52 Prozent der befragten Flugbegleiterinnen und 44 Prozent der Flugbegleiter – so viele sind während ihrer Arbeit an Bord schon einmal sexuell belästigt worden. Und: Nur 16 Prozent von ihnen meldete den Vorfall später. Das sind die erschreckenden Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO).

Und selbst, wenn der Vorfall gemeldet wurde, gab es nur in 18 Prozent der Fälle Konsequenzen für den Täter oder die Täterin. Wenn die Betroffenen die Belästigung bei ihrem Arbeitgeber gemeldet hatten, fühlte sich nur die Hälfte von ihnen ernst genommen und unterstützt. 

Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter am häufigsten von Kollegen belästigt

Besonders brisant: In 45 Prozent der Fälle ging die Belästigung von Vorgesetzten an Bord aus. Zu jeweils 25 Prozent wurden die Betroffenen von gleichgestellten Kollegen oder Kolleginnen oder von Passagieren/Passagierinnen belästigt.

Mit Blick auf diese Zahlen fordert UFO deshalb neben Maßnahmen zum Opferschutz auch Täterprävention. Das Ergebnis, wonach fast die Hälfte der Betroffenen von direkten Vorgesetzten belästigt wurde, sei ein deutliches Warnsignal, so Sylvia Gaßner, Referentin für Berufspolitik bei UFO.

Sexuelle Belästigung im Flugzeug: Anlaufstellen fehlen

Bei fast 40 Prozent der Arbeitgeber gibt es außerdem keine Anlaufstellen für Opfer sexueller Belästigung. Genau diese fordert UFO, zusammen mit geeigneten Schutzmaßnahmen, die mit den Betroffenen abgesprochen werden sollten.

Insgesamt beteiligten sich 1.135 Flugbegleiter/-innen an der Umfrage, die zwischen Dezember 2018 und März 2019 anonym beantwortetet werden konnte.

Die Zahlen aus Deutschland ähneln einer Statistik in den USA: Auch hier ist rund die Hälfte der Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter im Job schon einmal sexuell belästigt worden.