Der Anblick großer weißer Schiffe in Häfen hat bei uns schon immer Fernweh ausgelöst. Doch trotzdem war da immer dieser Gedanke: „Das ist doch nur was für alte Leute...“ Ein Vorurteil, das wir aus eigener Erfahrung glücklicherweise abbauen konnten.

Da wir schon immer in Kiel an der Ostsee gelebt haben, war es nur eine Frage der Zeit, bis wir eine Schfifsreise machen würden. Zunächst waren es einfache Fährschiffe, auf denen wir mit dem Motorrad nach Harwich an der englischen Ostküste und später mit dem Auto von Kiel nach Dänemark, Schweden und Norwegen übersetzten.

Das Reisen auf den Schiffen war eine ganz neue Erfahrung, ganz gleich, ob an Deck im eigenen Schlafsack, im Liegeraum oder in einer Doppelkabine. Das Erleben von Wind, Wellen und Weite brannte sich in unser Gedächtnis ein. Und irgendwann gaben wir auch dem Verlangen nach einer Kreuzfahrt nach.

Liegeplatz an der Rhone vor der Altstadt von Avignon.
Liegeplatz an der Rhone vor der Altstadt von Avignon. Foto: Karl-Heinz

Entscheidungshilfe: Flusskreuzfahrt oder Kreuzfahrt auf dem Meer? 

Inzwischen haben wir ein paar gemacht, sowohl auf dem Meer als auch auf dem Fluss, und möchten diese Erfahrungen nicht mehr missen. Beeindruckten uns zu Anfang die großen Häfen dieser Reisen mit Halb- oder Ganztagesausflügen, wurden wir von den für uns maßgeblichen Vorzügen einer Flusskreuzfahrt total positiv überrascht.

Unsere Erfahrungen könnten für dich eine Entscheidungshilfe sein, solltest du vor der Wahl stehen, eine Kreuzfahrt auf dem Meer oder eine Flusskreuzfahrt zu machen.

Für manchen ist eine Kreuzfahrt eine schon vertraute Art des Reisens, für manch anderen ist dies die Reise seines Lebens. Hatte die bis 1999 als Traumschiff fungierende „Berlin“ Platz für 330 Passagiere und nach einer Schiffsverlängerung für 420, bot die „Deutschland“ bereits 520 Passagieren Platz.

Ging die Reederei Deilmann als Eigner der zwei Schiffe noch in die Insolvenz, boomte schon kurz darauf die Kreuzfahrtbranche und heute staunen wir über den Bau von Kreuzfahrtschiffen, die Platz für 10.000 Passagiere haben werden.

Die Zeiten, als eine Kreuzfahrt nur etwas für Wohlhabende und Privilegierte war, sind vorbei. Ähnlich wie bei der Entwicklung von Hotels, geht es nun auch bei Kreuzfahrtschiffen in die Richtung „think big“. 

Auf der MS Queen Elizabeth ist Platz für gut 2.000 Passagiere.
Auf der MS Queen Elizabeth ist Platz für gut 2.000 Passagiere. Foto: Karl-Heinz

Kreuzfahrtschiffe sind mit zu den Verursachern des Overtourism geworden. Unsere persönliche Erfahrung des Reisens auf Kreuzfahrtschiffen machte uns schnell klar, dass das Wesen einer Schiffsfahrt im eigentlichen Sinne mit einer Zunahme der Anzahl der Passagiere immer mehr in den Hintergrund rückte.

Der Wunsch nach Spaß und Entertainment wird mit zunehmender Passagierzahl pro Schiff immer wahrscheinlicher erfüllt.

Erst Kreuzfahrt-, dann Shoppingmall-Feeling

Auf unserer ersten Kreuzfahrt auf der „Astor“ teilten wir unsere Reiseerlebnisse mit 577 weiteren Kreuzfahrern. Diese Anzahl Passagiere tat dem Gefühl, auf einem Schiff zu reisen, keinen Abbruch. Die Kreuzfahrt fühlte sich als solche an und konnte voll und ganz unsere Erwartungen befriedigen.

Als wir dann auf der „Splendida“ mit knapp 3.300 weiteren Passagieren unterwegs waren, fühlten wir uns wie in einer Shopping-Mall. Und am Open-Air-Pool ging es unserer persönlichen Wahrnehmung nach zu, wie früher am Ballermann auf Mallorca. Also, wer Party will, wird auf den großen Kreuzfahrtschiffen für wenig Geld zufrieden sein.

Als wir uns mit Flusskreuzfahrtschiffen befassten, war es ganz in unserem Sinne der Reiseerwartungen, dass diese Schiffe für maximal 200 Passagiere ausgelegt sind – also nur etwas mehr als ein Drittel als auf der „Astor“. Unser Fazit nach den ersten Flusskreuzfahrten auf Donau und Rhein: Die geringere Anzahl der Mitreisenden macht es sehr viel angenehmer. 

Auf dem Oberdeck der A-Rosa auf dem Rhein.
Auf dem Oberdeck der A-Rosa auf dem Rhein. Foto: Karl-Heinz

Flusskreuzfahrten sind Städtereisen

Die geringere Passagierzahl auf den Flusskreuzfahrtschiffen führte auf unseren Reisen dazu, dass wir auch die Landausflüge, die ein wesentlicher Bestandteil einer Kreuzfahrt sind, als deutlich deutlich angenehmer und entspannter wahrgenommen haben.

Flusskreuzfahrten sind Städtereisen, in Frankreich gelangt ihr auf Flüssen nach Paris oder nach Marseille, auf dem Rhein nach Köln oder Straßburg, auf der Donau nach Budapest oder Belgrad.

Flusskreuzfahrten sind auch Abenteuer, cool ist zum Beispiel die Flussfahrt durch den Donaudurchbruch. Oder eine Exkursion ins Donaudelta als Halbtagesausflug. Und immer wartet das Hotel an der Anlegestelle.

Der Donaudurchbruch.
Der Donaudurchbruch. Foto: Karl-Heinz

Für uns persönlich ist der größte Vorteil einer Flusskreuzfahrt das entspannte Reisen, während zu beiden Seiten Orte und Sehenswürdigkeiten vorüberziehen und wir auf dem Oberdeck mit einem Aperol Spritz dem Rest der Welt zuprosten...