Puerto Plata: Für reinen Strandurlaub viel zu schade | reisereporter.de

Puerto Plata: Für reinen Strandurlaub viel zu schade

Abenteuer im Urwald, Adrenalin auf dem Fluss: Die Region Puerto Plata im Norden der Dominikanischen Republik ist eines der vielseitigsten Reiseziele der Karibikinsel – viel mehr als nur puderweißer Sand.

Die Sandbank Paradise Island vor der Küste des Fischerdorfes Punta Rucia ist ein beliebtes Ausflugsziel im Norden der Dominikanischen Republik.
Die Sandbank Paradise Island vor der Küste des Fischerdorfes Punta Rucia ist ein beliebtes Ausflugsziel im Norden der Dominikanischen Republik.

Foto: Christian Purbs

Was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen? Sollte eine Antwort auf diese Frage, über die fast jeder schon einmal nachgedacht hat, warum auch immer Flipflops lauten – vergiss es.

Zumindest dann, wenn du mit Angelo Martinez Ceballo unterwegs bist. „Die bleiben auf dem Boot. Badehose reicht, mehr brauchst du nicht“, sagt der Kapitän des Katamarans mit einem verschmitzten Grinsen. Wir gehorchen brav und hüpfen barfuß ins Paradies.

Was da mitten im Atlantik vor uns liegt, kann nicht real sein

Zu bizarr. Zu schillernd. Zu schön sieht es aus. Wie aus dem Nichts erhebt sich mitten im Meer ein kleiner Sandberg aus dem Atlantik, der puderweiße Sand lässt das Wasser in den schönsten Türkis- und Blautönen erscheinen. Und auch wenn die Bewegungsfreiheit auf diesem Kleinod recht überschaubar ist – ein 1,83 Meter großer Durchschnittseuropäer braucht exakt 56 Schritte, um auf der Längsseite von einem Ende zum anderen zu kommen: Wenn schon eine einsame Insel, dann diese.

Willkommen in der Karibik, willkommen in der Dominikanischen Republik. Ach ja, Angelo, warum eigentlich keine Flipflops? „So viel Sand gibt es hier ja nicht. Und der soll auf der Insel bleiben und nicht unter den Flipflops oder in den Handtüchern.“

Die Sandbank Cayo Arena liegt vor der Küste des kleinen Fischerdorfs Punta Rucia.
Die Sandbank Cayo Arena liegt vor der Küste des kleinen Fischerdorfs Punta Rucia. Foto: Christian Purbs

Von Puerto Plata, der Stadt mit etwa 120.000 Einwohnern im Norden der Republik, sind es etwa zwei Stunden mit dem Auto bis zum kleinen Fischerdorf Punta Rucia, vor dessen Küste sich die Sandbank Cayo Arena, auch Isla Paraiso oder Paradise Island genannt, befindet.

Die kleine Sandbank fasziniert zweifelsohne, die wahre Schönheit dieses Farbtupfers inmitten des blauen Meeres liegt jedoch ein paar Meter unter der Wasseroberfläche. Die umliegenden Korallenbänke sind das Zuhause für zahlreiche Fische in den unterschiedlichsten Farben. Das Schnorcheln in dieser spektakulären Kulisse ist ein unvergessliches Erlebnis.

Die wahre Schönheit der Sandbank Paradise Island liegt unter der Wasseroberfläche: Die Unterwasserwelt ist farbenfroh und faszinierend.
Die wahre Schönheit der Sandbank Paradise Island liegt unter der Wasseroberfläche: Die Unterwasserwelt ist farbenfroh und faszinierend. Foto: Sandra Heick

Und davon gibt es hier oben im Norden der Karibikinsel noch eine ganze Menge. Palmen, Sonne und weißen Strand, na klar, alles da.

Doch die Region Puerto Plata hat noch viel mehr zu bieten und ist deshalb besonders für Aktivurlauber eine interessante Alternative zu Punta Cana im Osten, wo mehr als die Hälfte der Touristen der Dominikanischen Republik an den Postkartenstränden ihren Karibikurlaub genießen.

Was Punta Cana nicht hat, ist die abwechslungsreiche, vielschichtige Landschaft des Nordens.

Wolfgang Michel, Reiseführer

„Hier gibt es auch Gebirge, Wasserfälle, fruchtbare Plantagen, wilde Schluchten und noch viele vom Massentourismus verschonte Strände“, sagt Wolfgang Michel, der uns die Vielfalt seiner neuen Heimat auch mit interessanten Geschichten näherbringt.

Der Reiseführer aus Bayern lebt seit 25 Jahren in diesem Teil der Karibik, kennt Land und Leute. „Die Provinz Puerto Plata ist für Ausflüge definitiv der beste Ausgangsort auf der Insel“, sagt der 56-Jährige.

Reiseführer Wolfgang Michel lebt seit 25 Jahren in der Dominikanischen Republik.
Reiseführer Wolfgang Michel lebt seit 25 Jahren in der Dominikanischen Republik. Foto: Christian Purbs

Hinterm Strand geht’s weiter. Prima, dann mal los

Und zwar ins Gebirge nach Jarabacoa zur Lodge Rancho Baiguate. Die inmitten üppig grüner Landschaft gelegene Stadt Jarabacoa liegt am Fuße des Cordillera Central, auch bekannt als die „Dominikanischen Alpen“.

Die Ranch befindet sich etwas außerhalb der Stadt und versetzt Besucher schon ein paar Minuten nach der Ankunft in eine angenehme Wohlfühlstimmung. Inhaber Don Omar Rodriguez hat hier mit zahlreichen Ökoprojekten eine Oase erschaffen, die von der hektischen übrigen Welt zum größten Teil unabhängig ist. Er bietet Reittouren, Wanderungen und Klettern an.

