Du willst eben für das Essen im Restaurant bezahlen, greifst in die Tasche und stellst mit Erschrecken fest: Dein Portemonnaie ist weg. Egal ob zu Hause in Deutschland oder im Urlaub – wenn Wertsachen abhandenkommen, bleibt nach einer verzweifelten Suche nur die Hoffnung auf einen ehrlichen Finder.

Aber wo kannst du damit am ehesten rechnen? Forscher aus der Schweiz und den USA starteten ein Experiment und untersuchten in 355 Städten in 40 Ländern genau das. Warum du sogar darüber froh sein kannst, wenn etwas mehr Geld in deiner verlorenen Brieftasche steckt, zeigen die überraschenden Ergebnisse.

Der Test: Forscher geben in 40 Ländern „verlorenes“ Portemonnaie ab

Für den Test wurden die fünf- bis achtgrößten Städte eines Landes ausgewählt. Das Team um den leitenden Wissenschaftler Michael André Maréchal gab mehr als 17.300 Geldbörsen an öffentlichen Institutionen wie Banken, Theatern, Museen und Hotels ab. Bestückt wurden diese mit lokaler Währung, Visitenkarten mit Kontaktdaten des Besitzers, einer Einkaufsliste, geschrieben in der jeweiligen Landessprache, und teilweise mit einem Schlüssel.

Seine Helfer gaben sich dabei als Finder aus: „Hi, ich habe das auf der Straße gleich um die Ecke gefunden. Jemand muss es verloren haben. Können Sie sich darum kümmern?“, schilderte der Forscher den genauen Ablauf in dem Fachmagazin „Science“.

Das Besondere: In jeder Börse steckte eine andere Menge Geld. Von gar nichts bis knapp 95 US-Dollar. Würden die Menschen an den Abgabestellen den Fund melden?

Ergebnis: Menschen melden Fund, wenn mehr Geld drinsteckt

Vorweg: Von mehr als 17.300 Portemonnaies wurden 8.000 zurückgegeben. Ganz pauschal kann nicht gesagt werden, in welchem Land die ehrlichsten Menschen leben, denn das war in dem Experiment stark von der Geldmenge abhängig. 

Wirklich verblüffend ist: Je höher der Betrag, desto wahrscheinlicher (51 Prozent) werden die Besitzer benachrichtigt – bei den Börsen ohne Geld lag die Quote bei 40 Prozent. Dieses Verhaltensmuster bestätigte sich in 38 von 40 Ländern.

Schweiz und Skandinavien sind die ehrlichsten Länder 

Dass Skandinavien allerdings ganz oben rangiert, ist kaum überraschend: Bereits in einem anderen Experiment vor einigen Jahren fanden Forscher in einem ganz ähnlichen Test heraus, dass die Finnen am häufigsten eine auf der Straße gefundene Brieftasche zurückgeben. 

In Bergen, Norwegen, das Portemonnaie verlieren: Dem Test zufolge meldet sich der der Finder mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit. (Symbolfoto)
In Bergen, Norwegen, das Portemonnaie verlieren: Dem Test zufolge meldet sich der der Finder mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit. (Symbolfoto) Foto: unsplash.com/Florencia Viadana

Helsinki wurde daher zur ehrlichsten Stadt der Welt gekürt, doch wie steht es um den Ländervergleich? Finnland taucht in der Studie nicht auf, allerdings bewahren Norwegen (Platz 2) und Schweden (Platz 5) den guten Ruf. Dabei muss klar unterschieden werden:

Bei den mit mehr Geld versehenen Portemonnaies zeigten sich die Dänen (Platz 4), Schweden (Platz 5), und Neuseeländer (Platz 8) am ehrlichsten, bei keinem Geld waren es die Schweizer, die im Gesamtranking auf dem ersten Platz landeten. 

Auch in Zürich gaben die Tester die Geldbörsen ab.
Sechs Städte in der Schweiz wurden auf die Probe gestellt – das Ergebnis ist der erste Platz. (Symbolfoto) Foto: unsplash.com/Ricardo Gomez Angel

Deutschland im oberen Drittel – Schlusslicht ist China

Wie sieht’s mit der Ehrlichkeit der Deutschen aus? Ganz gut, Börsen mit gar keinem Geld wurden weniger häufig gemeldet als in Neuseeland, insgesamt schneidet Deutschland (Platz 9) dafür immer noch besser ab als der Nachbar Frankreich (Platz 10) oder Spanien (Platz 14).

Unter anderem in Hamburg, Berlin und Leipzig fand das Experiment statt.
Auch in Hamburg erwiesen sich die Menschen als ziemlich ehrlich. Foto: unsplash.com/Meduana

Im Mittelfeld tummeln sich Urlaubsländer wie Portugal (Platz 20), Griechenland (Platz 23) und Italien (Platz 24). Geht es nach den Ergebnissen der Studie, dann solltest du jedoch in vielen asiatischen und afrikanischen Ländern nicht unbedingt mit Ehrlichkeit rechnen.

Das wohl bliebteste südostasiatische Fernreiseziel Thailand (Platz 28) führt das letzte Drittel an, danach folgen Nationen wie Indien (Platz 30), die Türkei (Platz 31), Indonesien (Platz 33) und Kenia (Platz 36).

Am seltensten wurde der Fund in Peru (Platz 38), Marokko (Platz 39) und China (Platz 40) gemeldet.

Mehr Geld in der Börse sorgt für schlechtes Gewissen bei Findern

Mehr Geld verführt dem Test zufolge nicht dazu, das Portemonnaie zu behalten. Die Begründung des Forscherteams ist, dass Menschen sich bei einem höheren Geldbetrag eher wie Diebe fühlten.

Auch Dinge, die für den Finder keinen materiellen Wert haben, wie in diesem Fall der dazugelegte Schlüssel, sollen demnach an das Gewissen appellieren.