Flug-Streiks in den Ferien: Was ist mit meinem Urlaub?

Flug-Streiks in den Ferien: Was ist mit meinem Urlaub?

Mitten in den Sommerferien! Bei Lufthansa, Eurowings und Germanwings wollen Flugbegleiter streiken, auf Mallorca die Piloten. Was bedeutet das für den Urlaub? Der reisereporter beantwortet alle Fragen.

Urlaubsflug annulliert? Welche Rechte Reisende im Falle eines Streiks haben, erfährst du hier.
Urlaubsflug annulliert? Welche Rechte Reisende im Falle eines Streiks haben, erfährst du hier.

Foto: imago images/Rupert Oberhäuser

Überfüllte Wartehallen, Flugausfälle, extreme Verspätungen: Viele Reisende erlebten im Sommer 2018 Chaos statt erholsamen Urlaub. Und die aktuellen Streikankündigungen lassen erahnen, dass es in diesem Jahr noch schlimmer kommen könnte. 

„Der Chaos-Sommer, der uns letztes Jahr ereilt hat, wird dieses Jahr wahrscheinlich noch mal größer“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Flugbegleiter-Organisation Ufo, Daniel Flohr. Die Gewerkschaft kündigte Donnerstag an, dass bei Eurowings und Germanwings in der kommenden Woche Urabstimmungen zu Arbeitsniederlegungen beginnen werden. 

Streiks in den Sommerferien: Alle Infos für Urlauber

Die ersten Streiks sollen dann bereits im Juli stattfinden und würden die meisten Bundesländer genau zur Sommerferienzeit treffen. Was bedeutet das für meinen Urlaub? Kann ich kostenlos stornieren? Was mache ich, wenn der Flug ausfällt?

Der reisereporter beantwortet alle Fragen und hat dazu mit Fluggastrecht-Expertin Laura Kauczynski von Airhelp gesprochen.

Flug-Streiks: Was bedeutet das für meinen Urlaub?

Kommen die Streiks? Noch ist das nicht zu 100 Prozent sicher. „Für Urlauber bedeutet die aktuelle Situation daher vor allem Unsicherheit“, so Kauczynski. Denn es gebe noch die Chance, dass in den Urabstimmungen gegen Streiks gestimmt wird. Sollten sie jedoch stattfinden, dann würde das Chaos bedeuten. 

„Im vergangenen Sommer war Ryanair durch die Pilotenstreiks durchgängig in den Schlagzeilen. Mit der Lufthansa, die die meisten Flüge in Deutschland durchführt, könnte es noch schlimmer werden“, sagt die Expertin über die Muttergesellschaft von Eurowings und Germanwings. 

Im vergangenen Juli habe Deutschlands größte Airline etwa 30.000 Flüge durchgeführt – bei 40 Prozent davon habe es Probleme, sprich Verspätungen oder Ausfälle, gegeben. „Und das unter Normalbedingungen“, so Kauczynski. 

Bei Lufthansa-Streiks könnten auch andere Airlines Probleme bekommen

Auch wer nicht mit Lufthansa, sondern einer anderen Airline in den Urlaub fliegt, könnte im Juli und August Probleme bekommen, warnt die Expertin. „Das kommt auf den Flughafen an. In Frankfurt etwa sind die Abflugzeiten so eng getaktet, dass Probleme schnell auf andere Fluggesellschaften überschwappen können.“ 

Auch die Flughäfen seien da in der Verantwortung, sich frühzeitig vorzubereiten. 

Flug-Streiks: Gibt es Geld zurück?

Ein Streik ist nicht immer höhere Gewalt – das heißt, dass Passagiere durchaus die Chance haben, bei Flugausfällen und Verspätungen ab drei Stunden Entschädigungen nach dem EU-Fluggastrecht zu bekommen.

Je nach Flugstrecke sind das zwischen 250 und 600 Euro pro Person, wenn die Airline schuld ist und die Passagiere weniger als 14 Tage vor dem Abflug über die Verspätung oder die Annullierung informiert hat.

Unterschieden werden müssten daher Streiks von Flughafenmitarbeitern und Airline-Angestellten, so Kauczynski. Bei Ersteren gibt es kein Recht auf Entschädigung. Bei Letzteren schon eher. „Die Rechtslage ist eigentlich sehr eindeutig“, sagt Kauczynski.

