Aeroflot-Unglück: Starben Menschen wegen Handgepäck-Egoisten?

Aeroflot: Starben Menschen wegen Handgepäck-Egoisten?

Die Aeroflot-Maschine wurde zur Feuer-Falle: Mindestens 41 Menschen starben beim Unglück in Moskau. Etliche Passagiere haben bei der Evakuierung ihr Handgepäck mitgenommen. Wurde so wertvolle Zeit verschwendet?

Videos zeigen fliehende Passagiere, die ihr Handgepäck dabeihaben.
Videos zeigen fliehende Passagiere, die ihr Handgepäck dabeihaben.

Foto: instagram.com/mikkentosh (Screenshot)

Mehr als die Hälfte der 78 Insassen ist tot, 41 von ihnen konnten sich aus dem lichterloh brennenden Aeroflot-Flugzeug nicht ins Freie retten. Verstörende Videoaufnahmen aus dem Inneren lassen erahnen, welche Ängste die Menschen an Bord ausstehen mussten. Sie zeigen lodernde Flammen, Hilferufe sind zu hören.

Aeroflot-Unglück: Evakuierung lief chaotisch ab

Die Evakuierung lief zwar mit 55 Sekunden extrem schnell, aber auch chaotisch ab. Videos zeigen, wie etliche Passagiere über die Notrutschen fliehen und dabei Rucksäcke sowie Koffer bei sich tragen. In der Panik und im Gedränge retteten sie noch ihr Handgepäck. Das kostete wertvolle Zeit – und womöglich Leben von Passagieren im hinteren Teil der Maschine.

Ein Augenzeuge berichtet gegenüber der russische Agentur Interfax: „Als das Flugzeug den Boden berührte und Feuer fing, begannen einige Passagiere damit, in Panik ihre Habseligkeiten aus dem Gepäckfächern zu ziehen. Das machte es den Menschen aus den hinteren Reihen des Flugzeuges schwer, hinauszugelangen. Sie starben im Feuer.“

Aeroflot-Flugbegleiterin Tatjana Kasatkina bestätigte dies: Trotz anderslautender Anweisungen hätten Passagiere versucht, ihre persönlichen Gegenstände aus den Gepäckfächern zu nehmen.

Alles sei sehr schnell gegangen, wird sie von der Nachrichtenseite „Lenta“ zitiert. „Ich habe die Passagiere herausgestoßen. Ich habe jeden am Kragen gepackt, um die Evakuierung nicht zu verzögern.“

Bei der Evakuierung Handgepäck mitnehmen? Ein No-Go!

Bei einer Evakuierung das Handgepäck mitnehmen? Das ist ein absolutes No-Go. In jeder Sicherheitseinweisung wird durchgesagt, dass Passagiere bei einer Evakuierung alle persönlichen Gegenstände zurücklassen müssen.

Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass sich die Fluggäste nicht an diese Regel halten. Die internationale Luftfahrtgesellschaft Royal Aeronautical Society warnte bereits vor Jahren im Bericht „Leben vor Gepäck“ vor brenzligen Situationen bei Evakuierungen.

Das Risiko steige weiter, weil immer mehr Passagiere Handgepäck mit an Bord nehmen – um Gebühren und Zeit zu sparen. „Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis eine Evakuierung passiert, bei der das Handgepäck über Leben oder Tod entscheidet“, so das Fazit. Die Gesellschaft empfiehlt eine Zentralverriegelung der Gepäckablage für die Zeit der Starts und Landungen.

Können Passagiere strafrechtlich verfolgt werden? In Russland wird dem Bericht von „Lenta“ zufolge offenbar geprüft, ob das gemäß Artikel 109 des russischen Strafgesetzbuches, der eine Haftung für fahrlässige Tötung vorsieht, möglich ist. 

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