Willkommen in Westeros: „Game of Thrones“-Reise durch Nordirland

Nordirland: Auf den Spuren von „Game of Thrones“

Zehn Jahre lang war Nordirland einer der Schauplätze der Dreharbeiten von „Game of Thrones“. Heute ist das kleine Land ein besonders beliebtes Ziel von Setjettern, die auf den Spuren der Serie wandeln.

Zu den zahlreichen Drehorten in Nordirland, an denen Aufnahmen gemacht wurden und die heute beliebte Ziele von Reisenden sind, gehören die Dark Hedges, eine Buchenallee.
Zu den zahlreichen Drehorten in Nordirland, an denen Aufnahmen gemacht wurden und die heute beliebte Ziele von Reisenden sind, gehören die Dark Hedges, eine Buchenallee.

Foto: Tourism Ireland

Winterfell, die Eiseninseln, die Küste von Dorne, die Flusslande und der Königsweg – in Nordirland reisen Fans der Kultserie „Game of Thrones“ auf den Spuren ihrer Helden.

Robbie Atkinson weist auf einen Baum. „Hier hat er gesessen, genau hier“, sagt der 37-Jährige und streicht mit der Hand über die Rinde des Stammes. Der Mann, von dem er spricht, ist Kit Harrington – Darsteller von Jon Schnee, einem der Hauptcharaktere der Erfolgsserie „Game of Thrones“, die die Geschichte vom Kampf um den Eisernen Thron in Westeros erzählt.

Mit „Game of Thrones“-Statist durch den Tollymore Forest

„An dieser Stelle hat er in der ersten Staffel auf dem Weg zur Nachtwache eine Pause gemacht und mit Tyrion Lannister gesprochen“, erzählt der Tourguide, der uns durch den Tollymore Forest im Südosten von Nordirland führt. Der Mann aus dem etwa 20 Kilometer südlich der Hauptstadt Belfast gelegenen Lisburn kennt sich mit der Serie bestens aus. Er ist nicht nur Fan, sondern war selbst mehrfach zu sehen – als einer der zahlreichen Statisten.

Touristenführer Robbie Atkinson hat als Statist bei der Serie mitgewirkt. Er war zum Beispiel bei der Schlacht in der Schwarzwasser-Bucht dabei und ist – wie er zeigt – sogar deutlich erkennbar.
Touristenführer Robbie Atkinson hat als Statist bei der Serie mitgewirkt. Er war zum Beispiel bei der Schlacht in der Schwarzwasser-Bucht dabei und ist – wie er zeigt – sogar deutlich erkennbar. Foto: Sabrina Friedrich

Atkinson und Harrington haben eine weitere Gemeinsamkeit: Die Serie hat ihr Leben verändert. Während der Londoner Schauspieler international bekannt wurde und sich jetzt die Rollen aussuchen kann, eröffneten sich auch für den Nordiren neue Möglichkeiten.

Der frühere Fabrikarbeiter hängte seinen alten Job an den Nagel und führt heute Reisende durch seine Heimat. Die Zahl der Setjetter, also Menschen, die Drehorte von Filmen oder Serien besuchen, wird immer größer.

Die Serie hat für uns das getan, was „Herr der Ringe“ für Neuseeland getan hat.

Deirdre „Dee“ Morgan, Touristenführerin


„Nordirland ist die Heimat von ‚Game of Thrones‘. Die Serie hat für uns das getan, was ‚Herr der Ringe‘ für Neuseeland getan hat“, sagt Deirdre „Dee“ Morgan. Die 51-Jährige ist Touristenführerin.

Seit ein paar Jahren bietet auch sie Touren für Thronies an – wie sie Fans der Serie liebevoll nennt. Bis heute kann sie kaum fassen, „dass uns ausgerechnet eine Serie, in der es oft nicht weniger barbarisch zugeht, als es einmal hier zugegangen ist, den touristischen Aufschwung gebracht hat und noch immer bringt“.

