Seen, Flüsse, Meer: Naturschönheit Südfinnland I reisereporter.de

Seen, Flüsse und das Meer: Naturschönheit Südfinnland

Der Valkmusa-Nationalpark und das Kymijoki-Flussdelta sind nur zwei der vielen Naturhöhepunkte im Süden von Finnland. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Besuch auf der kleinen Insel Varissaari?

                         Vielfältig: Im Valkmusa-Nationalpark gibt es mehr als 30 unterschiedliche Sumpftypen. Besucher erkunden sie auf einem Plankenweg.
Vielfältig: Im Valkmusa-Nationalpark gibt es mehr als 30 unterschiedliche Sumpftypen. Besucher erkunden sie auf einem Plankenweg.

Foto: Carola Faber

Moos liegt wie ein samtiger Teppich über den abgeschliffenen Felsen der kleinen Insel Varissaari. Die schiefe Wuchsform der niedrigen Bäume und Sträucher lässt die Wetterverhältnisse in der kalten Jahreszeit erahnen. Wasser und Wind haben auf dem Eiland an der finnischen Küste ihre Spuren hinterlassen. Es duftet nach Kiefern und Kräutern.

Die vierjährige Ellen hüpft munter über die schmalen Pfade, pflückt leise singend ein paar bunte Blumen. Wenn ihr Vater Niko Löyttynen seine Gäste vor dem Abendessen über die verwunschen wirkende Insel führt, nimmt er seine Tochter gern mit. Sie kennt bereits die schönsten Aussichtspunkte und die Spuren der Geschichte. Um die Ruotsinsalmi-Bucht vor Eindringlingen zu schützen, wurde auf der Insel 1792 zum Beispiel das Fort Elisabeth gebaut.

Die Landschaft auf der Insel Varissaari hat fast etwas mystisches. Die vierjährige Ellen kennt sich hier schon bestens aus.
Die Landschaft auf der Insel Varissaari hat fast etwas mystisches. Die vierjährige Ellen kennt sich hier schon bestens aus. Foto: Carola Faber

Insel Varissaari wurde zur neuen Heimat

Als Niina Utter und ihr Partner Niko Löyttynen vor fünf Jahren auf der Suche nach einem neuen Lebensziel die Insel Varissaari bei Kotka kurz vor der russischen Grenze entdeckten, war der Entschluss schnell gefasst. Die beiden wollten ein Restaurant eröffnen. Heute ist ihr Vaakku ein überregional bekanntes Ausflugsziel. Wo einst Vögel rasteten, entspannen Einheimische und Touristen.

„Wir haben die Überreste der Festung restauriert, einen Strand angelegt und eine Sauna gebaut. Unsere Entscheidung haben wir bisher nicht bedauert. Auf dem Festland betreiben wir inzwischen zwei weitere Restaurants, und darüber hinaus planen wir ein kleines, feines Hotel. Ein Traum von mir ist ein Speedboot“, sagt der Finne, der extra einen Bootsführerschein erworben hat, um die Gäste zwischen Festland und Insel zu transportieren.

Festung stammt aus dem 18. Jahrhundert

Gern führt Löyttynen Besucher über die Insel, erzählt von der Geschichte, zeigt Teile der Festung Fort Elisabeth aus dem 18. Jahrhundert und die übrig gebliebenen Kanonen. Im Inneren des lang gestreckten Forts befanden sich einst eine Kaserne, ein Wachhaus und ein Steinbruch. Von der Festung aus konnte fast das gesamte umliegende Meeresgebiet kontrolliert werden. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde sie verlassen. Im Krimkrieg wurden ihre Gebäude und Mauern zerstört. In den Sechzigerjahren wurde innerhalb der Mauern erstmals ein Restaurant errichtet. Heute gibt es an dieser Stelle das Vaakku.

Ich stamme aus Lappland. Meine Eltern haben eine Rentierherde. In der nächsten Saison wird es davon Produkte auf unserer Speisekarte geben.

Niina Utter, Restaurantinhaberin


 „Wir lieben dieses Land mit seiner unglaublich schönen Natur, mit dem Meer, den Seen, Flüssen und Naturschutzgebieten. Immer wieder schwärmen die Gäste von ihren Erfahrungen und Entdeckungen in dieser Region“, sagt Niko Löyttynen. „Einzigartige Naturerlebnisse sind auch für uns der wahre Luxus.“

Die roten Holzhäuser in Finnlands zweitältester Stadt Porvoo dienten einst als Lagerhäuser.
Die roten Holzhäuser in Finnlands zweitältester Stadt Porvoo dienten einst als Lagerhäuser. Foto: Carola Faber

Nur etwa 90 Minuten vor den Toren von Helsinki kann dieser Luxus auf vielfältige Weise genossen werden. Zwischen Porvoo, der zweitältesten Stadt Finnlands mit ihren reizenden roten Holzhäusern, und der ehemaligen Holz- und Kartonfabrik Verla, die seit 1996 zum Unesco-Welterbe zählt, locken zahlreiche Ziele und Aktivitäten in der malerischen Natur.

Die Fabrik Verla aus roten Backsteinen und schmucker Holzornamentik wirkt so, als sei die Zeit stehen geblieben. Gegründet in den frühen 1870er-Jahren, stellt die idyllische Fabriksiedlung einen Zeitzeugen der Papierindustrie Finnlands aus der Epoche dar, in der sich das Kymi-Flusstal zum führenden Zentrum der verarbeitenden Holzindustrie entwickelte.

