Helgoland: Vögel an der Felsenküste bauen Nester aus Plastik

Helgoland: Plastik bedroht Vögel an der Felsenküste

Fünf für Deutschland einzigartige Vogelarten brüten auf Helgoland. Doch wenn Touristen aktuell die Insel erkunden, entdecken sie erschreckend bunte Nester: weil Basstölpel sie aus Plastik bauen.

Basstölpel auf Helgoland.
Die Nester der Basstölpel werden durch das Plastik zu Fallen.

Foto: imago images/H. Baesemann

Was Plastik und Müll in den Ozeanen verursachen, können Touristen auf Helgoland derzeit direkt sehen. Dort brüten wieder Basstölpel – und ihre Nester sind nicht mehr grün und braun wie einst, als sie aus Algen und Seetang gebaut waren. Sie sind rot, blau und gelb, weil sie aus Plastik, Seilen und alten Fischernetzen bestehen. 

Auf der Nordseeinsel brüten fünf für Deutschland einzigartige Vogelarten, auch die Basstölpel sind seit 1991 nur hier vertreten. Täglich besuchen Touristen deshalb das Naturschutzgebiet Lummenfelsen, in dem sich die Nester befinden. Zwei Stunden, zwischen 13 und 15 Uhr, stehen Experten vom Verein Jordsand Rede und Antwort.  

Und jeder zweite Gast, sagt Ornithologe Elmar Ballstaedt, würde das Personal auf die bunten Plastikteile in den Nestern ansprechen. Das berichtet die „Neue Osnabrücker Zeitung“. Ballstaedt forscht zum Thema Plastik und hat im vergangenen Jahr auch eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Er möchte herausfinden, woher der Müll kommt und wer dafür die Verantwortung trägt. 

Plastik auf Helgoland: Qualvoller Tod für die Seevögel

„Größere Plastikteile wie Stricke, Verpackungs- und Netzreste haben oft tödliche Auswirkungen auf Meereslebewesen wie Seevögel, die sich in den Rückständen verfangen und qualvoll sterben“, schreibt er dort.

Auf Fotos dokumentiert der die Gefahr für die Tiere: Nicht nur Basstölpel, auch andere Vögel verheddern sich und verhungern oder brechen sich die Flügel, wenn sie sich panisch befreien wollen. 

Basstölpel mit Plastik auf Helgoland
Ein Basstölpel auf Helgoland transportiert Plastik für den Nestbau. Foto: imago images/C. Wermter

Das liegt auch daran, dass die natürlichen Nester der Basstölpel schnell verrotten oder weggespült werden. Doch das Plastik hält sich, und auf diese Art entstehen immer mehr Nester – und damit Fallen für die Tiere. Der Bruterfolg der Vögel ist in den vergangenen beiden Jahren jeweils um fünf Prozent zurückgegangen. 

Fast 1,5 Kilo Plastik pro Nest verbaut

Der Verein Jordsand räumt auch immer wieder mit der Gemeinde zusammen den Strand auf. „Die Menge erstaunt immer wieder“, schreiben sie auf Instagram, „das Sortiment reicht von Schnüren, Bierdosen über Lackfarbe bis hin zum Paraffin“. 2015 nahmen die Forscher sieben Nester auseinander – und fanden allein darin zehn Kilogramm Plastik. 

Plastik-Nester auch auf norwegischer Vogel-Insel Runde

Helgoland ist nicht die einzige Insel, die mit dem Problem kämpft. Jüngst wurden schockierende Fotos von der norwegischen Vogel-Insel Runde veröffentlicht, wo ebenfalls Basstöplpel und die berühmten Papageientaucher brüten. Auch dort bestehen die Nester fast nur noch aus Plastik.

Basstölpel sind dafür bekannt, dass sie ihre Nester mit allem bauen, was verfügbar ist. Forscher sind sich nicht sicher, warum sie vermehrt Plastik nutzen. In Norwegen geht man davon aus, dass die Vögel bemerkt haben, dass die Nester dadurch stabiler sind. Diese These lässt sich nach Ballstaedt aber nicht überprüfen.

Er sagt, es könne an der fadenförmigen Struktur liegen – oder an den Farben. „Was bedeuten würde, dass sie es sogar aktiv wahrnehmen“, so Ballstaedt.

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