Indien: In diesem Tempel leben 20.000 heilige Ratten

Indien: In diesem Tempel leben 20.000 heilige Ratten

Es klingt nach einer Szene aus einem Alptraum: Im Karni-Mata-Tempel im indischen Deshnok leben tausende Ratten. Besucher dürfen den heiligen Ort nur ohne Schuhe betreten.

Elisabeth Woldt
Ratten im Karni-Mata-Tempel in Indien werden mit Milch gefüttert
Die heiligen Ratten im Karni-Mata-Tempel in Indien werden gefüttert.

Foto: Flickr/Fulvio Spada (cc)

Diese Touristenattraktion ist wohl nicht für jeden was: Im Karni-Mata-Tempel in dem nordindischen Dorf Deshnok leben rund 20.000 Ratten. Wer den heiligen Ort betreten will, muss die Schuhe ausziehen. Und dann kann es schon mal passieren, dass die Nager am Ende über die nackten Füße krabbeln.

Was für viele nach einem Ort aus einem Alptraum klingt, ist für Hinduisten eine heilige Pilgerstätte. Ratten werden in dem Tempel nahe der pakistanischen Grenze als Heilige verehrt.

Etwas zu essen, woran die Tiere bereits geknabbert haben, soll Glück bringen. Auch eine Berührung gilt als gutes Zeichen. Wer es schafft, eine der wenigen Albino-Ratten zu erspähen, ist besonders gesegnet. Es gibt sogar Familien, die in dem Tempel leben und ihr Leben den Nagetieren widmen. Sie kümmern sich um die Ratten und reinigen die Tempel-Anlage.

Ratten-Tempel: für einige ekelhaft, für viele heilig

Auch Touristen entdecken den Tempel zunehmend als Reiseziel – auch wenn der Besuch starke Nerven erfordert. Der „Atlas Obscura“ etwa empfiehlt den Karni-Mata-Tempel als besondere Attraktion.

Der aktuelle Tempel an dieser Stelle wurde im 20. Jahrhundert gebaut. Gewidmet ist er Karni Mata, die im 14. und 15. Jahrhundert gelebt haben soll. Viele Legenden ranken sich um die Frau, die als Heilige verehrt wird. Einer Variante zufolge soll ihr Sohn in einem Teich ertrunken sein.

Daraufhin bat sie den Gott des Todes, ihren Sohn wiederzubeleben. Der Gott willigte ein – unter der Bedingung, dass Karni Mata und ihre Kinder als Ratten wiedergeboren würden. Die Ratten, die in dem Karni-Mata-Tempel leben, sind also Reinkartionen der Nachfahren der Heiligen.

Das müssen Touristen im Karni-Mata-Tempel beachten

Besucher, die Angst vor Ratten haben, sollten auf die Besichtigung des Tempels lieber verzichten. Auch Personen, die besonderen Wert auf Sauberkeit und Hygiene legen, sollten vor der Fahrt zweimal überlegen, ob sie das wirklich wollen.

Alle Besucher müssen – wie in jedem hinduistischen Tempel – ihre Schuhe ausziehen. Gläubige Hindus sollten sogar barfuß sein. Bei Touristen wird diese Regel etwas lockerer gehandhabt –  sie dürfen zumindest Socken tragen. Angesichts des Ratten-Kots überall auf dem Boden wird empfohlen, ein Extra-Paar Socken mitzunehmen, das nach dem Besuch weggeworfen werden kann.

Auch der Geruch im Ratten-Tempel scheint gewöhnungsbedürftig zu sein. Einige Touristen hätten Schwierigkeiten gehabt, den Brechreiz zu unterdrücken, schreibt eine Besucherin bei Tripadvisor.

Übrigens: Wer im Tempel aus Versehen eine Ratte tötet, muss den Verlust mit einer Ratte aus Gold oder Silber bezahlen.

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