Thailand: Diese Frau rettet gequälte Elefanten | reisereporter

Diese Frau rettet gequälte Elefanten in Thailand

Elefantenreiten in Thailand ist nach wie vor beliebt. Was viele Touristen nicht wissen oder sehen wollen: Die Tiere werden dafür gequält. Die Thailänderin Lek Chailert gibt ihnen ein neues Zuhause.

Lek Chailert sagt: „Die Elefanten sind wie meine Kinder.“
Lek Chailert hat Asiens erstes Elefantenschutzgebiet seiner Art gegründet. Sie sagt: „Die Elefanten sind wie meine Kinder.“

Foto: Maike Geißler

Die Elefanten machen es nicht leicht, ein Gespräch mit Sangduen Chailert – besser bekannt als Lek – zu führen. Immer wieder kommen vier der Dickhäuter vorbei, um mit ihrer Adoptivmutter zu kuscheln. Sie stupsen sie mit ihrem Rüssel an, tröten, schnauben. „Alles gut, Mama ist da“, sagt die 58-Jährige.

Lek ist klein, zierlich, hat lange schwarze Haare, trägt einen Safarihut und eine Pluderhose mit Elefantenaufdrucken. Völlig entspannt sitzt sie zwischen den meterhohen Tieren. „Sie sind wie meine Kinder“, sagt sie.

Die Elefanten sind das Symbol unseres Landes, aber wir halten sie als Sklaven.

Lek Chailert

Elefanten gehören zu Thailand wie die Tausenden Tempel und die kilometerlangen Strände der Inseln. Die Tiere sind an vielen Orten als Statue zu sehen, zieren etliche Souvenirs und haben sogar einen eigenen Buchstaben im thailändischen Alphabet: ช – Cho Chang. Er findet sich in den Namen vieler Straßen, Orte und Thais wieder.

„Die Elefanten sind das Symbol unseres Landes, aber wir halten sie als Sklaven“, sagt Lek. Im Jahr 1900 gab es Schätzungen zufolge rund 100.000 frei lebende Elefanten in Thailand, heute sind es nur noch etwa 5.000 – und mehr als die Hälfte davon lebt in Gefangenschaft. Um Urlauber zu unterhalten.

Lek Chailert rettet seit mehr als 25 Jahren Tiere aus der Gefangenschaft.
Lek Chailert rettet seit mehr als 25 Jahren Tiere aus der Gefangenschaft. Foto: Maike Geißler

„Das Problem ist, dass sich die meisten Touristen zu wenig informieren“, sagt Lek. Sie wollen ein Selfie mit dem süßen Baby-Elefanten machen. Aber sie fragen sich nicht, wo eigentlich die Mutter ist.

Sie wollen den Tieren nah sein, sie streicheln, auf ihnen reiten. Was sie dabei nicht sehen, sind die Narben auf den Köpfen oder den Elefantenhaken in der Hand der Mahouts, wie Elefantentrainer in Thailand heißen.

Elefanten als Touristenattraktion – so werden sie dafür gequält

Als Touristenattraktion lässt sich in asiatischen Ländern viel Geld mit den Dickhäutern verdienen, doch dafür müssen sie gefügig gemacht werden. Das Training, bekannt als Phajaan-Prozedur, beginnt früh. Jungtiere werden ihren Müttern entrissen und in enge Gehege gesperrt.

Sie werden angebrüllt, geschlagen, ihnen wird Wasser und Nahrung entzogen. So lange, bis sie sich unterwerfen. Generationen von Mahouts sehen Phajaan als eine Art Erziehungskur an, für Tierschützer ist es eine grausame Foltermethode.

Im Elephant Nature Park in der Provinz Chiang Mai, rund 60 Kilometer von der gleichnamigen Metropole entfernt, finden gequälte Elefanten seit dem Jahr 1990 eine neue Heimat. Der Park ist umgeben von Bergen und Wäldern, ein Fluss schlängelt sich hindurch. Nach Angaben der Organisation Asian Elephant Projects war es das erste Elefantenschutzgebiet seiner Art in Asien. 

Im Elephant Nature Park leben die Tiere wieder mit ihren Artgenossen zusammen.
Im Elephant Nature Park leben die Tiere wieder mit ihren Artgenossen zusammen. Foto: Maike Geißler

Jedes Tier in dem Park hat eine traurige Geschichte. Einige sind blind, andere haben gebrochene oder verdrehte Gliedmaßen. Tiefe Narben auf der grauen Haut zeugen von Schlägen, Ketten, Stichen. Im Elephant Nature Park sollen Urlauber sie sehen. 

