Passagiere kennen ihre Rechte nicht oder verzichten darauf – damit sparen Airlines fünf Milliarden Euro pro Jahr

Gegenüber dem reisereporter sagt Lufthansa-Sprecher Jörg Waber, dass eine Foto-Identifizierung nur notwendig sei, wenn die Buchung nicht direkt der Person zuzuordnen sei, etwa wenn bei der Anforderung der Entschädigung eine andere E-Mail-Adresse genutzt wird als bei der Buchung. 

Auch bei Vollmachten an Fluggastrechteportale sei eine Identifizierung nicht notwendig, so Waber. Wieso es in dem von „Fairplane“ publik gemachten Fall zu der Mail kam, entziehe sich seinen Kenntnissen.

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