Ärzte-Vorwurf: Kranke Kreuzfahrt-Passagiere werden abgezockt

So werden kranke Kreuzfahrt-Passagiere abgezockt

Mal eben ein Medikament verschreiben lassen – und schon bist du fast 200 Euro los. Auf hoher See kann das schnell Realität werden. Denn: Die deutsche Gebührenordnung gilt auf Schiffen häufig nicht.

Luftbild des Kreuzfahrtschiffs „MS Riviera“ am Cap Martin.
Krank auf dem Kreuzfahrtschiff? Das kann ganz schön teuer werden. (Symbolfoto)

Foto: imago images/Peter Seyfferth

In Deutschland regelt die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) die Abrechnung von Leistungen außerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung, sprich für die Behandlung von Privatärzten. Darin ist auch festgelegt, dass Ärzte nur „medizinisch notwendige Leistungen“ in Rechnung stellen dürfen, es sei denn, der Patient hat die darüber hinausgehende Versorgung verlangt.

Für eine normale Beratung werden laut Gebührenordnung zwischen rund 5 und 10 Euro fällig. Und an Bord von Kreuzfahrtschiffen? Da können Passagiere schon mal 300 Euro für eine Beratung mit Fiebermessung bezahlen – ein Vielfaches der Gebühren an Land!

Tausende Euro für medizinische Behandlungen auf Kreuzfahrtschiffen

Noch teurer wird’s, wenn bei den Patienten Schürfwunden behandelt (1.200 Euro) oder zwei Infusionen verabreicht werden müssen (1.300 Euro). Das berichtet „Reise vor 9“ und bezieht sich dabei auf einen „Spiegel“-Bericht. Darin kritisieren (ehemalige) Ärzte auf Kreuzfahrtschiffen ihre (Ex-)Arbeitgeber.

Der Vorwurf: überhöhte Gebühren und die Berechnung von überflüssigen Leistungen. Außerdem hätten Reedereien wie Tui Cruises Druck auf die Ärzte ausgeübt, kranke oder verletzte Crewmitglieder nicht krankzuschreiben. In einer Stellungnahme betont Tui Cruises, der Schiffarzt sorge für die medizinische Versorgung der Crew und entscheide, ob und wie lange ein Crewmitglied krankgeschrieben werde.

Bei Tui Cruises und Aida sollen immerhin Fachärzte an Bord sein, bei MSC oder Costa seien mitunter Mediziner mit geringerer Qualifikation angestellt, so die Ärzte.

Tui Cruises weißt die Vorwürfe zurück. In einem Statement an den reisereporter heißt es, die Passagiere würden bereits im Vorfeld über die höheren Kosten informiert. Diese seien gemessen an der Leistung auch nicht ungewöhnlich hoch – immerhin sie das Bordhospital an 24 Stunden am Tag und 365 Tagen im Jahr in Betrieb.

Auslandskrankenversicherung auf Kreuzfahrten ein Muss

Angesichts der hohen Gebühren wird vor allem eines deutlich: die Notwendigkeit einer Auslandsreiseversicherung. Die Stiftung Warentest bezeichnet diese generell als ein „Muss bei Reisen“ ins Ausland. Erkrankte Passagiere können ihre Arztrechnung bei der Versicherung einreichen und erstatten lassen.

Und: Reiseversicherungen sind oftmals günstiger, als du denkst. Einzelpersonen können sich schon ab 8 Euro, Familien für unter 20 Euro im Jahr versichern, ergibt ein Vergleich.

Tui Cruises gibt an, den Kunden vor Reisebeginn das Abschließen einer speziellen Auslandskrankenversicherung nahezulegen.

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