Touristen kommen im Elephant Nature Park in Kontakt mit den Tieren

Begleitet von einem Touristenführer füttert eine Gruppe von der Aussichtsplattform aus einen jungen Elefanten. Die Dickhäuter verbringen bis zu 18 Stunden des Tages mit Essen, ausgewachsene verschlingen bis zu 270 Kilogramm Nahrung. 

Eine weitere Menschengruppe läuft über das Gelände, bleibt am Fluss bei einer alten Elefantendame stehen – für Fotos. Einige fassen sie am Rüssel an, das Tier bleibt dabei ganz ruhig. Es ist sein Leben lang an Menschen gewöhnt. 

Auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses reiten Touristen auf mehreren Elefanten, planschen mit ihnen im Wasser. Es ist ein anderes Elefantencamp. „Ich kann nichts dagegen tun, außer meine Hilfe anzubieten, sollten sie ihren Umgang mit den Tieren ändern wollen“, sagt Lek und zuckt mit den Schultern.

Elefantenreiten bei Touristen in Thailand nach wie vor beliebt.
Elefantenreiten bei Touristen in Thailand nach wie vor beliebt. Foto: imago images/Stefan M. Pranger

Ob sie Hass auf die Mahouts verspürt? „Nein, dieses Gefühl verspüre ich nicht. Habe ich noch nie.“ Als Kind kam Lek dank ihres Großvaters mit den Tieren in Berührung. Er war der Dorfschamane und bekam einen Elefanten namens Thong Kham geschenkt, weil er einem jungen Mann das Leben gerettet hatte. Es war Leks erste Begegnung mit einem Elefanten. 

Ich schämte mich so und fühlte mich verantwortlich, weil ich ein Mensch bin.

Lek Chailert

Als Jugendliche erlebte sie dann erstmals mit, wie ein Elefant gequält wurde. „Ich hörte Schreie und Trompeten. Ich lief in den Wald und sah einen Elefanten. Er versuchte verzweifelt, einen riesigen Baumstamm den Berg hinaufzuschleppen, doch er schaffte es nicht. Ein Mann schlug immer wieder auf ihn ein. Der Elefant schrie und schaute mich an. Es brach mir das Herz.“ In diesem Moment wusste Lek: „Ich muss etwas tun. Ich schämte mich so und fühlte mich verantwortlich, weil ich ein Mensch bin.“ 

Der Elefant hatte infizierte Wunden, so wie viele andere in der Umgebung auch. „Ich habe beschlossen, sie mit Medizin zu behandeln. Vielleicht würden mich die Mahouts dann respektieren. Und nur wenn sie das täten, würden sie mir vielleicht zuhören.“ 

Kuss für den Elefanten – Leks Zuneigung für die Tiere ist groß.
Kuss für den Elefanten – Leks Zuneigung für die Tiere ist groß. Foto: Maike Geißler

Um das nötige Geld für die Medizin zu bekommen, verkaufte Lek Waren auf Kommission. Im Jahr 1992 befreite sie die erste Elefantendame aus der Gefangenschaft. „Sie hieß Mae Perm, und ich kaufte sie dem Mahout für 60.000 Baht (etwa 1.700 Euro) ab. Angeblich war sie schon 90 Jahre alt, aber sie lebte noch 17 weitere Jahre“, erzählt Lek. Heute muss sie zwischen 11.000 und 23.000 Euro pro Elefanten zahlen, für ein Baby sind es knapp 28.000. 

Im Elephant Nature Par kleben heute mehr als 80 Elefanten

Dank einer großzügigen Spende eines Texaners konnte sie 2003 das Gelände des Elephant Nature Park kaufen. Auf rund 450 Hektar leben dort heute etwa 85 Elefanten. 

Auch hier hat jedes Tier einen Mahout – doch Bestrafungen oder Gewalt sind streng verboten. Die Mahouts des Parks tragen keine Elefantenhaken, stattdessen haben sie Beutel mit Lebensmitteln dabei und arbeiten mit den Instinkten der Tiere. 

Die Elefanten leben auf dem Gelände des Elephant Nature Park gemeinsam mit anderen Tieren.
Die Elefanten leben auf dem Gelände des Elephant Nature Park gemeinsam mit anderen Tieren. Foto: Maike Geißler

Die Betreiberin des Parks ist der Meinung, dass die Rolle des Mahout als verantwortliche Pflegeperson für das Wohlbefinden des Elefanten von wesentlicher Bedeutung ist. 

