Südfrankreich: Seealpen und Savoir-vivre I reisereporter.de

Côte d'Azur: Warum du das Hinterland entdecken solltest

Die französische Riviera hat seit fast 200 Jahren eine magische Anziehungskraft, Künstler und internationaler Jetset treffen sich hier. Doch auch das Hinterland ist eine Reise wert.

Wie ein Adlernest thront das mittelalterliche Dorf Èze über der Küste der Côte d'Azur in Frankreich.
Wie ein Adlernest thront das mittelalterliche Dorf Èze über der Küste der Côte d'Azur in Frankreich.

Foto: imago images/imagebroker

Als Lord Brougham 1834 das erste Mal an die französische Riviera reiste, war Cannes noch ein kleines Fischerdorf und in Nizza grassierte gerade die Cholera. Man kann sich schönere Orte vorstellen, doch der britische Lord, der an der Côte d’Azur Erholung für seine kranke Lunge suchte, war begeistert von der Schönheit der Küste und dem milden Klima im Frühjahr. Er machte Cannes zu seiner zweiten Heimat und es dauerte nicht lange und der britische Geldadel folgte seinem Beispiel.

Heute steht eine Statue von Lord Henry Brougham gegenüber dem berühmten Festspielpalast und blickt stolz Richtung Hafen, wo die Luxusjachten im Frühjahr auf Hochglanz poliert werden.

Man könnte glatt behaupten, dass Lord Brougham es war, der in Cannes den Tourimus erst so richtig ankurbelte.

Christine Cazon, Schriftstellerin

Krimiautorin Christine Cazon lebt in Cannes. In ihren Büchern ermittelt Komissar Duval an der Côte d'Azur.
Krimiautorin Christine Cazon lebt in Cannes. In ihren Büchern ermittelt Komissar Duval an der Côte d'Azur. Foto: Nora Lysk

Cazon ist Schriftstellerin, genauer gesagt Krimiautorin. In mittlerweile sechs Bänden lässt sie ihren Kommissar Léon Duval an der Côte d’Azur ermitteln und in Cannes ein Verbrechen nach dem anderen aufdecken.

14 Jahre ist es her, dass Cazon nach einer schweren privaten Krise ihrer Heimat Köln den Rücken kehrte und nach Südfrankreich ging. Zunächst verschlug es sie in eine kleine Auberge nördlich von Nizza. Doch nach einem Jahr Abgeschiedenheit suchte sie wieder das pralle Leben und entschied sich für Cannes.

Cannes hat mehr zu bieten als die Croisette

Das Cannes, das Cazon für sich entdeckte, hat allerdings wenig zu tun mit dem Funkeln und Glitzern an der Croisette, dem berühmten Prachtboulevard, der 1850 nach dem Vorbild der Promenades des Anglais in Nizza angelegt wurde.

Cazons Cannes ist das der einfachen Franzosen, jener Menschen, die früh morgens in der Markthalle von Forville mit den Fischern um den Preis für den besten Fang feilschen und die später den Nachmittag in den kleinen arabischen Cafés im Quartier de la République ausklingen lassen.

Die Markthalle Forville liegt im Zentrum von Cannes. Nicht nur für Gourmets gehört ein Besuch zur Pflicht.
Die Markthalle Forville liegt im Zentrum von Cannes. Nicht nur für Gourmets gehört ein Besuch zur Pflicht. Foto: Nora Lysk

Insel Sainte-Marguerite bietet Ruhe und Abgeschiedenheit

Nicht zu vergessen die Abgeschiedenheit und Ruhe auf der Insel Sainte-Marguerite, die nur 15 Fährminuten vor Cannes liegt und ein Paradies für alle ist, die eine kurze Auszeit vom Trubel und Schaulaufen gegenüber brauchen.

Selbst in der Hochsaison, wenn die Touristen die kleinen Buchten und die Schüler das Landschulheim der Insel bevölkern, findet man hier noch ein ungestörtes Plätzchen für sich. Auch Cazons Kommissar Duval musste hier schon ermitteln. Gleich neben dem sagenumwobenen Gefängnis, in dem im 17. Jahrhundert der Mann mit der eisernen Maske auf Befehl von Ludwig XIV. eingesessen haben soll, galt es, zwei Morde aufzuklären.

