Ontario: Mit dem Hausboot über den Rideau-Kanal | reisereporter.de

Ontario: Mit dem Hausboot über den Rideau-Kanal

Auf dem Wasser von Ottawa nach Kingston: Der Rideau-Kanal, Kanadas Unesco-Weltkulturerbe, lässt sich besonders gut mit dem Hausboot entdecken. reisereporterin Eva-Maria hat es ausprobiert.

Der Rideau-Kanal mündet in Ottawa in den gleichnamigen Fluss. 24 Meter Höhenunterschied werden mittels acht Schleusen überwunden. In dem alten Schleusenhäuschen wurde ein Museum eingerichtet, das die Stadtgeschichte aufzeigt.
Der Rideau-Kanal mündet in Ottawa in den gleichnamigen Fluss. 24 Meter Höhenunterschied werden mittels acht Schleusen überwunden. In dem alten Schleusenhäuschen wurde ein Museum eingerichtet, das die Stadtgeschichte aufzeigt.

Foto: Eva-Maria Weiss

Frühling in Kanada. Es riecht nach Flieder. Die Pflanze mit ihren leuchtend rosa- und lilafarbenen Blütenrispen sieht man an fast jedem Haus in Ottawa. Auch das Ufer des Rideau-Kanals ist gesäumt davon. Er verbindet Ottawa, die Hauptstadt Kanadas, über 202 Kilometer mit Kingston am Ontariosee weiter im Süden des Landes. Wir sind mit dem Hausboot auf dem Kanal unterwegs. Er gibt die Reiseroute für unsere Bootstour vor.

Die Menschen, die hier leben, sind stolz auf den Rideau-Kanal, der seit 2007 zum Unesco-Weltkulturerbe zählt. Bereits 1832 wurde er eröffnet. Er sollte einst dafür sorgen, dass im Fall eines Angriffs der Vereinigten Staaten auf Kanada die damals noch britische Kolonie über das Wasser versorgt werden konnte. Zum befürchteten Angriff der Amerikaner kam es nie.

Kanal wurde zur Touristenattraktion

Der Kanal blieb. Er ist zur Touristenattraktion geworden und gilt unter Bootsfahrern als Geheimtipp. Mit seinen historischen Schleusenanlagen ist er einer der schönsten Wege, um den Osten Kanadas zu erkunden. Auf halber Strecke zwischen Ottawa und Kingston liegt die Basis von Le Boat, an der wir unsere Tour auf dem Wasser beginnen.

Die Hausboote von Le Boat bieten Platz für zwei bis zwölf Personen, sie können ohne Führerschein gefahren werden.
Die Hausboote von Le Boat bieten Platz für zwei bis zwölf Personen, sie können ohne Führerschein gefahren werden. Foto: Eva-Maria Weiss

Der Kanal öffnet sich häufig in richtige kleine Seenlandschaften. Rechts, links und auf Inseln stehen Häuser, mal größer und sehr stattlich, mal kleiner und eher bescheiden. Fast immer stehen die typischen bunten Muskoka-Stühle aus Holz davor, benannt nach ihrem Herstellungsort Muskoka im Zentrum der Provinz Ontario.

Jeder darf mal Kapitän sein

Auf dem Boot wechseln wir uns mit den Aufgaben ab, jeder darf mal Kapitän sein. Die anderen verfolgen die Route auf der Karte und schauen, wo angelegt werden kann oder die nächste Schleuse ist. Alle halten Ausschau nach den nächsten Tonnen. Zwischen den Tonnen liegt der Fahrweg, daneben ist es für das Boot zu flach.

Ans Steuer darf jeder, einen Führerschein oder Vorkenntnisse braucht man nicht. Vor der Abfahrt gibt es für alle eine ausführliche Einweisung. Wer sich sicher fühlt, kann los.

Mitarbeiter von Parks Canada betreiben die manuellen Schleusen und reichen immer eine helfende Hand.
Mitarbeiter von Parks Canada betreiben die manuellen Schleusen und reichen immer eine helfende Hand. Foto: Eva-Maria Weiss


Wenn die Sonne untergeht, wird das Boot an Land festgemacht. Wir verbringen eine Nacht an der Upper Beveridges Lockstation. Dort hat Parks Canada, die Naturschutzorganisation des Landes, ein Sanitärhäuschen und drei Zelte aufgestellt – zum Glamping, ein Wortspiel aus Glamour und Camping. Die Luxuszelte bieten Komfort mit echten Betten, haben aber auch ihren Preis: Eine Nacht kostet umgerechnet 100 Euro.

Am Lagerfeuer mit den bekannten bunten Muskoka-Stühlen wird gegrillt. Elektrisches Licht gibt es nicht, die Mücken kommen trotzdem. Man ist mitten in der freien Natur, mit Schlangen, die im Wasser vorbeischwimmen, und Kojoten, die nachts heulen.