Die Anlage verfügt über eine eigene Wasserquelle, produziert mit Solaranlagen eigenen Strom, Plantagen und eine eigene Fischzucht gehören ebenso dazu wie der selbst hergestellte Guavensaft mit Erdbeergeschmack.

Das an Vitamin C reichhaltige Getränk ist der Renner bei den vielen Schülern, die für mehrtägige Ausflüge auf der Ranch zu Gast sind, und wird von Don Omar auch kostenlos an Schulen in der Region geliefert. „Der Saft ist für Kinder auch ein Anreiz, überhaupt in die Schule zu gehen. Viele Eltern denken hier leider immer noch, dass es ausreicht, wenn das Kind eine Machete halten kann“, sagt Tourguide Michel.

Wer das Idyll mit einer Portion Adrenalin würzen möchte, hat nur ein paar Minuten Autofahrt von der Lodge entfernt beim Rafting auf dem Yaque del Norte, dem längsten Fluss der Karibik, die Gelegenheit dazu. Die etwa einstündige Tour auf dem wilden Gewässer hat mit normalem Touristenrafting, bei dem es ab und an etwas ruckelt und spritzt, nicht viel gemein.

Auf dem Yaque del Norte geht es in herrlicher Natur bei turbulenten, schäumenden Stromschnellen wesentlich wilder zur Sache. Zumindest, wenn der Wasserstand des Flusses niedrig ist. Ein unvergessliches Abenteuer, bei dem reichlich Adrenalin durch die Adern schießt.

Auf natürlichen Wasserrutschen geht es die Wasserfälle von Damajagua hinunter.
Auf natürlichen Wasserrutschen geht es die Wasserfälle von Damajagua hinunter. Foto: Sandra Heick


Abenteuerlust und ein bisschen Mut gehören auch dazu, wenn man sich auf die 27 Wasserfälle von Damajagua einlässt. Wobei es zunächst einmal ziemlich lustig aussehen muss, wenn sich acht Mitteleuropäer, nur mit Badehose, Schwimmweste und Helm bekleidet, eine halbe Stunde lang über einen bergauf führenden Waldpfad durch die tropische Vegetation kämpfen. Am Fluss angekommen, geht es zum Glück nur noch bergab. Und zwar über natürliche Wasserrutschen, die in Millionen von Jahren in den Fels geformt wurden – oder mit wagemutigen Sprüngen.

Wir haben uns für das Kurzprogramm entschieden und beginnen unsere Tour bei Wasserfall Nummer 19. Mit zwei Optionen, die uns Guide Franco Escursioni so erklärt: „Wir starten mit einem Sprung aus etwa vier Metern. Wer nicht springen will, den schubse ich runter.“ Kleiner Scherz von Franco, auch eine Treppe führt ans Ziel.

Ich kann der Versuchung nicht widerstehen, stürze mich hinab in die Tiefe und lande in dem kleinen Becken dieser Kaskade. Einmal kurz schütteln, im Gegensatz zum Atlantik mit seinem 28 Grad Celsius warmen Wasser hat das hier höchstens 20 Grad – und dann die atemberaubende Szenerie mit Urwaldambiente genießen. Weiter geht’s springend, rutschend oder schwimmend. Was für ein Vergnügen.

Nur faul am Strand liegen? Im Norden der Dom-Rep eigentlich unmöglich

Mit der Seibahn fahren Reisende auf den Isabel de Torres, den Hausberg von Puerto Plata.
Mit der Seibahn fahren Reisende auf den Isabel de Torres, den Hausberg von Puerto Plata. Foto: Boris Baur

Außer den zahlreichen Sehenswürdigkeiten, zu denen auch ein Besuch des Mount Isabel de Torres, dem Hausberg von Puerto Plata, unbedingt dazugehört, gibt es links und rechts der Provinzstadt noch viel zu sehen und zu erleben. Zum Beispiel Sosua mit seinen herrlichen Stränden und Tauchrevieren und gleich nebenan Cabarete, das weltweit zu den besten Spots für Surfer und Kitesurfer gehört.

Und was wirst du auf die Insel mitnehmen? Pack ruhig Flipflops ein, Angelo Martinez Ceballo wird schon ein Auge zudrücken...

Tipps für deine Reise in die Dominikanische Republik

Anreise: Eurowings fliegt zweimal pro Woche direkt Puerto Plata und Samaná in der Dominikanischen Republik an. Es sind die einzigen Direktflüge ab Deutschland. Die Flugzeit beträgt etwa 9,5 Stunden.

Beste Reisezeit: Puerto Plata ist ein Ganzjahresziel. Empfehlenswert sind die Monate Januar bis April mit Temperaturen um die 30 Grad Celsius, von Mai bis September ist es einen Tick wärmer. Hurrikans sind von August bis Oktober möglich, aber selten.

Veranstalter: ITS Reisen bietet zum Beispiel eine Reise in das Hotel Cooee at Grand Paradise Playa Dorada an. Sieben Nächte im Doppelzimmer (all-inclusive) inklusive Flug und Transfer sind pro Person ab 808 Euro buchbar. Das Hotel ist ein Adults-only-Haus (ab 18 Jahren) der gehobenen Mittelklasse. Es steht ruhig, direkt am Sandstrand und bietet 87 Zimmer.

Ausflüge: Der Tagesausflug „Paradise Island VIP Punta Rucia“ inklusive Transfer ab/bis Hotel, deutschsprachigem Reiseführer, Eintrittsgeldern, Getränken und Mittagessen kostet 150 US-Dollar pro Person und kann vor Ort gebucht werden.

   

Die Reise wurde unterstützt von DER Touristik. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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