Immobilienhaie, Drogendealer, Jachtbesitzer: In den Krimis von Christine Cazon geraten sie alle in den Strudel des Verbrechens. Kaum eine Stadt eigne sich besser für eine Krimireihe als Cannes, ist sie überzeugt. „Es gibt hier Mord und Totschlag ohne Ende. Ich könnte zum Beispiel Dutzende Krimis über Immobilienmauscheleien schreiben“, sagt sie, während wir auf der Île Sainte-Marguerite auf sandigen Pfaden zwischen Eukalyptusbäumen spazieren gehen.

Die Insel Sainte-Marguerite liegt nur 15 Fährminuten von Cannes entfernt. Sie ist der ideale Ort für eine Auszeit vom Trubel.
Die Insel Sainte-Marguerite liegt nur 15 Fährminuten von Cannes entfernt. Sie ist der ideale Ort für eine Auszeit vom Trubel. Foto: Nora Lysk


Die Sonne lässt das Meer azurblau erstrahlen, die Jachten und Seegelboote, die zwischen Cannes und dem kleinen Ausflugseiland vor Anker liegen, werfen kleine, glitzernde, weiße Punkte auf die Wasseroberfläche. Ein Postkartenidyll. Trotzdem: Stoff für ihren Kommissar gibt es genug in der Stadt, die wie kaum eine andere für internationalen Jetset und Savoir-vivre zugleich steht, ist Cazon überzeugt.

Von französischer Lebensart versteht auch ihr Kommissar etwas. Wer in Cannes auf den Spuren von Duval wandeln will, der beginnt den Tag am besten mit einem Café Noisette, dem kleinen Schwarzen mit einem Schuss Milch, wandelt anschließend durch die Altstadtgassen, um sich ab 18 Uhr bei einem Aperitif auf ein ausgedehntes Abendessen vorzubereiten.

Cannes, Nizza und Menton sind die Hotspots an der Côte d'Azur

Cannes, Nizza und Menton: Wie Perlen einer Kette reihen sich diese drei Hotspots an der Côte d’Azur aneinander – und doch steht jeder irgendwie für sich.

In Nizza, wo einst die reichen Engländer auf der Promenade des Anglais vor dem legendären Hotel Negresco flanierten, trifft man sich heute zum Frühsport. Straßenkünstler hoffen auf ein paar Euro, und Inlineskater flitzen zwischen Passanten hindurch. Am Abend übernehmen dann die Mopeds die Straßen und rauben den Urlaubern in den kleinen Altstadthotels den Schlaf.

Das Hotel Negresco an der Promenade des Anglais in Nizza ist legendär.
Das Hotel Negresco an der Promenade des Anglais in Nizza ist legendär. Foto: Nora Lysk

So pulsierend das Leben in Nizza ist, so entspannt gibt sich Menton

Hier, an der Grenze zu Italien, regiert das Dolce Vita. Der Badeort ist berühmt für seine Gärten – und sein Klima. Die Durchschnittstemperatur in Menton beträgt 17 Grad Celsius, „und das sind ganze drei Grad mehr als in Nizza“, berichtet Stéphane Ananian, der im Jardin botanique et exotique du Val Rahmeh in Menton der Chefgärtner ist.

Für Stéphane Ananian, der in den Gärten von Menton arbeitet, ist die französische Riviera ein Paradies.
Für Stéphane Ananian, der in den Gärten von Menton arbeitet, ist die französische Riviera ein Paradies. Foto: Nora Lysk

Pampelmusen hängen hier dicht an dicht in den Bäumen, und hinter dem alten Verwaltungsgebäude, in dem heute ein kleines Geschäft für Besucher des Parks sowie eine Zweigstelle des naturkundlichen Museums aus Paris untergebracht ist, wächst das Zuckerrohr direkt neben den Bananenbäumen – und natürlich die Zitronen, die nirgends am Mittelmeer so süß schmecken sollen wie in der Stadt, die mit 316 Sonnentagen im Jahr wettermäßig an der Spitze Frankreichs liegt.