So habe im vergangenen Jahr der Europäische Gerichtshof geurteilt, dass ein wilder Streik keinen außergewöhnlichen Umstand darstellt. Demnach sind Airlines nicht automatisch von ihrer Entschädigungspflicht befreit, wenn es wegen tarifrechtlich unerlaubter Arbeitsniederlegungen zu Flugausfällen oder Verspätungen komme.

Auch Ryanair muss nach den Pilotenstreiks im vergangenen Sommer zahlen: Ein Gericht in Luxemburg urteilte im Januar, dass die Airline Passagieren Entschädigungen zahlen muss.

Kann ich meinen Flug jetzt kostenlos stornieren?

Nein. Fluggäste können zum jetzigen Zeitpunkt nicht prophylaktisch ihren Flug kostenlos stornieren. „Passagiere müssen beim Umbuchen die Kosten für den neuen Flug selbst tragen, und für jede Airline gelten eigene Stornierungsgebühren“, so die Fluggastrechte-Expertin.

Anders sieht es aus, wenn die Streiks konkret angekündigt sind und die Airline ankündigt, welche Flüge konkret betroffen sind.

Streik: Mein Flug wurde gestrichen – und nun?

Die Airline ist verpflichtet, sich darum zu kümmern, dass die Passagiere ans Ziel kommen. Sie muss für eine alternative Beförderung zum nächstmöglichen Zeitpunkt sorgen. „Passagieren steht ein Ersatzflug zu“, betont Kauczynski.

Sie müssten auch nicht das erstbeste Angebot annehmen. „Wenn zum Beispiel eine Verbindung mit mehrmaligem Umsteigen angeboten wird statt des ursprünglichen Direktflugs, dann kann man das Angebot ablehnen und ein weiteres verlangen.“

Airlines versuchen, Annullierungen oftmals auch über Tochtergesellschaften abzufangen – Passagiere können für einen Ersatzflug auch zu anderen Airports gebracht werden. Bei Inlandsflügen können Passagiere auch auf Bus oder Bahn umgebucht werden. Das Flugticket lässt sich dann in eine Fahrkarte umwandeln.

Tipp der Expertin fürs Vorgehen am Airport: „Wenn die Schlange am Serviceschalter extrem lang ist, lieber beim Kundenservice der Airline anrufen. Das geht dann oftmals schneller.“ Bei einer Pauschalreise sollte auch der Veranstalter kontaktiert werden.

Am Flughafen gestrandet: Wer zahlt mir das Hotel?

Wenn der Flug annulliert wird oder sich auf den nächsten Tag verschiebt, dann muss die Fluggesellschaft für eine Hotelübernachtung zahlen und auch den Transport zur Unterkunft organisieren.

Wie bereite ich mich auf drohende Streiks vor?

„Passagiere können Streiks nicht verhindern, sie können sich aber darauf vorbereiten“, sagt die Fluggastrechte-Expertin.

Sie rät Sommerurlaubern dazu, die Lage kontinuierlich im Blick zu behalten und vorsichtshalber alle Dokumente aufzubewahren. Nur dann können Passagiere im Fall der Fälle einfach Entschädigungen beantragen.

Mein Rückflug aus dem Urlaub fällt aus – und nun?

Die Gewerkschaft Ufo will ab kommender Woche über die Streiks bei Eurowings und Germanwings abstimmen lassen. Wer dann bereits im Urlaub ist und die Hiobsbotschaft „Rückflug annulliert“ bekommt, hat ein Problem. „Diese Situation ist besonders schwierig. Denn viele Menschen planen den Rückflug so, dass sie bereits am kommenden Tag wieder im Büro sein werden“, so Kauczynski. 

Arbeitnehmer tragen in diesem Fall das komplette Risiko. Wenn sie nach dem Urlaub nicht wieder rechtzeitig im Büro erscheinen können, muss der Chef unverzüglich informiert werden und alles Zumutbare getan werden, um schnellstmöglich wieder zur Arbeit kommen zu können. Ein Recht auf Gehalt für die versäumte Zeit haben Arbeitnehmer nicht.

Aber auch bei einem gecancelten Rückflug gilt: Die Airline muss für eine Ersatzbeförderung sorgen. 

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