Diese Frau reist allein um die Welt – mit dem Kamel

Diese Frau reist allein um die Welt – mit Kamelen

Mehr als 12.000 Kilometer will Baigalmaa Norjmaa wandern – nur mit Kamelen als Begleitung. Dem reisereporter erzählt die Mongolin mehr über ihr Abenteuer und ihren ständigen Kampf um Anerkennung.

Jennifer Geminiani
Baigalmaa ist immer in Begleitung – egal, wo die Reise sie hinführt.
Baigalmaa ist immer in Begleitung – egal, wo die Reise sie hinführt.

Foto: facebook.com/Norjmaa.Baigalmaa

„Das kannst du nicht“, „Lass die Finger davon“, „Kümmere dich um deinen Mann“, „So eine Reise machen Frauen nicht“ – solche Sätze habe sie in der Mongolei oft gehört, wenn sie von ihrem großen Plan erzählt habe. Baigalmaa Norjmaa will 12.000 Kilometer wandern, durch 14 Länder, begleitet von zehn Kamelen.

Doch die 32-Jährige beweist diesen Menschen das Gegenteil: Vor zwei Jahren ist sie in Ulan-Bator gestartet und durchquerte bereits die Mongolei, China, Kasachstan und Usbekistan. Aktuell wartet sie auf die Einreiseerlaubnis für Turkmenistan. Ihr Ziel liegt jedoch in Europa: London. Dort will sie im Jahr 2020 ankommen.

Baigalmaa wuchs in einer Nomadenfamilie auf

Das Unterwegs-Sein ist Baigalmaa keineswegs neu: Sie wuchs in einfachen Verhältnissen auf, ihre Eltern waren mongolische Nomadenhirten. Die Familie zog in der nordwestliche Region Ulaangom von einem Weideland zum nächsten. 

Mit 16 Jahren verließ Baigalmaa ihre Familie, um zu studieren. Danach arbeitete sie zwölf Jahre in der Tourismusbranche, um ihr Englisch aufzubessern. Doch ihre Liebe zu Abenteuern und Natur zogen sie immer wieder raus. In ihrer Freizeit ging sie Bergsteigen, bezwang sogar den Kilimandscharo und den Elbrus.

Von der Mongolei bis nach London wird Baigalmaas Reise gehen.
Von der Mongolei bis nach London wird Baigalmaas Reise gehen. Foto: Facebook.com/steppestothewest

Warum sich Baigalmaa auf die Kamel-Reise machte 

Vor acht Jahren wurde sie auf den Australier Tim Cope aufmerksam, der mit einem Pferd von der Mongolei nach Ungarn reiste. „Ich habe darüber nachgedacht, wie wir als Mongolen, die praktisch mit dem Pferd aufwuchsen, es einem Ausländer ermöglichen konnten, allein die Ehre für solch eine Reise zu tragen“, sagt Baigalmaa. 

Eine Idee begann in ihr zu wachsen. „Was könnte als Nächstes kommen? Ich dachte: Vielleicht ein Kamel, so wie früher.“ Die Tiere sind tief in der Kultur der Mongolei verwurzelt, bereits während der Seidenstraßen-Ära wurden sie eingesetzt.

Im Jahr 2016 traf sie den britischen Abenteurer Karl Bushby, der seit mehr als 20 Jahren ununterbrochen unterwegs ist und die Welt zu Fuß umrunden will. Ihm erzählte sie von ihrem Traum und auch von ihren Zweifeln, ob sie es schaffen könnte. Doch der Engländer habe an sie geglaubt – ein Schlüsselmoment für Baigalmaa.

Ihre Entscheidung war gefallen: Sie würde ihre Expedition wagen! Im November 2017 ging es los, an Baigalmaas Seite sind die Kamele Gobi, Big Boy Brownie, Shamrock, Jojo, Clyde, Harley, Dragon, Atlas, Kingston und Chinggis.

Eine lange Reise mit vielen Herausforderungen

In den vergangenen zwei Jahren hatte sie mit so einigen Herausforderungen zu kämpfen. Da war zum Beispiel die Durchquerung der Gobi-Wüste, in der sie mit Temperaturen von bis zu minus 52 Grad zu kämpfen hatte. In dieser Zeit habe sie Zweifel gehabt, ob sie dieses Abenteuer schaffen würde, so Baigalmaa. Sie habe sogar ans Umkehren gedacht.

Dann sind da die bürokratischen Hürden – bislang musste Baigalmaa vier Monate pro Land auf ihre Einreiseerlaubnis warten, vor der Überquerung der chinesischen Grenze waren es sogar fünf. 

Und da ist die Sehnsucht nach ihren Töchtern, die sie während ihrer Reise nur selten sieht. Ihre Mutter kümmert sich um die zwei Mädchen. Der Gedanke an sie sporne sie auch an, so Baigalmaa. „Es wäre einfach unerträglich, wenn meine Töchter damit hätten leben müssen, dass ihre Mutter aufgegeben hat. Ich bin doch ihr großes Vorbild.“

Auch andere Menschen, vor allem junge Frauen, wolle sie mit ihrer Reise inspirieren, sagt die 32-Jährige. Dafür hat Baigalmaa sogar inzwischen ihre eigene Organisation gegründet. „Steppes to the West“ will die traditionelle mongolische Kultur weltweit fördern und Frauen stärken. 

Denn sie hofft, Frauen aus ländlichen Regionen dazu zu bringen, ihre eigenen Zukunftsprojekte zu verwirklichen, ohne dabei ihre Kultur zu vergessen. „Man sollte nie vergessen, woher man kommt oder welche Wurzeln man hat. Ich möchte die Welt auf meiner Reise an meiner mongolischen Kultur teilhaben lassen“, so Baigalmaa.

Ein Lieblingsland habe sie bislang nicht für sich entdeckt. Für sie sei es am Ende auch nicht die Destination, die zähle, sondern die Reise. 

Auf Europa freut sie sich aber trotzdem ganz besonders: „Ich freue mich schon sehr, die Menschen in Europa kennenzulernen und das Gefühl zu haben, meine Reise fast abgeschlossen zu haben.“

An Deutschland wird sie planmäßig nur vorbeilaufen – an der Schweizer Grenze. Aber wer weiß, vielleicht macht sie ja doch noch einen Abstecher zu uns.

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