80 Prozent der geretteten Elefanten seien psychisch krank, sagt Lek. Doch im Park könnten sie endlich zur Ruhe kommen. Und mit der Zeit verändern sie ihr Verhalten. „Sie kümmern sich umeinander und finden sich zu Herden zusammen“, erzählt die Tierschützerin. Fünf Babys wurden seit der Gründung des Parks geboren. Ein Erfolg, denn Elefanten pflanzen sich nur in stressfreier Umgebung fort. 

Doch Lek bekommt nicht nur Unterstützung und Komplimente für ihr Engagement. Selbst ihre eigene Familie versteht sie nicht. Nur wenige Kilometer vom Elephant Nature Park entfernt bieten ihre Brüder und Schwestern Elefantenreiten an. „Sie denken, ich bin verrückt. Ich habe meine Familie vor langer Zeit verloren“, sagt Lek. „Aber ich lasse den Hass nicht über die Liebe siegen. Ich werde nicht aufgeben.“ 

Nächster Schritt: Hands-off-Projekt

Sie stellt auch die Standards ihres Parks immer wieder infrage und arbeitet Schritt für Schritt an einem natürlicheren Elefantenlebensraum. So durften Touristen noch bis vor einigen Jahren mit den Tieren baden. Die Entscheidung, diese Attraktion zu beenden, begeisterte bei Weitem nicht alle Tourenanbieter: „Wir hatten einen Rückgang der Anmeldungen um 50 Prozent“, sagt Lek. „Aber das war mir egal. Wir hatten einfach zu viel von den Tieren erwartet.“ 

Der Sinn des Parks bestehe darin, die Elefanten vor weiteren Traumata zu bewahren, die sie von Menschenhänden erlitten haben. „Es geht nicht um uns, sondern um die Elefanten.“ 

Mit Lek ein Interview zu führen, ist gar nicht so leicht: Ständig kommt ein Elefant dazwischen...
Mit Lek ein Interview zu führen, ist gar nicht so leicht: Ständig kommt ein Elefant dazwischen... Foto: Maike Geißler

Am liebsten würde Lek die Touristen gar nicht mehr in die unmittelbare Nähe der Elefanten lassen. „Aber wir brauchen das Geld für den Tierschutz – und das meiste kommt über die Touren herein“, sagt Lek. Nur zehn Prozent der Kosten werden mittels Spenden finanziert. 

Doch sie arbeitet weiter für ihren Traum, das Hands Off Project – ein Schutzgebiet, in dem die Tiere frei herumlaufen können, ohne gestört zu werden, und wo Touristen sie nur noch aus der Distanz anschauen dürfen. Lek hat kürzlich weitere 40 Hektar Land gekauft, dort wird ein Skywalk- Rundgang gebaut. Der Bereich soll im Herbst 2019 eröffnet werden. Ein weiterer Schritt in Richtung der Freiheit für die Elefanten.

Tipps für deinen Thailand-Urlaub

Anreise: Flüge nach Thailand gibt es von vielen deutschen Flughäfen aus. Thai Airways fliegt beispielsweise zweimal täglich nonstop von Frankfurt am Main und einmal täglich von München nach Bangkok – von dort geht es weiter nach Chiang Mai.

Einreise: Deutsche Touristen müssen vor der Einreise nach Thailand grundsätzlich kein Visum beantragen. Reisende sind jedoch visumspflichtig, wenn sie ihre Weiter- oder Rückreise nicht mittels Flugticket, Bus- oder Zugticket nachweisen können.

Beste Reisezeit: Am angenehmsten ist es in Nordthailand von November bis Februar, dann herrschen Temperaturen bis maximal 33 Grad Celsius. Von März bis Mai hingegen wird es bis zu 40 Grad heiß, von Juni bis Oktober ist Regenzeit.

Elephant Nature Park: Die dreitägige Reise „Chiang Mai and Elephants“ inklusive Besuch des Elephant Nature Parks kostet beim Veranstalter Intrepid Travel ab 425 Euro pro Person – Flüge müssen extra gebucht werden. Zum Programm gehören Tempelbesichtigungen und ein Besuch des schwimmenden Markts von Chiang Mai. 

   

Die Reise wurde unterstützt von Intrepid Travel und Thai Airways. Über Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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