Kanaren: Haben Teneriffa, Lanzarote und Co. Sahara-Sand geklaut?

Vorwurf: Haben die Kanaren Sand aus der Sahara geklaut?

Goldener Sand, blaues Wasser: Genau so stellen sich viele den perfekten Strand vor. Damit der Sand auf den Kanaren goldgelb ist, helfen die beliebten Urlaubsinseln nach. Doch es gibt schwere Vorwürfe.

Strand Playa de las Teresitas, im Hintergrund Santa Cruz.
Der Strand Playa de las Teresitas gilt als einer der schönsten auf Teneriffa. Doch eigentlich ist der Sand auf der Vulkaninsel schwarz.

Foto: Imago Images/Blickwinkel

Teneriffa, Grand Canaria, Lanzarote oder Fuerteventura: Die Kanaren sind äußerst beliebt bei deutschen Touristen. Ganzjährig hohe Temperaturen und Traumstrände locken viele Urlauber auf die Inselgruppe im Atlantik. 

Weil die Kanaren aus Vulkangestein bestehen, sind die meisten Strände von Natur aus schwarz. Bei Urlaubern kommt goldgelber Sand aber um einiges besser an, weswegen Teneriffa und Co. jedes Jahr Unmengen an Sand aus der Sahara importieren und die schwarzen Strände aufschütten. 

Regelmäßige Sand-Importe: Strand wird ins Meer gespült

Einer der bekanntesten Strände ist der Playa de las Teresitas auf Teneriffa. Auch er wurde in den 70er-Jahren komplett mit Sahara-Sand angelegt und muss seitdem regelmäßig erneuert werden, weil der Sand immer wieder ins Meer gespült wird.

Deswegen wird ständig Sand für die Strände aus der Sahara abtransportiert. Illegal – so der schwere Vorwurf der Sahara-Völker. Sie sehen dadurch ihre Rechte verletzt, berichtet „Teneriffa News“.

Vorwurf: Kanaren dürfen Sand aus der Westsahara nicht abtransportieren

Konkret geht es um Transporte zwischen dem 19. Februar und dem 7. Mai 2019, die nach Gran Canaria, Fuerteventura, Lanzarote und Teneriffa gingen. Dabei wurde der Sand offenbar aus der Westsahara genommen – und nicht wie vereinbart aus Marokko.

Mehrere afrikanische Völker haben der Regierung der Kanarischen Inseln nun einen Brief geschrieben, in dem sie sich über den aus ihrer Sicht illegalen Export beschweren. Dabei verwiesen sie auf Urteile des Europäischen Gerichtshofs, wonach die Westsahara und Marokko als getrennte Gebiete zu behandeln sind.

Marokko ist demnach nur eine Besatzungsmacht und darf keine wirtschaftlichen Tätigkeiten in der Westsahara durchführen – also auch keine Sandlieferungen aus dem Gebiet an die Kanaren abwickeln.

Sahara-Sand soll ungereinigt auf Kanarische Inseln geschickt worden sein

Außerdem kritisieren die Völker, dass der abtransportierte Sand weder bei der Überführung noch bei der Löschung gereinigt wurde. Das sei wichtig, damit keine fremden Lebewesen eingeschleppt werden, die das heimische Ökosystem gefährden könnten.

Bisher hat die Regierung auf Teneriffa noch nicht auf die Vorwürfe reagiert. Sand ist weltweit ein wichtiger Rohstoff, der immer knapper wird.

Politischer Status der Westsahara ungeklärt

Die Westsahara liegt an der Nordwestküste von Afrika. Bis 1975 war das Gebiet spanische Kolonie. Danach wurde die Region größtenteils von Marokko annektiert, trotzdem ist der politische Status bis heute ungeklärt.

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