Nara gehört zu den beliebtesten Touristenorten in Japan – nicht nur wegen seiner vielen Tempel und Schreine sowie der großen Buddha-Statue Daibutsu, sondern auch wegen der wilden Sikahirsche. Mehr als 1.300 von ihnen laufen dort frei herum und wohnen im Nara-Park.

Für viele Touristen ist es ein Highlight, dass sie die Tiere füttern dürfen. Erlaubt ist das mit hirschfreundlichen Senbei-Keksen (Reiscracker), die von Händlern aus der Region in der Stadt für umgerechnet einen Euro verkauft werden.

Die Hirsche laufen frei durch die Stadt, zur Freude der Touristen.

Nara-Hirsche haben jede Menge Plastik im Magen

Doch nach einem aktuellen Bericht der Nara Deer Welfare Association halten sich nicht alle Besucher daran. Bereits neun der Nara-Hirsche sind seit März gestorben – an zurückgelassenem Plastikmüll von Touristen. 

Der Verband postete ein erschreckendes Foto auf Twitter mit den Worten: „Dies ist ein Klumpen Plastiktüten aus dem Magen eines toten Hirsches. Das Gewicht beträgt 3,2 Kilogramm.“ 

Das erste Problem: „Es gibt keine Mülleimer im Park, und es gibt Menschen, die Plastiktüten mit Lebensmitteln wegwerfen. Wenn der Hirsch Essen riecht, frisst er die gesamte Plastiktüte“, ist im Mitarbeiterblog des Verbandes zu lesen. Er appelliert: „Bitte werft eure Plastiktüten nicht weg, wenn ihr in den Nara-Park geht. Nehmt euren Müll wieder mit.“

Das zweite Problem: Die Senbei-Kekse werden in umweltfreundlichen Verpackungen verkauft, die vom Verband entwickelt wurden. Doch viele Touristen bringen verbotenerweise eigenes Futter in Plastikbeuteln mit.

Wenn die Hirsche gierig sind, essen sie die dargebotenen Leckereien samt Tüte. Ein Verhalten, das wir auch aus den Streichelgehegen unserer heimischen Tierparks nur zu gut kennen.

Die Nara-Hirsche sind zutraulich, schnuppern sogar in der Nähe der Souvenirshops.

Nara-Hirsche: Opfer des Overtourism?

„Die Nara-Hirsche sind die jüngsten Opfer des Overtourism geworden, angefangen beim Verkehr bis hin zum zunehmenden Problem der Plastikverschmutzung“, sagt Justin Francis, CEO von Responsible Travel gegenüber dem „Independent“.

Ein neugeborenes Hirschbaby in Nara.

„Ihr Schutzstatus wird durch verantwortungslose Touristen infrage gestellt. Diese heiligen Tiere werden als Ware behandelt, die Touristen verwenden, um das perfekte Foto für Instagram zu machen.“

Die Sikahirsche gelten im Shintoismus, einer in Japan praktizierten Religion, als heilige Götterboten. Inzwischen haben sie sogar den Status eines Nationalheiligtums.