Jeder der kleinen und größeren Orte am Kanal hat sein eigenes Gesicht

In Perth thront ein Mammutkäse am Ufer. Um die Bekanntheit von kanadischem Käse zu steigern, reiste ein riesiger Cheddarkäse einst zur Weltausstellung nach Chicago.

Dort wurde er aber vor allem wegen seines ebenso gigantischen Geruchs berühmt. Die Nachbildung am Kanal ist aber ganz geruchsneutral. Im örtlichen Museum wird noch ein kleines vergammeltes Stück des Originals aufbewahrt.

Chaffey’s Lock ist ideal, um im Kanal zu schwimmen, Kajak zu fahren oder Stand-up-Paddling zu machen. Die Ausrüstung kann geliehen werden.
Chaffey’s Lock ist ideal, um im Kanal zu schwimmen, Kajak zu fahren oder Stand-up-Paddling zu machen. Die Ausrüstung kann geliehen werden. Foto: Eva-Maria Weiss


In Chaffey’s Lock können Kajaks und Bretter für Stand-up-Paddling gemietet werden. Westport ist ein schickes Hafenstädtchen mit einem tollen Aussichtspunkt, der einen wundervollen Blick auf die Bucht ermöglicht.

Im Hippiedorf Merrickville kommen selbst Biker in die in Rosa und Hellblau gestrichene Eisdiele, die Sorten wie Ahornsirup anbietet – einfach köstlich! In Seeley’s Bay gibt es die Ridgway Confections, eine der wohl kleinsten Schokoladenmanufakturen der Welt, versteckt in einem Wohnhaus.

Smith Falls ist bekannt für Cannabis-Anbau

Eine Schokoladenfabrik gab es auch in Smith Falls, sie schloss 2008, rund 2000 Jobs gingen dabei verloren. Aber der Ort ist inzwischen mit einem ganz anderen Genuss wieder in den Schlagzeilen: Seit Oktober 2018 darf in Kanada ganz legal Cannabis angebaut und verkauft werden. Ganz weit vorn ist dabei die Canopy Growth Corporation – mit Hauptsitz in Smith Falls.

Der Blick vom Foley Mountain auf den kleinen Ort Westport mit seinem Anleger ist herrlich.
Der Blick vom Foley Mountain auf den kleinen Ort Westport mit seinem Anleger ist herrlich. Foto: Eva-Maria Weiss

Endpunkt der Reise ist Kingston

Unsere kleine Hausboottour neigt sich dem Ende zu. In Kingston endet unser Leben auf dem Wasser. In Kingston sehen wir die schönsten Häuser des Landes. Kingston, bis 1844 die erste Hauptstadt Kanadas, glänzt mit wunderschönen Kalksteingebäuden im viktorianischen Stil – deshalb wird die Stadt auch Limestone City, die Stadt des Kalksteins, genannt.

Die Häuser ziehen sich vom Ortskern bis zum Verteidigungsstützpunkt Fort Henry. Die 1812 erbaute Festung zählt heute zum Weltkulturerbe. Um die Illusion perfekt zu machen, wird jeden Tag um Punkt 12 Uhr mit echtem Pulver – aber ohne Kugeln – aus den Kanonen geschossen. Dann beben die Mauern und der Rauch steigt hoch auf. Wenn sich der Pulverdampf wieder verzogen hat, riecht es aber schnell wieder lieblich: Aus dem Fort Henry, weht der Duft von Flieder herüber.

Tipps für deine Reise nach Kanada

Anreise: Viele Airlines fliegen von deutschen Flughäfen aus – auch direkt – nach Kanada. Mit Air Canada geht es ab Frankfurt am Main nonstop nach Ottawa. Weiter nach Smith Falls oder Seeley’s Bay, Abfahrtsbasen vom Anbieter Le Boat, geht es per Zug oder Busshuttle.

Einreise: Für die Reise nach Kanada benötigt man eine elektronische Einreisegenehmigung (eTA). Air Canada verlangt zudem, dass man sich online mit der Flugnummer vor dem Abflug registriert – zusätzlich zum Check-in.

Beste Reisezeit: Eine Fahrt auf dem Rideau-Kanal ist von Mitte Mai bis Mitte Oktober möglich. Die Zeit der Fliederblüte dauert von Ende Mai bis Anfang Juni.

Anbieter: Le Boat bietet 20 Modelle des Hausboots „Horizon“ mit Platz für zwei bis zwölf Personen auf dem Rideau-Kanal an. Die Boote können ohne Führerschein gefahren werden. Das kleinste Boot für zwei bis fünf Personen ist für eine Woche ab 1435 Euro buchbar. Dazu gibt es auch lokale Anbieter, wie zum Beispiel Waterway Get-A-Way.

  

Die Reise wurde unterstützt von Le Boat und Destination Ontario. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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