Dee Morgan bietet Touren für Fans von „Game of Thrones“ an.
Dee Morgan bietet Touren für Fans von „Game of Thrones“ an. Foto: Sabrina Friedrich

Für Nordirland hat sie in den vergangenen Jahren tatsächlich eine wichtige Rolle gespielt. Hier finden sich mehr Schauplätze aus den Sieben Königslanden als an irgendeinem anderen Ort auf der Welt. Große Teile der Serie wurden in den vergangenen zehn Jahren in dem Land gefilmt, das bis 1998 für fast 20 Jahre von einem bürgerkriegsartigen Konflikt beherrscht wurde.

Außer in den Titanic Studios in Belfast und den Linen Mill Studios in Banbridge wurde an mehr als 25 Orten im Land gedreht. Das ließ nicht nur jede Menge neue Jobs entstehen, es brachte den Nordiren auch ein neues Selbstbewusstsein und jede Menge Schwung in den Tourismus.

Besonders viele Drehorte liegen an der Causeway Coastal Route

Auch für Reisende, die nicht auf den Spuren der Serie durch das Land reisen, lohnt es sich, die Küstenroute entlangzufahren. Denn die Serienproduzenten haben sich die Orte ja nicht ohne Grund zum Filmen ausgesucht. Die Landschaft ist beeindruckend vielfältig. Die irlandtypischen grünen, hügeligen Wiesen mit grasenden Schafen gehören genauso dazu wie schroffe Klippen und feinsandige Strände, aber auch Fischerdörfer und kleine Ortschaften entlang der schmalen Straßen, die sich durch das Land winden.

Die Strecke führt auch zu so spektakulären Orten wie dem Giant’s Causeway, Nordirlands erstem Welterbe auf der Liste der Unesco. Vulkanische Aktivitäten haben hier vor mehr als 60 Millionen Jahren etwa 40.000 Basaltsäulen geformt – auch wenn der Legende nach ein Riese dafür verantwortlich war.

Um es den Setjettern einfacher zu machen, auch ohne geführte Tour auf den Spuren der Serie unterwegs zu sein, hat Tourism Northern Ireland eine App entwickelt. Sie zeigt nicht nur, wo die Drehorte liegen und wie sie zu erreichen sind. Nutzer erfahren auch, welche Szenen genau dort aufgenommen wurden.

An vielen Drehorten hat Tourism Northern Ireland für die „Game of Thrones“-Fans Schautafeln aufgestellt, die zeigen, welche Szene am jeweiligen Ort aufgenommen wurde.
An vielen Drehorten hat Tourism Northern Ireland für die „Game of Thrones“-Fans Schautafeln aufgestellt, die zeigen, welche Szene am jeweiligen Ort aufgenommen wurde. Foto: Sabrina Friedrich

Zu den Drehorten, die in der App vorgestellt werden, gehört zum Beispiel Ballintoy im Norden des Landes. In dem kleinen Hafen des Dorfes und am nahen Strand wurden Aufnahmen für die zweite und die sechste Staffel gemacht. Die beiden Orte wurden zum Schauplatz der Geschehnisse auf den Eiseninseln, der Heimat der Figur Theon Graufreud.

Ein weiteres Fanziel an der Route sind die Cushendun Caves. Die Höhlen an der Küste wurden in mehr als 400 Millionen Jahren von der Witterung geformt. In der vierten Folge der zweiten Staffel sind sie der Ort, an dem die rote Priesterin Melisandre eine Schattenkreatur gebärt, die später den selbst ernannten König der Sieben Königslande, Renly Baratheon, tötet.

Die Dark Hedges gehören zu den besonders beliebten Orten der Fans

Auch die Dark Hedges liegen in der Nähe der Coastal Route. Die Buchenallee wurde bereits im 18. Jahrhundert von den damaligen Bewohnern von Gracehill House angelegt. Sie wird in der zweiten Staffel zum Königsweg, auf dem Arya Stark, eine der Hauptfiguren, zurück in ihre Heimat, den Norden von Westeros, reist. Ganze 18 Sekunden in der Serie haben ausgereicht, um die Straße weltbekannt zu machen.

