Schweden: Darum werden immer mehr Schäreninseln weiß

Schweden: Darum werden immer mehr Inseln weiß

Hunderte kleine Inseln mit roten Holzhäusern zwischen grünen Büschen und Bäumen – so kennen und lieben wir die Inselwelt der schwedischen Schären. Aber: Immer mehr erinnern an Gespensterinseln. Warum?

Mehrere Kormorane sitzen auf einem Baum.
Weiß und kahl: So sehen derzeit viele Inseln vor der schwedischen Küste aus.

Foto: pixabay.com/Marzena7

Ist es eine Geisterinsel? Ein Fleck Winter im Hochsommer? Oder hat ein Feuer die Insel in Asche gehüllt? Alles falsch: Die kleine Schäreninsel Brändskär – genauso wie zahlreiche Nachbarinseln und Schären entlang der schwedischen Küste – ist einfach vollgeschissen. 

Kormorane scheißen schwedische Inseln voll

Denn: Jährlich machen Tausende Kormorane auf den nur wenige Quadratmeter großen Inselchen Rast. Nach und nach verwandeln sich ihre Rastplätze in abgestorbenes Gelände: Der Kot der Vögel enthält ätzenden Ammoniak, der Bäume und Büsche angreift.

Das zeigt ein Bericht der schwedischen Abendzeitung „Aftonbladet“. Das Problem stinkt aber nicht nur wegen des „ekelhaften“ Geruchs zum Himmel: Anwohner, wie die Betreiber einer Jugendherberge an der Küste, schreiben von den „verhassten Kormoranen“. 

Die Vögel verwandeln Inseln, die einst grüne, beliebte Ausflugsziele waren, in ausgedörrte Eilande mit blattlosen Baumgerippen. Und: Ein Tier frisst rund 500 Gramm kleine Fische pro Tag. Bei Kolonien von bis zu 3.000 Vögeln ergibt das mal eben 1.500 Kilo Fisch – die Fischer fühlen sich deshalb um ihren Fang gebracht. 

Mittlerweile vertreiben genervte Anwohner die Vögel mit Gaskanonen. Der Lärm verjagt die Vögel zwar – diese suchen sich allerdings einfach die nächste Nachbarinsel, um sich dort niederzulassen. Und fröhlich weiter zu fressen und zu scheißen. 

„Abgestorbene“ Kormoran-Inseln auch in Stockholmer Schären

In der Region Gävleborgs län soll sich die Kormoran-Population in nur zwei Jahren verdreifacht haben. Besonders in den Schären von Söderhamn, 250 Kilometer nördlich von Stockholm. Doch auch in den Schären der Hauptstadt gibt es immer wieder karge Inseln: 

Im April wurde deshalb beschlossen, dass in diesem Jahr 1.200 Kormorane in den Stockholmer Schären erschossen werden dürfen. „Svenska Dagbladet“ zufolge dürfen Berufsfischer und andere Menschen mit Jagdschein mit Schrotflinten auf die Vögel schießen – allerdings nicht im Umkreis von 300 Metern um ihre „Wohninseln“.

Kormorane stehen EU-weit unter Artenschutz

Ein Mitarbeiter der Organisation Birdlife Sverige kritisiert diesen Beschluss: Die Einhaltung der Regelung werde nicht überwacht. Zudem riskiere Schweden damit, gegen die EU-Vogelschutzrichtlinie zu verstoßen. Diese wurde 1979 verabschiedet und stellt Kormorane europaweit unter Schutz.

Damals stand der Kormoran fast vorm Aussterben. Seitdem kommt es aber immer wieder zu Protesten von Fischern und Lobbyverbänden. Zum Teil haben deshalb auch andere Länder Kormorane zum Abschuss freigegeben. In Deutschland wurden in den vergangenen Jahren rund 15.000 Kormorane pro Jahr getötet, berichtet der „Deutsche Tierschutzbund“. 

Übrigens: Die Natur auf den Inseln ist nach der Kormoran-Invasion nicht dauerhaft abgestorben. Der ammoniakhaltige Kot verwandelt sich mit dem Verschwinden der Schwärme in Nitrat – das dem Magazin „Svenska Yle“ zufolge als Düngemittel dafür sorgt, dass die Inseln schnell wieder grün werden. 

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