Peru: Zerstört der neue Chinchero-Flughafen Machu Picchu?

Peru: Zerstört dieser Flughafen den Machu Picchu?

Der erste Spatenstich ist getan – und markiert für viele den beginnenden Untergang von Machu Picchu. Nur 30 Kilometer entfernt entsteht ein neuer Flughafen. Verkraftet die Ruinenstadt noch mehr Touristen?

Touristen besuchen Machu Picchu.
Das Mega-Bauprojekt könnte dem jetzt schon überlaufenen Machu Picchu noch mehr zusetzen. (Symbolfoto)

Foto: imago images/Zuma Press

Es klingt paradox: Einerseits versucht Peru seit Jahren mit verschiedensten Maßnahmen, die historische Inka-Ruinenstadt Machu Picchu vor den Touristenmassen zu schützen. Andererseits könnten über den geplanten Flughafen bald noch mehr Urlauber zu dem Weltkulturerbe strömen.

Der Bau des Flughafens Chinchero Airport beim gleichnamigen Städtchen ist nach jahrelanger Planung und trotz heftiger Debatten diese Woche gestartet. Starke Kritik hagelte es, da dieser Touristen den kürzesten und bequemsten Weg zur historischen Stätte ermöglichen wird – und das, obwohl die Besucherzahlen schon jetzt die Empfehlung der Unesco bei Weitem übersteigen.

Was bedeutet der neue Touri-Flughafen für die Erhaltung von Machu Picchu?

Neuer Flughafen in der Nähe von Machu Picchu soll mehr Touristen bringen

1,5 Millionen Besucher schoben sich allein 2017 auf den schmalen Bergpfaden durch die anfälligen Ruinen der Inka-Stadt – nach der Fertigstellung des neuen Flughafens soll sich diese Zahl bis 2023 auf sechs Millionen erhöhen. Das berichtet die „BBC“.

Der massenhafte Andrang belastet zunehmend die alten Gemäuer und das Ökosystem – Touristen sollen zudem ihren Müll auf dem Weg oder in der Anlage entsorgen. 

Viele der Touristen reisen derzeit über den internationalen Flughafen Cusco zur Inka-Stätte an. Per Luftlinie trennen diesen und den Machu Picchu zwar nur etwa 76 Kilometer. Mit dem Bus oder Zug dauert die Weiterfahrt allerdings mehrere Stunden. 

Das kleine Dorf Chinchero im Heiligen Tal.
Chinchero ist ein kleines Dorf zwischen Cusco und Urubamba. Auch hier finden Touristen noch gut erhaltene Inka-Ruinen. Foto: imago images/Westend61

Der geplante Chinchero Airport wäre mit nur 30 Kilometern Entfernung eine echte Alternative für alle ankommenden Besucher, für Wissenschaftler hingegen eine Katastrophe: „Es erscheint ironisch und widersprüchlich, dass hier, nur 20 Minuten vom Heiligen Tal, dem Kern der Inkakultur, entfernt, ein Flughafen gebaut werden soll“, kritisierte der Anthropologe Pablo Del Valle im „Guardian“. Und mit dieser Meinung ist er nicht allein.

„Stopp den Flughafen-Bau!“ – rund 200 Wissenschaftler senden Petition an peruanischen Präsidenten

Sowohl Landsleute als auch ausländische Experten haben eine Petition gestartet und appellieren an den peruanischen Präsidenten Martín Vizcarra, den Standort des Flugplatzes zu verlegen. Schon seit der Bekanntgabe vor zwei Jahren protestierten Menschen gegen das Projekt.

In dem Brief heißt es: „Der Bau eines Flughafens in Chinchero wird unweigerlich negative Auswirkungen auf die gesamte Umwelt haben, und zwar aufgrund von Lärm, erhöhtem Verkehr sowie informeller und unkontrollierter Verstädterung.“ Andere Experten befürchten sogar, dass die Bauarbeiten zu einem Mangel an Trinkwasser führen könnten.

Gleiche Bedenken haben auch die Einheimischen: „Wir leben hier in Frieden, es gibt keine Diebe, keine Kriminalität. Es wird einen Fortschritt durch den Flughafen geben, aber es werden sich einige Dinge ändern.“

Der Chinchero-Airport am Machu Picchu soll Peru nach vorne bringen

Fortschritt – damit argumentieren auch die Politiker: „Dieser Flughafen wird so schnell wie möglich gebaut werden, weil er wichtig für Cusco ist“, rechtfertigte Perus Finanzminister. Das Land verspricht sich von dem Flughafen natürlich eine weitere Einnahmequelle und somit auch einen wirtschaftlichen Aufschwung in der Region um Chinchero und Cusco. 

Nach Informationen der „BBC“ sollen dann in knapp drei Jahren auf einer Höhe von 3.728 Metern die ersten Besucher mit dem Flieger landen. Der internationale Flughafen soll auf 40.000 Quadratmetern Platz für insgesamt elf Flugsteige bieten.  

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