Fünf Kreuzfahrtschiffe liegen gleichzeitig im Hafen von Seebrügge. Von ihnen werden Tausende Touristen mit Bussen in die Innenstadt gefahren. Dort schieben sie sich wie bei einer Polonaise durch die schmalen Gassen. Dieser Anblick ist keine Seltenheit.

An manchen Tagen kommen 60.000 Tagestouristen – zu viele für die Stadt, die insgesamt rund 120.000 und im Ortskern nur gut 20.000 Einwohner hat. Deshalb soll jetzt Schluss sein mit dem Massen-Tagestourismus.

Brügge will keine Tagestouristen mehr

Der Bürgermeister der Stadt, Dirk De Fauw, hat das Problem erkannt. An vielen Tagen kommen drei Touristen auf einen Innenstadt-Einwohner. Die kleinen Gassen platzen aus allen Nähten, es fehlt einfach an Platz in der Stadt, die zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt wurde, berichtet „Het Nieuwsblad“.

Touristen in Brügge.
Touristen, so weit das Auge reicht: zu viele für Brügge. Foto: imago images/Kyodo News

Deshalb ergreift der Bürgermeister nun drastische Maßnahmen. Er will ab sofort sämtliche Werbung, die Tagestouristen nach Brügge locken könnte, einstellen lassen. Zudem sollen künftig nur noch maximal zwei Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig im Hafen liegen dürfen.

Mit dem strikten Programm soll vermieden werden, dass Brügge „zu einem kompletten Disneyland“ werde, so De Fauw gegenüber der belgischen Zeitung. Er wünsche sich „Qualitätstouristen“, die mehrere Tage in der Stadt bleiben und Geld dort lassen. Die Essen gehen und Museen besuchen.

Wenn Touristen zum Problem werden

Immer wieder müssen Städte Maßnahmen ergreifen, um nicht gänzlich vom Tourismus verschluckt zu werden und die Lebensqualität der Einwohner zu gewähren. Rom kämpft zum Beispiel momentan gegen die Beschädigung der Sehenswürdigkeiten durch die vielen Besucher. 

Auf Mallorca fordert ein Zusammenschluss von Verbänden, dass nur noch ein Kreuzfahrtschiff pro Tag anlegen darf. Und auch in Venedig protestierten Tausende Einwohner gegen den Kreuzfahrt-Tourismus.