Der Ruhm hat aber auch Probleme mit sich gebracht: Besucher parkten immer wieder auf den Wurzeln der Bäume und drohten sie so zu zerstören. Mittlerweile ist die Straße für den öffentlichen Verkehr gesperrt.

Wer die Dark Hedges bei einem Spaziergang erkunden will, kann auf dem Gelände vom The Hedges Hotels parken. Hier befindet sich übrigens auch eine der zehn „Game of Thrones“-Türen. Die Türen erzählen die Geschichte der sechsten Serienstaffel. Jede von ihnen zeigt Symbole und Szenen von jeweils einer der zehn Folgen.

Die zehn „Game of Thrones“-Türen, die Motive aus der sechsten Staffel zeigen, sind in Pubs, Bars und Restaurants im ganzen Land verteilt.
Die zehn „Game of Thrones“-Türen, die Motive aus der sechsten Staffel zeigen, sind in Pubs, Bars und Restaurants im ganzen Land verteilt. Foto: Sabrina Friedrich

Die Türen wurden aus dem Holz mehrerer Bäume der Dark Hedges gefertigt, die 2016 bei einem Sturm zu Schaden kamen. Sie sind in Pubs, Restaurants und Hotels in der Nähe der Drehorte untergebracht.

In einem Journey-of-the-Doors-Pass können Reisende an jedem der Orte einen Stempel sammeln. „Die gestempelten Pässe sind bei den Thronies so begehrt, dass sie sogar auf Ebay verkauft werden“, erzählt Dee Morgan.

Der Besuch von Castle Ward ist für viele ein Muss

Für echte Fans ist der Besuch von Castle Ward in der Grafschaft Down – in der Serie besser bekannt als Winterfell, Heimat der Familie Stark – nicht nur ein Muss, sondern meistens auch einer der Höhepunkte ihrer Reise.

Der historische Hof auf dem malerisch am Strangford Lough gelegenen Anwesen des Herrenhauses wurde in Staffel eins zum Ahnensitz der Filmfamilie.

Castle Ward ist in der Serie Winterfell, die Heimat der Familie Stark. Dem alten Gehöft auf dem Gelände des Herrenhauses wurden digital Gebäudeteile hinzugefügt.
Castle Ward ist in der Serie Winterfell, die Heimat der Familie Stark. Dem alten Gehöft auf dem Gelände des Herrenhauses wurden digital Gebäudeteile hinzugefügt. Foto: Tourism Northern Ireland

Seit vier Jahren ist William van der Kells Herr von Winterfell – zumindest bezeichnet er sich so. „Hier ist der Ort, an dem alles begann“, erzählt van der Kells. Im ersten Moment ist das allerdings nicht so leicht vorstellbar. Denn das alte Gehöft hat nicht allzu viel mit dem Winterfell gemein, das die Zuschauer aus der Serie kennen.

Dank eines kurzen Filmes erfahren Besucher, dass die Serienproduzenten mit modernster Technik ein wenig nachgeholfen haben. Die Filmvorführung ist der Beginn der sogenannten Winterfell Experience.

Dazu gehören außer dem Verkleiden mit stilechten Umhängen auch ein mittelalterliches Bankett im Zelt sowie eine Lektion im Bogenschießen und Wettbewerbe im Axtwerfen. Auf dem weitläufigen Gelände gibt es aber auch noch mehr Drehorte zu entdecken.

William van der Kells bringt Reisenden bei der Winterfell Experience auf Castle Ward Axtwerfen und Bogenschießen bei.
William van der Kells bringt Reisenden bei der Winterfell Experience auf Castle Ward Axtwerfen und Bogenschießen bei. Foto: Sabrina Friedrich


Mit etwas Glück begegnet man hier vielleicht sogar einem Schattenwolf – dem Wappentier der Familie Stark. Auch die Besitzer der Tiere, die in der ersten Staffel die Welpen darstellten, die von den Starks im Wald aufgelesen wurden, bieten heute Touren an, und die führen sie manchmal eben auch nach Winterfell. 