Als wäre die Zeit stehen geblieben: Im Museum der ehemaligen Holz- und Kartonfabrik Verla, die seit 1996 zum Unesco-Welterbe zählt, scheinen die Arbeiter nur eine kurze Pause zu machen.
Als wäre die Zeit stehen geblieben: Im Museum der ehemaligen Holz- und Kartonfabrik Verla, die seit 1996 zum Unesco-Welterbe zählt, scheinen die Arbeiter nur eine kurze Pause zu machen. Foto: Carola Faber

Zu Beginn der Führung sehen die Besucher einen kurzen Film, der eine Woche vor der Schließung der Fabrik im Jahr 1964 gedreht wurde. In dem Video sind Abläufe des Arbeitsalltags zu sehen. Frauen, Männer und Kinder werkeln fleißig zwischen den lauten und großen Maschinen.

Bei dem anschließenden Rundgang fällt es nicht schwer, sich die damalige Geräuschkulisse vorzustellen. Das Gebäude, die Ausstattung – alles ist im Original erhalten geblieben. Es erscheint so, als würden die Angestellten gerade nur eine Pause machen.

Valkmusa-Nationalpark ist wichtig für die Zugvögel Finnlands

In der Region liegt auch der 17 Quadratkilometer große Valkmusa-Nationalpark mit seinen mehr als 30 Sumpftypen. Dank eines rund 2,5 Kilometer langen Plankenwegs können Besucher die Vielseitigkeit der Vegetation trockenen Fußes erleben. Außer Moosbeeren und Heidelbeeren wächst hier auch der winzige Sonnentau.

Valkmusa gilt als bedeutender Rastplatz für die Zugvögel Finnlands. Kraniche und Fischadler sind fast immer zu entdecken. „Mit etwas Glück können Frühaufsteher sogar Elche vorbeiziehen sehen“, sagt Wildnisführerin Kirsa Kallio, während sie ein Picknick mit Beeren und Broten mit Rauchkäse auf Schafgarbenbutter zubereitet.

                          Im Valkmusa-Nationalpark sind viele Moosbeeren zu finden. Diese typische Nutzpflanze in Moorgebieten wird auch gern für Beerensuppen, Desserts, Gelees, Saft und Liköre verwendet.
Im Valkmusa-Nationalpark sind viele Moosbeeren zu finden. Diese typische Nutzpflanze in Moorgebieten wird auch gern für Beerensuppen, Desserts, Gelees, Saft und Liköre verwendet. Foto: Carola Faber

Zar Alexander III. hatte am Kymijoki ein Fischerhaus

Schon Alexander III. war 1880 beim ersten Anblick des Kymijoki-Flussdeltas von den Stromschnellen so begeistert, dass er dort das Kaiserliche Fischerhaus Langinkoski errichten ließ. „Nachdem das Sommerdomizil im Jahre 1889 fertig gebaut war, wurde es das Lieblingsausflugsziel der kaiserlichen Familie“, berichtet Niko Löyttynen.

Dort konnte der Zar – weitab von seinem Palast in St. Petersburg – so richtig entspannen und ein ganz normaler Mensch sein. Während er angelte oder Holz hackte, stand seine Frau in der Küche und bereitete die Mahlzeiten zu.

Großfürst Alexander III. verbrachte ausgiebige Sommerurlaube in seinem Fischerhaus Langinkoski am Kymijoki-Flussdelta in Finnland.
Großfürst Alexander III. verbrachte ausgiebige Sommerurlaube in seinem Fischerhaus Langinkoski am Kymijoki-Flussdelta in Finnland. Foto: Carola Faber

Nicht nur zu den Zeiten des Zaren, sondern gerade heute gilt im südlichen Finnland der Kymijoki als wichtigster Fluss für viele Fischarten und Wassersportler. Kanufahrer gleiten auf dem sanft fließenden Wasser durch die abwechslungsreiche Landschaft mit Wäldern, Feldern, Schilf und Seerosen. Gelegentlich tauchen im Flussbett majestätische Felsen auf. Hin und wieder wird es kurz etwas rasanter, wenn der Fluss mal mit etwas stärkerer Strömung fließt.

     Paddelnd lässt sich die südfinnische Landschaft auf besonders schöne Art erkunden.
Paddelnd lässt sich die südfinnische Landschaft auf besonders schöne Art erkunden. Foto: Carola Faber

Aufregend wird es nur, wenn durch das Plätschern des Wassers Stromschnellen angekündigt werden und knapp unter der Wasseroberfläche Steine zu sehen sind. Genauso schnell, wie die Hindernisse auftauchen, wird es aber wieder ruhig und der Fluss bildet eine glatte Fläche, auf der sich die Wolken des Himmels spiegeln. Und schon lässt sich die Natur im Süden Finnlands wieder in vollen Zügen genießen.

Tipps für deine Reise nach Finnland

Anreise: Direktflüge nach Helsinki, also in die Hauptstadt von Finnland, gibt es mehrmals täglich aus verschiedenen deutschen Städten. Von dort ist eine Weiterreise mit einem Mietwagen empfehlenswert.

Unterkunft: Es gibt eine umfangreiche Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten. Bei Kotka ist es möglich, die Nacht in einem Baumzelt zu verbringen (Buchung ab 80 Euro).

   

Die Reise wurde unterstützt von Visit Finland. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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