Stranddinner auf die vietnamesische Art in Quy Nhon I reisereporter.de

Stranddinner auf die vietnamesische Art in Quy Nhon

Die Küstenstadt Quy Nhon im Süden Zentralvietnams ist reich an bewegter Geschichte, grüner Natur und grandiosem Essen. Touristisch ist sie trotzdem noch ein echter Geheimtipp des Landes.

Einmal Postkarte, bitte: Beim Dinner am Strand von Quy Nhon isst das Auge mit – schon allein wegen der Umgebung.
Einmal Postkarte, bitte: Beim Dinner am Strand von Quy Nhon isst das Auge mit – schon allein wegen der Umgebung.

Foto: Michael Pohl

Es ist einer dieser Tipps, den Vielreisende gern beherzigen: Der letzte Tag, egal wo, sollte immer der beste des gesamten Trips sein. Andernfalls verpufft die mühsam zuvor erlangte Erholung in einer schlechten Mahlzeit, einem lausigen Flug oder einer miesen Unterkunft. Quy Nhon, ein Küstenort im Süden Zentralvietnams, scheint das zu wissen und legt sich dementsprechend ins Zeug.

Die Sonne ist fast untergegangen, als an einer Ecke des Strandes eine Szenerie wie aus einem angesagten Instagram-Feed zu erkennen ist: ein gedeckter Tisch mit leuchtender Lichterkette und weitem Meerblick, drum herum ganz viel Sand und das Rauschen des Meeres. Sonst nichts. Weit draußen sind nur die Lichter der Boote zu erkennen, die zur Suche nach Tintenfischen ausgerückt sind. Es ist beinahe so, als wären wir aus Versehen in einer Filmkulisse gelandet.

Solche Kulissen sind in der Gegend um Quy Nhon reich gesät

Der Gürtel an grün bewachsenen Bergen, zu dessen Füßen die Stadt gewachsen ist, lässt diesen Teil Vietnams fast ein wenig nach der Bilderbuchlandschaft des fernen Hawaiis aussehen. Dicht bewachsen ragen sie hinter der 250.000-Einwohner-Stadt hervor. Der Weg dorthin ist gesäumt mit bunt blühenden Bäumen, die aussehen wie übergroße Orchideen – und natürlich mit den allgegenwärtigen Reisfeldern, noch immer der wichtigste landwirtschaftliche Zweig der Gegend.

Nicht verpassen: Die Türme von Banh It sind Zeichen der Herrschaft des Champa-Königreichs.
Nicht verpassen: Die Türme von Banh It sind Zeichen der Herrschaft des Champa-Königreichs. Foto: Michael Pohl

Auf einem der Berge ragen die Türme von Banh It empor

Sie mögen teilweise eingefallen sein, aber sie sind bis heute weithin sichtbares Zeichen der jahrhundertealten Vergangenheit dieses Landstrichs. Die Anlage entstand im elften Jahrhundert während der Herrschaft des Champa-Königreichs, zu dem dieser Teil Vietnams gehörte.

„Die Ziegelbauten waren eine Tempelanlage“, sagt Tourführer Huy Doan Bao, der angesichts des imposanten Ausblicks selbst schnell verstummt, auch wenn er die Bauwerke schon zigmal gesehen hat. Wer die zahlreichen Treppenstufen bis zum Hauptturm erklommen hat, wird mit einer Sicht bis weit in die Ferne belohnt.

Die Ziegelbauten waren eine Tempelanlage.

Huy Doan Bao


Das Buch „1001 Buildings You Must See before You Die“ (1001 Gebäude, die du gesehen haben musst, bevor du stirbst) listet die Banh-It-Türme als einziges Gebäude in Vietnam auf, das man im Leben gesehen haben sollte. Ob es das einzige ist, sei dahingestellt – aber ein Muss sind die Türme in jedem Fall. Bislang aber scheinen nicht viele Leser bis zur entsprechenden Seite im Buch vorgedrungen zu sein. Die Zahl der Besucher hält sich in und um Quy Nhon in engen Grenzen.

Die Stadt war während des Vietnam-Krieges einer der wichtigsten US-Luftwaffenstützpunkte im Land. Die Amerikaner zogen irgendwann ab, was blieb, war ihr riesiges Flugfeld. Dort entstand in den 90er-Jahren das neue Stadtzentrum. Was erst jetzt folgt, ist die touristische Infrastruktur.

