In Uganda droht Touristen Knast an, wenn sie Straßenkindern Essen geben

In Uganda droht Knast, wenn du Straßenkindern Essen gibst

Uganda geht gegen Bettelei und Kindesmissbrauch vor und verbietet in der Hauptstadt Kampala, Straßenkindern Geschenke, Geld oder Essen zu geben. Sechs Monate Haft drohen vermeintlichen Wohltätern.

Bettelnder Junge auf der Straße.
Bettelnde Kinder sind ein großes Problem in vielen afrikanischen Ländern. (Symbolfoto)

Foto: imago images/Roland Marske

Es ist künftig illegal, Straßenkindern in Kampala, der Hauptstadt von Uganda, zu helfen. Weder Geld noch Geschenke oder Lebensmittel dürfen künftig den Kindern gegeben werden. Damit will die Regierung die Ausbeutung von Kindern eindämmen. Immer wieder werden Kinder dafür missbraucht, auf der Straße zu betteln – anstatt zur Schule zu gehen.

Touristen riskieren bis zu sechs Monate Haft 

Rund 15.000 Straßenkinder werden in Uganda vermutet, viele werden vom Land von Händlern in die Hauptstadt gebracht und dort in Slums gesteckt.

Wenn Menschen, auch Touristen, nun erwischt werden, wie sie den Kindern etwas geben, riskieren sie eine Geldstrafe von rund zehn Euro und eine Haftstrafe von bis zu sechs Monaten. Auch das Mieten von Wohnraum, um Bettelei, Kleingewerbe oder Prostitution von Kindern zu unterstützen, ist nun verboten.

Kenia denkt ebenfalls über ein Verbot nach

Bestraft werden können nicht nur vermeintliche Helfer, sondern auch die Anstifter und die Eltern der bettelnden Kinder oder jener Kinder, die auf der Straße gegen Geld Waren verkaufen. Selbst Kinder im Grundschulalter oder noch jüngere verkaufen in Kampala beispielsweise an Ampeln Krimskrams an Autofahrer. 

Auch andernorts wird über solche Strafen nachgedacht. Kenia hat den Vorstoß seines Nachbarlandes zum Anlass genommen, ein solches Verbot ebenfalls zu prüfen, berichtet die kenianische Zeitung „Daily Nation“. Auch Nairobi und Mombasa haben ein massives Problem mit bettelnden Kindern, häufig sind es falsche Straßenkinder. 

In Indien setzt sich die Wohltätigkeitsorganisation „Ghanshyam Oli Child Welfare Society“ ebenfalls für ein staatliches Verbot ein. Ziel sei es, Bettelei im Staat Uttarakhand bis 2021 und in ganz Indien bis 2025 auszurotten, schreibt „The Daily Pioneer“. Im Distrikt Srinagar werden hingegen Bettler hart bestraft, nicht die Hintermänner, berichtet der „Kashmir Reader“. 

Lebenslange Abhängigkeit 

Für Erwachsene ist es manchmal lukrativ, Kinder auf die Straße und nicht in die Schule zu schicken. Kinder können so zum Familieneinkommen beitragen. Da ihnen damit aber Bildung und Ausbildung fehlt, haben die Kinder es später sehr schwer, richtige Arbeitsstellen zu finden, und sind bisweilen lebenslang auf das Betteln bis hin zur Prostitution angewiesen. 

„Den Armen zu helfen ist eine sehr komplexe Angelegenheit. Oft werden Menschen durch die Hilfe abhängig gemacht“, sagt Janet Mawiyoo, Chefin der kenianischen Community-Development Stiftung der „Daily Nation“. In Kenia ist es üblich, dass die Köpfe der Bettelvereinigung den Kindern Klebstoff geben, was wiederum zur Sucht führt, die die Kinder abhängig von der Kriminalität macht.

Im Kreislauf der Armut gefangen bleiben

Auch Kinderrechtsorganisationen raten weltweit davon ab, bettelnden Kindern etwas zu geben. „Wer das Betteln unterstützt, verschlimmert die Situation für die Kinder und ihre Familien. Er trägt dazu bei, dass sie im Kreislauf der Armut gefangen bleiben“, sagt etwa Sandra Greco von den SOS-Kinderdörfern in Brasilien. 

Dort gibt es ein eigenes Projekt, um für die Thematik zu sensibilisieren. Statt wahlllos fremden Kindern Geld oder Essen zu geben, sei es zielführender, anerkannte Hilfsorganisationen oder Projekte, die langfristig die Situation der Kinder verbessern, zu unterstützen, heißt es. 

Während die Entscheidung Ugandas nahezu durchweg auf positives Feedback stößt, kritisieren laut „The Telegraph“ einige Menschenrechtsorganisationen, dass Staaten wie Uganda und Kenia zu wenig tun, um arme Kinder aufzufangen. 

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