Mallorca: Frauen klagen über sexuelle Belästigung in Bars in Magaluf

Mallorca: Frauen klagen über sexuelle Belästigung

Sie werden mit der Aussicht auf Arbeit nach Mallorca gelockt, doch vor Ort erleben die Britinnen mitunter schlimme Zustände. In Magaluf sollen sexuelle Belästigung und Schläge an der Tagesordnung sein.

Die Strandpromenade in Magaluf auf Mallorca.
An der Promenade von Magaluf sollen junge Britinnen und Briten Touristen ansprechen und in Bars locken.

Foto: imago images/localpic

Das Foreign Office von Großbritannien warnt bereits seit Monaten davor, Jobs auf Mallorca anzunehmen. Sexuelle Übergriffe, Ohrfeigen, ein Leben in Bruchbuden – den Betroffenen zufolge ist das der Alltag von jungen Britinnen, die zum Arbeiten nach Magaluf kommen. 

Eine von ihnen ist Coral A., deren Job als Promoterin es ist, in knapper Kleidung Männer in eine Bar zu locken. „Ich wurde schon dreimal während der Arbeit von Männern ins Gesicht geschlagen – und sie sind nicht einmal aus dem Club geflogen“, erzählt sie der britischen „Sun“. Mindestens fünfmal pro Abend würde sie sexuell belästigt.

Auch das bleibt in der Regel ohne Konsequenzen für die Männer, sagt die 20-Jährige: „Zu Hause in Großbritannien würden die Männer dafür festgenommen werden. Aber hier ist es so normal, weil die Bars nur Geld machen wollen.“ Das Geschäft sei von starkem Konkurrenzkampf geprägt, sowohl für die Bars selbst als auch für die jungen Frauen. 

Selbst Barbetreiber vergreifen sich an ihren Angestellten

Coral erzählt, dass man von ihr verlangt habe, fünf Kilo abzunehmen. Zudem würden Frauen sofort ersetzt, wenn sich eine bewerbe, die hübscher und attraktiver sei. Kellnerin Hannah E. erzählt, dass sie selbst als Kundin belästigt wurde: Beim Ausgehen in einer anderen Bar sagte deren Inhaber, sie solle ihre Hose ausziehen, und versuchte sogar, ihr die Hose herunterzuziehen. 

„Wir dürfen völlig betrunkenen Kunden nicht helfen, ich hasse das“, sagt Shanell N., die als Lockvogel für eine Bar arbeitet. Die 19-Jährige werde regelmäßig von ihrem Arbeitgeber begrapscht und gezwungen, in sexy Klamotten mit männlichen Kunden zu flirten, damit diese mehr trinken. Wenn die Kunden das Bewusstsein verlören, dürfe sie nicht einschreiten. „Sie geben ihnen viel zu viel Alkohol und lassen sie dann einfach im Stich“, sagt auch Hannah. 

In den sozialen Medien berichten auch andere Betroffene. Einige Nutzer verstehen allerdings nicht, dass die Frauen trotzdem auf der Insel bleiben. „Ihr Armen, alle Flüge von Mallorca nach England sind ausgebucht, was?“, schreibt etwa eine Frau. Andere fragen sich, warum die Frauen den Job nicht wechseln. 

Auswärtiges Amt spricht von „moderner Sklaverei“

Bereits vor einem Jahr hatte das britische Auswärtige Amt in London vor Verhältnissen der „modernen Sklaverei“ auf Mallorca gewarnt. Briten wurde geraten, nicht für Jobs nach Magaluf zu kommen, da es sich häufig um Ausbeutung und Schwarzarbeit handele. Barbetreiber würden nicht nur die Gesundheit der Kunden riskieren, indem sie diese abfüllten, sondern auch die Angestellten schlecht behandeln. 

Ein gutes Geschäft mit den jungen Frauen, die von einem Leben unter der Sonne Mallorcas träumen, machen auch Jobvermittlungs-Agenturen. Sie locken mit vermeintlich tollen Angeboten inklusive Wohnung, doch bei Problemen, so berichten einige Frauen, seien sie nicht mehr ansprechbar gewesen. Das bezahlte Geld war dennoch weg. 

Barbetreiber ermutigen zu sexuellen Übergriffen auf Frauen

Elliot S. erzählt, dass er in einem Apartment untergebracht war, in dem die Türen auch von innen nur mit einem Schlüssel zu öffnen gewesen seien. Den hätten aber seine Mitbewohner mitgenommen, als sie ausgingen. Als ein Feuer ausbrach, schlug er ein Fenster ein, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Agentur habe ihn danach aufgefordert, das Fenster zu ersetzen. 

Er ist inzwischen wieder zurück in Großbritannien. Von seinen Chefs sei er, berichtet er der Zeitung, angewiesen worden, Frauen sexuell zu bedrängen, damit diese in die Bar kämen. Dem habe er sich verweigert und so seinen Job verloren. Rund 80 Prozent der auf Mallorca inhaftierten Briten sind ehemalige Lockvögel für Bars, schreibt das Auswärtige Amt.

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