„Condor Pride Flight“: Der bunteste Flug des Jahres!

„Condor Pride Flight“: Der bunteste Flug des Jahres!

Somewhere over the rainbow: Condor schickt ein Regenbogenflugzeug zur Pride nach New Orleans. An Bord: eine reine Pilotinnen-Crew, eine schwule Cabin-Crew – und reisereporterin Jasmin Kreulitsch.

Kabine des Regenbogen-Fluges von Condor zur New Orleans Pride.
Regenbogen-Motto auch in der Kabine.

Foto: Jasmin Kreulitsch

Noch ist es still in der Boeing 767-300. Nur von draußen dröhnt der Motor eines Tankwagens, der das Flugzeug befüllt, damit es gleich 8.000 Kilometer weit fliegen kann. Drinnen wird leise getuschelt.

Drei, vier, fünf Mitarbeiter vom Bodenpersonal erledigen die letzten Handgriffe in der Economy Class, im Cockpit laufen die Sicherheitschecks der Crew. Es liegt Spannung in der Luft. Dann geht die Bordbeleuchtung an. Und die Boeing ist plötzlich in Regenbogenfarben getaucht.

Condor-Flug mit Pilotinnen und schwulen Flugbegleitern hebt zur New Orleans Pride ab

Somewhere over the rainbow hat die Airline Condor nicht nur viele Ferienflieger, sondern jetzt auch den buntesten Flug des Jahres 2019.

Die stolzen Flugbegleiter – mit Regenbogenkrawatten – und Pilotinnen des Pride-Fluges von Condor in die USA.
Die stolzen Flugbegleiter – mit Regenbogenkrawatten – und Pilotinnen des Pride-Fluges in die USA. Foto: Jasmin Kreulitsch

Im Juni, der weltweit als Pride-Monat bekannt ist, weil rund um den Globus auf bunten Paraden Diversität gefeiert wird, schickt die Airline eine Boeing 767-300 auf eine Reise mit Botschaft. Um Klischees aufzubrechen und ein Statement zu setzen, hebt eine Regenbogen-Condor mit einer außergewöhnlichen Besatzung ab: einer weiblichen Cockpit-Crew und einer Gay-Cabin-Crew.

Als die Passagiere an Bord kommen, geht ein Raunen durch die Kabine. Zuerst bemerken viele die zarte Regenbogenbeleuchtung. Danach folgen viele Blicke der Cabin Crew – alle sind männlich, alle tragen Accessoires in Regenbogenfarben, alle lieben Männer.

Drei Pilotinnen im Cockpit: Leider noch immer ein ungewohntes Bild

Dass im Cockpit gerade drei Frauen alles für den Start vorbereiten, wissen bisher aber die wenigsten. Zumindest bis die erste Ansage kommt. 

Zwei Condor-Pilotinnen im Cockpit.
Zwei Condor-Pilotinnen im Cockpit. Foto: Jasmin Kreulitsch

Kapitänin Bettina Plumhoff hat bei diesem Flug das Sagen, neben ihr sitzen Simone Dussmann (erste Offizierin) und Caroline Gröll (zweite Offizierin). Diese Konstellation hatten die drei noch nie zuvor: „Wir sitzen hier zum ersten Mal nur mit Frauen im Cockpit. Wir sind sehr aufgeregt deswegen“, sagt Bettina Plumhoff.

Es ist eine ungewohnte Situation, dass hier nur Frauen sitzen.

Kapitänin Bettina Plumhoff

Und sie setzt lachend hinterher: „Gerade hat die Kollegin gesagt: ‚Wenn ich mich zu dir drehe, erschrecke ich mich fast!‘ Es ist eben eine ungewohnte Situation, dass hier nur Frauen sitzen.“ 

Frauen im Cockpit auch bei Condor eine Seltenheit

Warum? Weil die Frauenquote unter Piloten bei Condor wie bei fast allen Airlines nur bei etwa 6 Prozent liegt. „Das hat aber nichts damit zu tun, dass wir keine Frauen als Piloten wollen. Die wollen wir sehr gern! Aber es gibt leider immer noch zu wenige Frauen, die sich zutrauen, Pilotin zu werden“, erklärt Magdalena Hauser von Condor.

Auf dem Flug nach New Orleans sitzen also die Frauen im Cockpit, während sich ihre männliche Gay-Crew um die Passagiere kümmert. Ein Spiel mit Klischees und Vorurteilen? Ja. Vor allem aber geht es bei diesem Flug um Diversität. Um Stolz. Und darum, die Menschen einfach so sein zu lassen, wie sie sind.

Die Gay-Cabin-Crew lebt es während der elf Stunden, die der Flug dauert, vor. Die Männer sind stolz, dabei zu sein. Fragen der Passagiere ganz ehrlich zu beantworten. Vorurteile abzubauen, Vertrauen aufzubauen. Weil es im Jahr 2019 wirklich keine Rolle mehr spielen darf, welche sexuelle Orientierung jemand hat. 

Das Schöne: Auf dem Pride-Flug spielt sexuelle Orientierung zwar eine Rolle, aber nur, weil sie bewusst inszeniert wurde. Das passende Hashtag? #weflydiverse

„Ich bin stolz darauf, dass wir mit unserer Pride-Crew auf dem ersten Condor-Flug nach New Orleans in dieser Saison und unserer Teilnahme an der Pride Parade vor Ort ein klares Zeichen gegen Homophobie und Vorurteile setzen“, sagt Christoph Debus, Chief Airline Officer der Thomas Cook Group. 

Condor mit eigenem Festwagen auf der Pride Parade in New Orleans

Der Flug ist ein erstes Statement, die Teilnahme an der Pride Parade in New Orleans das zweite. Condor schickt einen eigenen Umzugswagen auf die berühmte Parade, auf dem die komplette Crew der Regenbogen-Condor am 8. Juni im berühmten bunten French Quarter mitfeiern wird. 

„Condor ist seit zehn Jahren die erste Fluggesellschaft, die an unserer Parade teilnimmt“, so Darryl Martin, New Orleans Pride Parade Captain. Und: „New Orleans kann feiern wie kein anderer Ort!“

Es ist dunkel, als die Maschine in New Orleans landet. Die hohe Luftfeuchtigkeit geht unter die Haut, der lange Flug ermüdet. Passagiere und Crew verschwinden irgendwo in der nächtlichen Stadt am Mississippi auf der Suche nach Schlaf. 

Somewhere over the rainbow ist jetzt zwar kein Flugzeug mehr zu sehen, dafür aber ein schönes Statement geblieben. Und das kommt mindestens genauso gut an wie der „Condor Pride Flight“ in New Orleans.

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