Schon Nietzsche wusste das Wetter zu schätzen

Auch der depressive deutsche Dichter, der ständig auf der Suche nach Orten war, die seine Migräne lindern würden, entdeckte die Côte d’Azur für sich. In Èze, einem kleinen Dorf, das auf 430 Metern Höhe über der azurblauen Küste thront, schaffte es Nietzsche sogar, den dritten Teil zu seinem berühmten Werk „Also sprach Zarathustra“ zu beenden. Das milde Klima und die Abgeschiedenheit halfen offenbar selbst ihm.

Nur 2.000 Einwohner zählt das kleine Èze. Gerade einmal 15 wohnen hoch oben auf dem Fels rund um die alte Burgruine, in der heute ein Luxushotel seine Gäste zu Höchstpreisen empfängt. Der Rest verteilt sich auf die Villen an den Hängen, darunter auch die Anwesen von U2-Sänger Bono und Elton John.

Wenn Nietzsche auf andere Gedanken kommen wollte, dann soll er regelmäßig die 430 Höhenmeter bis ins Dorf hinaufgestiegen sein. Noch heute ist der kleine Wanderweg von Villefranche-sur-Mer, wo die Superreichen wohnen, bis hoch nach Èze nach ihm benannt. Ob auch Elton John ab und an den Aufstieg wagt, ist nicht bekannt. Denn an der Côte d’Azur herrscht Diskretion, weiß Kirstin Vorbeck, die seit Jahren Touristen durch die kleinen Gassen der mondänen Küstenorte führt.

Hinterland eignet sich für Wanderungen

Doch es gibt auch die andere Seite, und die ist gar nicht weit entfernt. Denn das Département, zu dem auch Nizza, Cannes und Menton gehören, heißt nicht umsonst Alpes-Maritimes.

Ruhe und Entspannung finden Wanderer in den Alpes-Maritimes.
Ruhe und Entspannung finden Wanderer in den Alpes-Maritimes. Foto: Alizée Palomba/Atout France


Nur eine gute Stunde braucht man von Nizza aus in die Seealpen. Keine 10 Euro kostet das Ticket bis Tende, wo die Feriengäste in kleinen Auberges unterkommen, um am nächsten Morgen die Wanderschuhe zu schnüren.

Das mittelalterliche Bergdorf an der Grenze zum Piemont ist für viele Ausgangspunkt auf dem französischen Fernwanderweg GR 52A, der Wanderer in zwölf Tagen bis nach Colmars führt. In drei Stunden schafft man es allerdings auch, die sieben Kilometer bis in die Nachbargemeinde La Brigue zu bewältigen, von wo aus man mit der Tendabahn direkt zurück nach Nizza kommt.

Und wer früh genug aufsteht, der schafft es sogar auf einen 18-Uhr-Aperitif an die Promenade des Anglais. Santé!

Tipps für deine Reise nach Frankreich

Anreise: Der Aéroport Nice-Côte d’Azur im Süden von Frankreich liegt nur wenige Kilometer westlich von Nizza direkt an der Küste und ist der größte Flughafen in der östlichen Provence. Vom Flughafen aus kommt man recht schnell und günstig mit dem öffentlichen Bus in die Stadt. Es ist aber auch möglich, über Paris mit dem TGV in etwas weniger als sechs Stunden die Hauptstadt der Côte d’Azur zu erreichen.

Beste Reisezeit: Das Klima ist mediterran. Sogar im Winter kann es bis zu 20 Grad Celsius warm werden. Die Côte d’Azur ist deshalb ein Ganzjahresreiseziel. Von Juni bis August wird es sehr voll. In den Monaten Mai und September ist es angenehmer.

Veranstalter: Verschiedene Reiseveranstalter wie beispielsweise Wikinger Reisen bieten geführte Touren und Reisen für Gruppen an. Etwa die geführte achttägige Wanderstudienreise „Côte d’Azur – mit Spürsinn“, ab Samstag, 7. oder 28. September, buchbar ab 1.445 Euro pro Person im Doppelzimmer.

   

Die Reise wurde unterstützt von Wikinger Reisen und Atout France. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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