Im Krieg wurden in Vietnam zahlreiche Gebäude zerstört – umso wichtiger ist für viele Vietnamesen die Tradition, sei sie auch nur in neu gebauten Tempeln wieder aufgegriffen wie in der Thien Hung Pagoda.
Im Krieg wurden in Vietnam zahlreiche Gebäude zerstört – umso wichtiger ist für viele Vietnamesen die Tradition, sei sie auch nur in neu gebauten Tempeln wieder aufgegriffen wie in der Thien Hung Pagoda. Foto: Michael Pohl

Die thailändische Minor-Gruppe ist die erste, die das Potenzial der Gegend erkannt hat: Mit dem Anantara-Resort hat sie in bester Strandlage eine Luxushotelanlage geschaffen, die es sonst nur an Hotspots gibt. Die Kette glaubt, dass Quy Nhon das nächste große Ding in Vietnam sein könnte, und das sieht man ihrem neuen Hotel an. Es wurde an nichts gespart.

Ausländische Ketten sind noch nicht vor Ort

„Wir gehen selten dorthin, wo alle sind“, sagt Hoteldirektor Farah Jaber. An Quy Nhon aber glaube sein Unternehmen. Es sah das neue Haus als ideale Ergänzung zum benachbarten Vier-Sterne-Haus Avani, mit dem Minor schon seit einigen Jahren vor Ort vertreten ist.

Wer in der Gegend ist, kommt bislang kaum an diesen beiden Häusern vorbei – andere ausländische Ketten fehlen noch, auch wenn einige ebenfalls auf mittlere Sicht mit dem Standort planen. Derzeit gibt es als Alternative in erster Linie einfachere vietnamesische Unterkünfte. Besucher, noch dazu aus dem Ausland, hatte hier bisher kaum jemand auf dem Plan.

Es gibt in Quy Nhon bislang praktisch keine Touristenbusse oder Souvenirstände, keinen Starbucks und keinen McDonald’s. Die Stadt ist etwas für jene, denen Hanoi zu westlich und die Halongbucht viel zu kommerziell geworden ist. Sie ist das, was Reiseführer gern als „authentisch“ ausgeben. Das zeigt sich ganz hervorragend im Zentrum.

Auf dem Markt in der Innenstadt Quy Nhons wird am späten Mittag bereits aufgeräumt. Ein junger Mann kehrt die Fischabfälle auf die Straße, eine ältere Frau, die Reis und Nudeln verkauft, hat sich zwischen Kartons für ein Nickerchen hingelegt.

Überall liegen in großen Bambuskörben örtliche Früchte aus – Drachenfrüchte, Mangos und Litschis etwa –, kurz vor dem Ausgang warten lebendige Hühner eingepfercht in engen Käfigen auf den Lauf der Dinge – ihr Ende. Märkte in Asien sind nichts für zartbesaitete Gemüter, die Produkte aber wohl etwas für Genießer.

Quy Nhon ist im Land unter anderem bekannt für Salz und vor allem für Pfeffer

„Der ist viel schärfer als andere“, sagt Tourführer Huy, und tatsächlich haben die schwarzen Körner geschmacklich wenig mit dem zu tun, was in Deutschland auf den Tisch kommt, sie sind viel intensiver. Im Anantara-Hotel ist Salz gleich zum Motto eines ganzen Restaurants geworden – Gäste können aus mehreren Dutzend Sorten auswählen.

Und natürlich gibt es hier an der Küste Fisch in Hülle und Fülle. Die Fischer vor dem Strand bringen Tag für Tag nicht nur Tintenfisch an Land, sondern unter anderem auch Seebarsch, Garnelen und Thunfisch.

Fisch und Meeresfrüchte spielen in der Küche der Region eine große Rolle.
Fisch und Meeresfrüchte spielen in der Küche der Region eine große Rolle. Foto: Michael Pohl

Eine Besonderheit der Region ist der Pfannkuchen. Aus Reismehl und Eiern wird er zusammengerührt, bei viel Hitze und mit viel Öl gebraten, dabei belegt mit Fleisch oder Meeresfrüchten, anschließend oftmals eingerollt in eine Sommerrolle. Solche Gerichte gibt es überall – ob für umgerechnet einen Euro im Schnellrestaurant in der Stadt oder für ein Vielfaches im Hotel.

Hutherstellung hat eine lange Tradition

Lan Van Do widmet sich einer anderen Tradition Vietnams: den Kegelhüten, Non La genannt. Sie sind im Alltag – allen Klischees zum Trotz – allgegenwärtig. Was oft als billige Fabrikware angesehen wird, ist in Wahrheit aufwendige Handwerkskunst. Vier Tage benötige er für einen der Hüte, sagt der 70-Jährige, der seinen Betrieb bereits in sechster Generation führt. Bei komplizierteren Modellen könnten es auch schon mal sechs bis zehn Tage sein.

