Die irische Fluggesellschaft Ryanair zahlt einzelnen Passagieren eine Entschädigung, wenn ihr Flug aufgrund eines Streiks ausfällt oder sich verspätet. Diese Information des Flugrechteportals Flightright wurde von der Hamburger Justiz bestätigt. 

Dies ist ein Novum für die Fluggesellschaft. Denn bislang hatte sie sich darauf berufen, dass Streiks laut EU-Recht als „außergewöhnlicher“ Umstand gelten würden und Passagiere deshalb keinen Anspruch auf Entschädigung hätten. Doch es gibt Ausnahmen, wie es in einer Mitteilung von Flightright heißt. 

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Streiks bei Ryanair 2018 nicht „außergewöhnlich“

So urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH) im vergangenen Jahr, dass auch im Streikfall für Ausfälle oder Verspätungen Entschädigungen gezahlt werden müssen, wenn die Airline für die Ursache verantwortlich ist und die Möglichkeit gehabt hätte, Gegenmaßnahmen zu treffen. Laut Flightright handelt es sich bei den Streiks der Ryanair-Mitarbeiter im Jahr 2018 um solch einen Fall.

Experte kritisiert Ryanair 

„Dass Ryanair Ansprüche aus Streik-Fällen nun in Gerichtsverfahren anerkennt und zahlen will, ist ein Widerspruch in sich“, sagt Oskar de Felice, Rechtsexperte von Flightright. „Wir haben den Eindruck, dass es der Airline vor allem darum geht, möglichst viele Betroffene von der Einforderung ihrer Rechte abzuhalten, indem sie die Hürde für den Einzelnen so hoch wie möglich macht.“

Klagen in fünf Fällen anerkannt 

Ryanair wollte sich bislang nicht zu den laufenden Entschädigungsverfahren äußern. Flightright habe in den vergangenen Monaten für mehrere Hundert Passagiere Entschädigungsklagen eingereicht. Aktuell habe die Fluggesellschaft in fünf Fällen die Klage anerkannt, so ein Justizsprecher.