Todes-Schlange am Mount Everest: Schon 10 Tote Bergsteiger

Todes-Schlange am Mount Everest: Schon 10 Tote

Hunderte Bergsteiger wollen derzeit den Mount Everest erklimmen und setzen sich dabei stundenlanger Warterei in der Todeszone aus. Ein Mann versuchte die Massen zu vermeiden – und bezahlte mit seinem Leben.

Das Foto zeigt, wie viele Menschen in den vergangenen Tagen zum Mount Everest strömten.
Das Foto zeigt, wie viele Menschen in den vergangenen Tagen zum Mount Everest strömten.

Foto: twitter.com/Vandana Singh

Sie nehmen unglaubliche Strapazen auf sich, um den 8.848 Meter hohen Mount Everest zu erklimmen. Dabei riskieren Bergsteiger ihre Gesundheit – und sogar ihr Leben. Insgesamt kamen allein seit Mittwoch acht Menschen ums Leben.

Der Grund: Es drängen sich zu viele Bergsteiger zeitgleich auf dem engen Pfad zum Gipfel, sodass es zu stundenlangen Wartezeiten beim Auf- und Abstieg kommt.

Der jüngste Todesfall eines 44-jährigen Briten am Samstag zeigt das Drama am Mount Everest: Robin F. wollte bereits am 21. Mai den höchsten Punkt der Erde erklimmen, dachte aber, er könne die Massen umgehen, und verschob seinen Aufstieg auf den 25. Mai. 

Brite fürchtet die Schlange am Mount Everest und verschiebt den Aufstieg

Als erfahrener Kletterer wusste er, welchem Risiko er sich in der Warteschlange zum Mount-Everest-Gipfel aussetzen würde. In etwa 7.000 Metern Höhe beginnt dort die sogenannte Todeszone. Für den menschlichen Körper bedeutet das extremer Sauerstoffmangel, und damit steigt das Risiko der Höhenkrankheit.

Kopfschmerzen, Schwindel und Halluzinationen folgen, mehr Blut wird in die Arterien gepumpt – im schlimmsten Fall erleidet der Mensch ein Lungenödem, Blutgerinnsel sind möglich. Bei diesen Anzeichen ist ein sofortiger Abstieg notwendig, sonst bedeutet das den Tod, klärt das Auswärtige Amt auf.

Diese Belastung und schlechtes Wetter hielten Robin davon ab, bereits am vergangenen Dienstag den Gipfel zu erstürmen, nach 13 Stunden Tortur war auf 7.500 Metern Schluss.

Zuversichtlich peilte er den folgenden Samstag für seinen persönlichen Meilenstein an, wie er selbst auf Instagram berichtete. Seine Freundin Kristy postete noch den Plan: Am Sonntag sollte ihr Robin erfolgreich vom Mount Everest zurückkehren.

Beim Abstieg geht es dem Bergsteiger schlechter – er stirbt unterhalb des Gipfels

Anders als erwartet ebbte der Andrang auf dem Berg auch nicht zum Wochenende ab, offenbar warteten viele Bergsteiger auf besseres Wetter und nutzten das eng begrenzte Zeitfenster am Samstag. Dennoch schaffte es Robin mit seiner Expeditionstruppe um 8.30 Uhr (Ortszeit) auf die Spitze des Berges, wie einer der Sherpa der „Himalayan Times“ bestätigte.

Nach diesem Erfolg, wartete jedoch eine weitere Herausforderung auf ihn: der Abstieg. Und genau dieser bedeutete für mehrere Menschen in den vergangenen Tagen den Tod. Rund 200 Meter unterhalb des Gipfels ging es Robin schlagartig schlechter, die Sherpas versuchten, ihn ins Tal zu retten – ohne Erfolg. Auf 8.600 Metern verstarb er. 

Seine Freundin Kristyn löschte sämtliche Posts, in einem soll gestanden haben: „Er hat sein Ziel erreicht. Mein Herz ist gebrochen. Es war seine ultimative Herausforderung“, berichtet die „Daily Mail“.

Gutes Wetter lockt zu viele Bergsteiger zum Mount Everest

Damit erhöht sich die aktuelle Zahl der Todesfälle am Mount Everest auf zehn, jenseits der 8.000er-Grenze verloren insgesamt demnach 20 Menschen in dieser Saison ihr Leben im Himalaya-Gebirge.

Maßgeblich verantwortlich dafür sind die Massen am Berg. Wetterprognosen zufolge soll es im Mai nur fünf Tage geben, an denen ein Aufstieg möglich sei, das berichtet der „Guardian“.

Hunderte Bergsteiger kampieren deshalb am Berg und versuchen dann, auf einem schmalen Weg das Dach der Welt zu besteigen. Nun hagelt es scharfe Kritik für die nepalesische Tourismusbehörde, warum diese überhaupt so viele Menschen zeitgleich auf den Berg lasse.

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