Rund 400.000 Dong kostet eine einfache Variante, umgerechnet rund 15 Euro, Garantie auf Lebenszeit inbegriffen. In Vietnam sind solche Hüte weit mehr als ein einfacher Sonnenschutz; sie sind Teil der Kultur und oftmals regelrechte Schmuckstücke. Was auch an den feinen Stickereien liegt, die im Verborgenen auf der Innenseite eingearbeitet werden.

Lan Van Do hält eine Tradition aufrecht: Die Herstellung der Kegelhüte.
Lan Van Do hält eine Tradition aufrecht: Die Herstellung der Kegelhüte. Foto: Michael Pohl

„Während des Vietnam-Krieges haben wir US-Soldaten die Kunst des Non La beigebracht“, sagt Van Do. Sechs Monate hätten sie drei Tage pro Woche bei ihm Unterricht genommen. Am Ende nahmen die Amerikaner davon Abstand, sie selbst herzustellen. Zu aufwendig ist diese alte Kunst. Allein drei Materialien werden in den Hüten verarbeitet: eine Art Bambus, die Wurzel der Ananas und die Blätter einer speziellen Palmenart, die in den Bergen Quy Nhons wächst.

Die Berge sind womöglich der größte Schatz der Gegend

Mangels touristischer Anbieter planen die Hotels vor Ort nun selbst, sie Besuchern näherzubringen. „Wir arbeiten an unterschiedlichen Angeboten“, sagt Kate Jones, PR-Managerin bei Minor-Hotels für den Bereich Vietnam. Ins Grün sollen Touren führen, einige auch mit Fischern aufs Meer. Eine Art Best-of der Region gibt es schon jetzt für Gäste, Pfannkuchen in der Innenstadt inbegriffen.

Dabei reicht womöglich dieser eine letzte Abend, um jeden von dieser Gegend einnehmen zu lassen: Das Stranddinner bei Meeresrauschen endet mit Kokoseis aus der Region. Die Lampen der Fischerboote leuchten noch immer, und der fast ein wenig orangefarben strahlende Mond lässt den Horizont eindeutig erkennen. Zeit für einen neuen Tipp: Dieser eine letzte Abend einer Reise – der sollte, wenn es geht, genau so am Strand verbracht werden.

Tipps für deine Reise nach Vietnam

Anreise: Mehrere große Fluggesellschaften bieten Flüge von Deutschland, teilweise mit Zwischenstopp, nach Hanoi in Vietnam an, unter anderem Air France, Swiss, Vietnam Airlines und Turkish Airlines. Von dort geht es mit Jetstar, Vietjet oder Vietnam Airlines weiter nach Quy Nhon.

Einreise: Für Aufenthalte bis zu 15 Tagen benötigen deutsche Staatsbürger für private Reisen derzeit kein Visum. Es genügen ein Reisepass und ein Rückflugticket.

Beste Reisezeit: In der Zeit von Februar bis Mai ist es trocken und noch nicht zu heiß. Die Regenzeit dauert von Oktober bis Anfang Dezember – dann gibt es mitunter Taifune und sintflutartige Regenfälle.

Unterkünfte: Individuelle noble Strandvillen mit Pool: Anantara Quy Nhon Villas, Quy Nhon, Vietnam.
Schöne, komfortable Anlage mit Meerblick: Avani Quy Nhon Resort, Quy Nhon, Vietnam.
Günstig und einfach, zwischen Flughafen und Innenstadt: Wow Hotel, 54 Nguyen Lac, Phuong Tran Phu, Thanh Pho, Quy Nhon, Vietnam.

Gesundheit: Zusätzlich zu den üblichen Standardimpfungen wird in jedem Fall eine gegen Hepatitis A empfohlen, je nach Aufenthaltsdauer und Art der Aktivität gegebenenfalls auch gegen Hepatitis B, Tollwut, Typhus, Japanische Enzephalitis oder Cholera. Man sollte sich rechtzeitig vor der Abreise in dieser Hinsicht von einem Arzt beraten lassen. In Vietnam kommen außerdem Malaria und Denguefieber vor – ein ausreichender Mückenschutz ist insofern notwendig.

Währung: Offizielle Währung in Vietnam ist der Dong – ein Euro entspricht rund 25.000 Dong. US-Dollar werden nahezu überall akzeptiert, Kreditkarten zumindest in Hotels und großen Geschäften.

   

Die Reise wurde unterstützt von den Anantara Hotels, Resorts & Spas. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Das könnte dich auch interessieren
Zur
Startseite