Overtourism in Brügge: Das will die Kreuzfahrt-Branche tun

Overtourism in Brügge: Kreuzfahrt-Branche will helfen

Damit aus dem belgischen Brügge nicht das nächste Venedig wird, kämpft der Bürgermeister für den Charme der Kanalstadt – mitverantwortlich für den Overtourism ist die Kreuzfahrtbranche. Diese will helfen.

Um den Provinzialpalast direkt am Markplatz von Brügge tummeln sich die Touristenmassen.
Um den Provinzialpalast direkt am Grote Markt von Brügge tummeln sich die Touristenmassen.

Foto: imago images/teutopress

In Europa wird die Liste der völlig überfüllten Städte immer länger: Zuletzt zog Bürgermeister Dirk De fauw die Reißleine und kündigte Maßnahmen an, die Tagestouristen aus dem von Grachten durchzogenen und mittelalterlich geprägten Brügge fernhalten sollen.

Unter anderem sollen künftig nur noch maximal zwei Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig im Hafen liegen dürfen – große Kreuzer würden dann noch immer Tausende Menschen für einen sehr kurzen Zeitraum in die engen Gassen pressen. Offenbar will die Kreuzfahrt-Branche nun dafür Verantwortung übernehmen.

Kreuzfahrt-Bosse wollen Brügge vor dem Ersticken schützen

„Die Kreuzfahrtbranche erkennt an, dass Brügge ein einzigartiges Reiseziel ist, und die Kreuzfahrtbranche verpflichtet sich, das kulturelle Erbe und die Nachhaltigkeit zu schützen“, versicherte der Kreuzfahrtverband Cruise Lines International Association (CLIA) gegenüber dem britischen „Express“.

Obwohl der Kreuzfahrt-Tourismus nach Erkenntnis der CLIA zwar „nur“ rund drei Prozent des gesamten Besucherstroms in Brügge ausmache, wolle der Verband seinen Teil dazu beitragen, „eine nachhaltige Lösung zu finden, um sicherzustellen, dass die Stadt sowohl für die Einwohner als auch für die Besucher funktioniert“.

Wirklich konkret wird der Verband aber nicht, denn ein Allheilmittel gäbe es nicht – eine Lösung für nachhaltigeren Tourismus in Brügge versuche die CLIA aktiv in Zusammenarbeit mit lokalen Interessengruppen, Kommunalverwaltungen, Reise- und Tourismusunternehmen, lokalen NGOs und dem Bürgermeister zu finden.

Ein Anfang könnte neben dem angekündigten Tageslimit eine verträglichere Verteilung der ankommenden Kreuzfahrt-Gäste sein. Um die Innenstadt von den bis zu 60.000 Tagestouristen zu entlasten, sollen Landausflüge vermehrt auf die Werktage ausgelagert werden. 

Städte und sogar ganze Länder haben Tagestouristen satt

Für ordentlich Negativpresse sorgte zuletzt ein folgenreicher Kreuzfahrt-Crash in Venedig, der Einheimische gegen den boomenden Kreuzfahrt-Tourismus auf die Straße trieb. Gemeinsam haben die zwei Städte auch den Unesco-Weltkulturerbetitel, den Venedig wegen des Overtourism zu verlieren droht – sogar auf Wunsch des Bürgermeisters Luigi Brugnaro.

Etwas anders gehen die Niederlande das Dilemma mit dem Massentourismus an. Diese wird ab nächstem Jahr ihre Marketingstrategie ändern: Statt auf reines Wachstum der Besucherzahlen zu setzen, sollen die Touristenströme verstärkt gelenkt werden.

Urlauber seien nach wie vor herzlich willkommen – allerdings sollen sie in weniger bekannte Regionen reisen. Schließlich ist Italien mehr als Venedig, die Niederlande sind mehr als Amsterdam und Kroatien ist mehr als Dubrovnik.

Hinweis der Redaktion: Im ursprünglichen Text schrieben wir, dass die Niederlande aufhöre, sich als Touristen-Destination zu vermarkten. Das ist so nicht korrekt, den Fehler bitten wir zu entschuldigen. 

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