„Tod. Gemetzel. Chaos. Leichen auf dem Weg. Menschen, die versuchten zurückzugelangen und starben. Menschen, die niedergetrampelt wurden. Menschen, die über leblose Körper liefen.“ Es klingt wie die Kurzbeschreibung eines Horrorfilms, doch so beschreibt Bergsteiger Elia Saikaly die Realität am Mount Everest.

Die Todesserie am höchsten Berg der Welt hat inzwischen elf Menschenleben gefordert. Das letzte Opfer ist ein 62 Jahre alter Mann aus den USA. Der Grund: Stau. Es schieben sich einfach zu viele Bergsteiger zeitgleich auf dem engen Pfad zum Gipfel, es kommt zu stundenlangen Wartezeiten in der Todeszone beim Auf- und beim Abstieg.

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Videos zeigen Touristen-Wahnsinn am Mount Everest

„Ich kann nicht glauben, was ich da oben gesehen habe“, schreibt Sherpa Mingma G. Seine Video-Aufnahmen zeigen das Ausmaß des Everest-Irrsinns: Wie auf einer Perlenkette aufgereiht stehen Hunderte Bergsteiger in bunten Daunenanzügen kurz unter dem 8.848 Meter hohen Gipfel.

Im vergangenen Jahr starben am Mount Everest in der gesamten Saison fünf Menschen – bereits jetzt sind es 2019 mehr als doppelt so viele. Die Haupt-Besteigungssaison endet etwa Mitte Juni. 

„Was haben wir unserem großen Everest da nur angetan?“, kommentiert Bergsteiger Gaurav Sharma die Videoaufnahmen. Er fordert: „Es muss sich etwas ändern. Vielleicht die Regeln, die Altersbeschränkungen, die Anzahl der Genehmigungen pro Saison.“

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In diesem Jahr wurden nach Angaben der „Himalayan Times“ 381 Permits erteilt – so viele wie noch nie. Der Grund dafür: Der Everest-Tourismus ist für das Land und die Sherpas eine extrem wichtige Einnahmequelle. Ausländische Bergsteiger müssen umgerechnet knapp 10.000 Euro für die Genehmigung bezahlen. 

Vorher-nachher: So extrem ist die Schlange am Everest-Gipfel

Braucht Nepal strengere Kriterien für Everest-Bergsteiger?

Bergsteiger Ash Routen fragt: „Ist es ethisch noch korrekt, dass Firmen das Geld von Kunden annehmen, um sie dann in Staus mit extremen Risiken zu bringen auf über 8.000 Metern Höhe?“

Auch Bergsteigerin Ameesha C. fordert strengere Regeln. Sie hat den Stau in den vergangenen Tagen miterlebt und wird aktuell mit Erfrierungen im Krankenhaus behandelt. 

Die 29-Jährige fordert, dass die Regierung Bergsteiger intensiver überprüft und nur gut trainierte auf den Gipfel lässt. Denn: „Viele Bergsteiger sind nicht ausreichend vorbereitet, treffen gefährliche Entscheidungen und riskieren dadurch ihr eigenes Leben und das der Sherpa“, sagt die 29-Jährige im Gespräch mit der „Himalayan Times“.