Eine Reise nach Saudi-Arabien: Geheimtipp oder No-Go?

Reise nach Saudi-Arabien: Geheimtipp oder No-Go?

Saudi-Arabien gehört zu den wenigen Destinationen, die gewöhnlich nicht auf dem Radar von Touristen auftauchen. Das möchte das Land ändern und startet eine Offensive – was hält die Reise bereit?

In der Prophetenmoschee im Zentrum von Medina in Saudi-Arabien liegt der Prophet Mohammed begraben.
Nach der Al-Haram-Moschee in Mekka ist die Prophetenmoschee in Medina die zweitheiligste im Islam. Der Grund: Hier ist die Grabstätte Mohammeds.

Foto: unsplash.com/Yasmine Arfaoui

Weite Wüsten, Hochgebirge, prunkvolle Moscheen – dieses Bild malen sich womöglich Touristen, die eine Reise nach Saudi-Arabien planen. Im Kontrast dazu stehen die Todesstrafe, Menschenrechtsverletzungen und Terror.

Unter dem derzeit regierenden König Salman ibn Abd al-Aziz und seinem Sohn Mohammed bin Salman soll sich das durchaus mittelalterliche Image des tief religiösen und konservativen Königreichs allerdings ändern.

Eine Reise in die „Wiege des Islams“: Was kannst du als Tourist erwarten?

Saudi-Arabien möchte sich für den Tourismus öffnen

Die visionären Pläne, ein Mekka für Touristen zu werden, gab der Wüstenstaat bereits vor zwei Jahren bekannt. Im Rahmen des Großprojekts „Vision 2030“ will sich das Königreich damit quasi reformieren, weg vom strengen sunnitischen Islam – hin zu einem modernen und weltoffeneren Land.

Treibende Kraft für die Öffnung des Landes ist die Wirtschaft: Sie soll vom Erdöl-Geschäft unabhängiger werden. Als neue Einkommensquelle soll der Tourismus um 60 Prozent wachsen, derzeit macht dieser nach Zahlen des „World Travel and Tourism Councils“ neun Prozent der Wirtschaftsleistung aus, das sind 65,2 Milliarden US-Dollar.

Der vielleicht größte Schritt dorthin stellt der geplante Bau einer künstlich angelegten Mega-Stadt namens „NEOM“ dar. Im Nordwesten, ganz in der Nähe von Jordanien und  Ägypten, werden 500 Milliarden Dollar in die Entstehung der Hightech-Stadt investiert. Ein Imagevideo soll in der Zwischenzeit neugierig machen.

Auf dem 26.5000 Quadratkilometer großen Gebiet, also größer als Israel oder die Slowakei, sollen dann auch Touristen urlauben können. Geplant sind Luxus-Villen und sogar eigene Inseln.

Augenscheinlich ist in den vergangenen zwei Jahren zumindest hier nicht viel passiert – mit den Bauarbeiten wird erst in diesem Jahr begonnen, gab eine Vorstandsvorsitzende gegenüber der „Saudi Press Agency“ bekannt.

Das hat Saudi-Arabien als Reiseziel zu bieten

Bis die künstliche Stadt aus dem Wüstenboden gestampft ist, möchte Saudi-Arabien unabhängig davon mit seiner Natur und seinen heiligen Stätten für einen Urlaub im Land werben. Vorab: Nicht-Muslimen bleibt der Zutritt zu Moscheen und heiligen Bezirken wie in Mekka und Medina verwehrt, fotografieren von heiligen Moscheen ist ohnehin verboten.

   

Eine Reise nach Saudi-Arabien in Bildern

Ist eine Reise in das arabische Königreich bedenkenlos möglich?

Inwiefern und ob sich das Land im Zuge von „Vision 2030“ wandelt und ob die Einreise ins Land damit auch einfacher wird? Abwarten.

Was pessimistisch stimmt: Genau wie im zuletzt scharf kritisierten Brunei wird Homosexualität mit dem Tode bestraft. Im Brunei-Skandal riefen Stars wie George Clooney zum Hotel-Boykott auf, die Reederei Princess Cruises fährt das Sultanat nicht mehr an.

Darüber hinaus kritisieren unter anderem Organisationen wie Amnesty International das Land auf der arabischen Halbinsel wegen Menschenrechtsverletzungen: darunter die Beschneidung der Meinungs- und Religionsfreiheit, die Unterdrückung von Frauen und die Ausweisung von ausländischen Besuchern bei kleineren Vergehen.

Darauf musst du dich bei der Reise nach Saudi-Arabien einstellen

Solltest du dich für eine Reise entscheiden, musst du zwingend ein Visum beantragen. Außerdem ist derzeit noch eine offizielle Einladung zum Beispiel durch eine saudische Organisation ins Land für die Beantragung notwendig. 

Die Reisehinweise des Auswärtigen Amts lesen sich derzeit noch eher wie eine Warnung denn eine Empfehlung: „Saudi-Arabien ist kein touristisches Reiseland“, heißt es deutlich auf der Website. Zudem warnt es vor Reisen in bestimmte Gebiete wie die Grenzregion zum Jemen – dort schwelt seit Jahren ein militärischer Konflikt.

Die potenzielle Gefahr lauert für Einheimische und Reisende jedoch überall, denn noch immer ist mit terroristischen Anschlägen zu rechnen. Menschenansammlungen solltest du in jedem Fall meiden. Für den Notfall solltest du dich vorab in die Krisenvorsorgeliste eintragen lassen, damit dir vor Ort schneller geholfen werden kann. 

Grundsätzlich sei die Kriminalitätsrate aber sehr gering.

Verbote, Benimmregeln und Kleidung – das musst du wissen

Die Infrastruktur ist bis jetzt noch nicht für den Tourismus geeignet. Bus- und Bahnverbindungen gibt es zwar, in den Städten findest du jedoch keine öffentlichen Verkehrsmittel – das Taxi wäre eine Option.

So wie in jedem Land musst du dich den religiösen und damit auch gesellschaftlichen Gepflogenheiten anpassen. In Saudi-Arabien solltest du das wirklich ernst nehmen, hier ist der Islam Staatsreligion. Wichtig: Alkoholkonsum und öffentliches Baden sind verboten, rauchen in der Öffentlichkeit ist nicht gern gesehen. 

Zur Kleidung: Auf reisereporter-Nachfrage gibt die saudische Botschaft in Berlin an, Vollverschleierung sei für Touristinnen kein Muss. Um nicht unangenehm aufzufallen, sollten Frauen dennoch bodenlange Gewänder und ein Kopftuch tragen, auch männliche Touristen sollten zu langer Kleidung greifen.

Falls du am Ende deiner Reise nicht ohne Erinnerungsfotos nach Hause reisen möchtest, solltest du nicht bei jeder Gelegenheit die Kamera zücken. Es gilt ein „uneinheitliches Fotografieverbot“.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Das könnte dich auch interessieren
Zur
Startseite