Die Northern-Inuit-Hunde haben heute sogar einen eigenen Instagram-Account. Ihre Vermarktung ist für ihre Besitzer, die Brüder Caelen, Ross und William Mulhall, ein Fulltime-Job.

Die Szene, in der Jon Schnee die Tiere in der ersten Staffel entdeckt, wurde übrigens auch im Tollymore Forest aufgenommen. Robbie Atkinson bringt Besucher gern zu dem kleinen Fluss unter der steinernen Brücke, an dem sich das Geschehen abspielte. Und er kann dazu ganz sicher auch eine kleine Geschichte erzählen.

Tipps für deine Reise nach Nordirland

Anreise: Mehrere Fluggesellschaften bieten Flüge von Deutschland nach Belfast, also in die Hauptstadt von Nordirland an – meist mit einem Zwischenstopp in London. In Nordirland herrscht – wie im Rest Großbritanniens auch – Linksverkehr.

Beste Reisezeit: Dank des Golfstroms herrscht das ganze Jahr lang ein relativ mildes Klima. Die Temperaturen fallen selten unter null Grad Celsius oder steigen über 25 Grad. Die beste Zeit für Reisen ist von April bis Oktober. Im Juli und August kann es häufiger regnen. Im Mai und Juni sowie im September und Oktober ist das Wetter relativ beständig.

Unterkünfte: In Belfast gibt es eine große Auswahl an Hotels in vielen Preisklassen.

Touren: Die Auswahl an Touren zum Thema „Game of Thrones“ ist groß. Sie reicht von individuellen Touren, wie sie Deirdre Morgan anbietet, über Gruppentouren, Touren mit den Schattenwölfen bis zu Bootstouren, bei denen Drehorte besucht werden, die am besten vom Meer aus zugänglich sind. Außerdem gibt es Experiences wie den Besuch von Winterfell (Castle Ward) mit Essen und Aktionen wie Axtwerfen. Meist werden die Touren von Guides geleitet, die selbst als Statisten mitgewirkt haben und jede Menge über die Dreharbeiten berichten können. Häufig bekommen die Teilnehmer Umhänge, Schwerter und Schilde gestellt.

Manche Drehorte – wie etwa Fair Head, in der Serie die Klippen von Drachenstein, – sind nur vom Wasser aus erreichbar. Die Klippe im Nordosten der Grafschaft Antrim ist die höchste Nordirlands.
Manche Drehorte – wie etwa Fair Head, in der Serie die Klippen von Drachenstein, – sind nur vom Wasser aus erreichbar. Die Klippe im Nordosten der Grafschaft Antrim ist die höchste Nordirlands. Foto: Sabrina Friedrich

Essen: Marconis Bar & Bistro at The Marine Hotel (1–3 North Street, Ballycastle, County Antrim, BT54 6BN): modernes Restaurant am Meer, das kreative Fusionsküche und viele Gerichte mit Fisch und Meeresfrüchten bietet.
The Cuan (Strangford Village, County Down, BT 30 7ND): Zum Angebot gehören stilechte „Game of Thrones“-Bankette. Im zugehörigen Hotel haben einige der Schauspieler während der Dreharbeiten übernachtet.
Barking Dog Restaurant Belfast (33–35 Malone Road, Belfast, BT9 6RU): saisonale Küche in entspannter Atmosphäre in der Hauptstadt Belfast.

App: Die „Game of Thrones Filming Locations Northern Ireland“-App gibt darüber Auskunft, welche Szenen an welchen öffentlich zugänglichen Orten in Nordirland gefilmt wurden. Sie bietet auch Informationen über die Journey of Doors, also die zehn Holztüren mit „Game of Thrones“-Thema, die im ganzen Land in Pubs und Restaurants verteilt sind. Die App für Apple- und Android-Geräte ist kostenlos im App-Store erhältlich.

   

Die Reise wurde unterstützt von Tourism Northern Ireland. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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