Klima-Check: Was bringt die CO₂-Kompensation auf Flügen?

Klima-Check: Was bringt die CO₂-Kompensation auf Flügen?

Immer mehr Passagiere setzen bei der Flugbuchung einen Haken bei der CO₂-Kompensation. Reicht das fürs Klima? Der reisereporter hat mit Experten von Atmosfair gesprochen: Was Reisende tun können.

Ein Flugzeug startet während des Sonnenuntergangs.
Kein Geheimnis: Unter allen Transportmitteln stößt das Flugzeug am meisten vom umweltschädlichen CO₂ aus, besonders viel beim Start. (Symbolfoto)

Foto: imago images/Photothek

Am Ende deiner Flugbuchung wirst du bei vielen Airlines gefragt, ob du auf deinem Flug das umweltschädliche CO2 kompensieren möchtest. Für wenige Euro kannst du dein schlechtes Gewissen erst mal beruhigen.

Von Klimasünden mit einem Klick freikaufen? Das auf Flügen ausgestoßene Kohlenstoffdioxid verschwindet damit zwar nicht – doch Unternehmen wollen es ausgleichen und unterstützen mit dem Geld Klimaschutzprojekte, die zum Beispiel auf alternative Energien setzen.

Um die Erde vor dem Kollaps zu bewahren, sei das ein gutes Signal, aber längst nicht genug, sagt Atmosfair-Sprecherin Julia Zhu.

40 Prozent mehr Flugpassagiere kompensieren CO2 – zu wenig

Aktuelle Zahlen von Atmosfair zeigen: Im Vergleich zum Vorjahr kompensierten deutlich mehr Passagiere ihre Emissionen über die Non-Profit-Organisation. Rund 9,5 Millionen Euro gingen in Form von Spenden an ausgewählte Klimaschutzprojekte – das ist ein Wachstum um 40 Prozent*.

Und auch für 2019 soll dieser Trend nach derzeitigem Stand nicht abreißen – trotzdem glaubt Julia Zhu, dass die Möglichkeit der Flug-Kompensation der breiten Masse noch nicht bekannt sei.

Immer mehr Menschen fliegen, nach Zahlen des Statistischen Bundesamts traten im Jahr 2018 in Deutschland an den größten Flughäfen rund 122,6 Millionen Menschen eine Flugreise an.

Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr haben rund 460.000 Menschen über Atmosfair ihren Flug kompensiert. Bezogen auf die Gesamtzahl der Passagiere ist das verschwindend wenig, nämlich weniger als ein Prozent. 

„Ja, das ist wenig in absoluten Zahlen“, so Zhu. Aber es sei immerhin ein positives Signal. Das Bewusstsein für den Umweltschutz sei gestiegen.

Bei einer repräsentativen Umfrage des Umweltbundesamtes gaben 13 Prozent der Befragten an, schon einmal für den Kohlendioxid-Ausgleich gezahlt zu haben. Jedoch würden lediglich zwölf Prozent der Deutschen für den Klimaschutz gänzlich auf das Flugzeug verzichten. Da geht also noch mehr.

Julia Zhu überraschen diese Zahlen nicht unbedingt: „Ich kann es nachvollziehen, dass man seinen hart erarbeiteten Jahresurlaub machen möchte und dafür den Flieger nimmt.“

Aber: Grundsätzlich sollten Flugreisen vermieden werden, besonders auf der Kurzstrecke: Ein Flug von Berlin nach München und zurück verursacht pro Passagier, nach Berechnungen von Atmosfair, 300 Kilogramm CO2. Im gesamten Jahr wären allerdings nur 2.600 Kilo pro Kopf für das Klima erträglich.

Checkliste: Wenn es wirklich das Flugzeug sein muss

Die schwedische Flug-Scham scheint noch nicht nach Deutschland übergeschwappt zu sein. Wenn es also statt Bus oder Zug (für die du übrigens auch den CO2-Ausstoß kompensieren kannst) tatsächlich der Flieger sein muss, kannst du bei der Flugbuchung wie folgt vorgehen:

Schritt 1: Du solltest natürlich deinen Abflugsort und dein Reiseziel kennen, am besten sogar die genauen Flughäfen. Wähle dabei, wenn möglich, eine Direktverbindung. Denn gerade beim Start werden am meisten Schadstoffe in die Luft ausgestoßen –Zwischenstopps also vermeiden.

Schritt 2: Airline wählen.

Jede Airline fliegt unterschiedlich effizient, der Treibstoffverbrauch pro Passagier und Kilometer kann auf derselben Strecke bei einer Fluggesellschaft mehr als doppelt so hoch liegen wie derjenige einer anderen. Selbst, wenn du dir noch nicht sicher bist, ob du eine freiwillige Spende tätigen willst, kannst du einen Emissionsrechner als Orientierung nehmen.

Das Angebot dieser Rechner gleicht einem Dschungel, Atmosfair schneidet bei Stiftung Warentest am besten ab. Darüber hinaus bieten Airlines den Service direkt bei der Buchung an – bei der Lufthansa läuft das über die Schweizer Non-Profit-Organisation Myclimate

Ryanair hat eine eigene Lösung gefunden, die von Julia Zhu kritisiert wird: „Sie geben den Passagieren keine Information darüber, wie viel CO2 tatsächlich ausgestoßen wird und wohin die Spende geht.“

Bei vielen Airlines handelt es sich dabei um einen Pauschalbetrag (bei Ryanair 1 Euro), der nach Ansicht von Zhu nicht ausreiche, zudem würden andere frei werdende Schadstoffe wie Stickoxide oder Rußpartikel nicht miteinbezogen.

Schritt 3: CO2-Emission für die Strecke berechnen lassen.

Der Emissionsrechner spuckt dir dann als Ergebnis aus, wie viel Kohlenstoffdioxid auf dem Flug frei wird, jede Organisation berechnet dafür einen anderen Betrag. Bei Atmosfair werden mindestens fünf Euro fällig, egal für welchen Flug.

CO₂-Fußabdruck verringern, aber wohin geht das Geld?

Für welchen Anbieter du dich entscheidest, kannst du auch von den geförderten Klimaschutzprojekten abhängig machen. Denn ein sehr wahrscheinlicher Grund, warum sich immer noch verhältnismäßig wenig Menschen für die Kompensation entscheiden, ist die Intransparenz.

Immerhin ist die Frage berechtigt, wohin deine Spende geht und ob diese auch tatsächlich dort ankommt. Atmosfair investiert beispielsweise in Projekte, die effiziente und alternative Energien in Entwicklungsländern wie Ruanda unterstützen. Der aktuelle Stand sowie Einnahmen und Ausgaben werden regelmäßig veröffentlicht.

   

*Der offizielle Jahresbericht von Atmosfair soll im Juli 2019 erscheinen, die bereits feststehenden Zahlen bestätigte die Organisation dem reisereporter im Interview.

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