Indien: Monster-Zyklon trifft Urlaubsregion – Millionen Menschen evakuiert

Monster-Zyklon in Indien: Was Reisende wissen müssen

Mit fast 200 Stundenkilometern wütete Zyklon „Fani“ an der Ostküste von Indien und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Millionen Menschen sind gefährdet, es wurde evakuiert. Was Reisende wissen müssen.

Zyklon „Fani“ lässt Bäume umstürzen.
Zyklon „Fani“ erreichte am Freitagmorgen gegen acht Uhr die ostindische Küste und wütet mit extremen Geschwindigkeiten über das Land.

Foto: twitter.com/Kanchan Iata

Ausgerissene Bäume, kein Strom, kein Wasser: Einer der stärksten Zyklone der vergangenen Jahre erreichte am Freitagmorgen das indische Festland.

Besonders betroffen ist der Bundestaat Odisha südlich der Millionenstadt Kolkata (früher Kalkutta) – eine bei Indern und ausländischen Touristen sehr beliebte Urlaubsregion.

 „Fani“ wütet mit mehr als 190 Stundenkilometern über Ostindien und bedroht das Leben von Millionen Menschen. Mehr als eine Million wurden in den vergangenen Tagen aus der gefährderten Region in Notunterkünfte gebracht.

Zyklon „Fani“ trifft auf Indiens Festland – etliche Flüge abgesagt

Schon bevor der Monster-Sturm das indische Festland erreicht hatte, wurden vorsorglich alle Flüge am Freitag von und nach Bhubaneswar, der Hauptstadt von Odisha, gestrichen. 

Entwarnung ist nicht in Sicht: Auch am Samstag sollen alle Flüge von der Metropole Kolkata zwischen Freitag, 21.30 Uhr, und Samstagabend, 18 Uhr, ausfallen.

Was bedeutet der Zyklon für Reisende in Indien?

Aktuell bittet das Auswärtige Amt Reisende, küstennahe Gebiete insbesondere im Bundesstaat Odisha zu meiden. Urlauber sollen die lokalen Medien verfolgen und die Hinweise lokaler Behörden beachten. 

„Wenden Sie sich umgehend an eine deutsche Vertretung“ – das rät Reiserechtsanwalt Paul Degott allen Urlaubern, vor allem Individualreisenden. Sie können zum Beispiel das Generalkonsulat in Kolkata kontaktieren. In dringenden Notfällen ist es über die Nummer +91 (0)98310 16091 telefonisch zu erreichen.

Dieses ist für Hilfe suchende Deutsche zuständig. Außerdem sei es sowohl für Alleinreisende als auch für Pauschalurlauber ratsam, sich beim Auswärtigen Amt auf eine sogenannte „Krisenvorsorgeliste“ setzen zu lassen. So könne in einer Krisen- oder in sonstigen Ausnahmesituationen mit Deutschen schnell Verbindung aufgenommen werden.

Sollten sich Reisende wegen des Zyklons sogar verletzt haben, greife das Konsulargesetz, sagt Degott im Gespräch mit dem reisereporter. „Die Regierung muss sich dann um Sie kümmern, allerdings müssen Sie sich auf eigene Kosten behandeln lassen.“

Pauschalurlauber in Indien sollen sich an Reiseveranstalter wenden

Während Individualreisende weitestgehend auf sich allein gestellt sind, müssen Reiseveranstalter für die Sicherheit ihrer Gäste sorgen: „Pauschalurlauber in den gefährdeten Regionen in Ostindien sollen sich mit ihren Reisenveranstaltern in Kontakt setzen und wegen ‚außergewöhnlicher Umstände‘ die Reise kündigen“, empfiehlt Rechtsexperte Degott jenen Pauschalreisenden, die ihren Urlaub sofort beenden möchten.

Der Veranstalter müsse dann entsprechende Unterkünfte sowie Rückflüge nach Deutschland organisieren – und auch für alle Kosten aufkommen.

Welches Recht haben Flugpassagiere bei der Naturkatastrophe in Indien?

Individualreisende müssten ihr Glück bei der jeweiligen Airline versuchen. Auch diese können wegen „außergewöhnlicher Umstände“ ihre Reise canceln und nach Rückflügen verlangen.

Aber: „Ob die Fluggesellschaft für die Umbuchungskosten aufkommt, ist nicht klar. Diese bewertet die Lage im Land im Nachhein“, was für Flugpassagiere bedeutet, dass diese auf den Flugkosten sitzen bleiben können.

Reise nach Indien gebucht – Stornierung und Umbuchung möglich?

Das gilt auch für bereits gebuchte Reisen nach Indien. Pauschalurlauber und Reiseveranstalter können diese vor Reiseantritt aus Sicherheitsgründen kündigen. Dann müssen dem Touristen sämtliche Kosten erstattet werden. 

Alleinreisende müssen bei der Fluggesellschaft nachfragen, ob ein Flug nach Indien wegen Zyklon „Fani“ kostenlos umgebucht werden kann.

Deutlich komplizierter sei es bei Flügen und Reisen, die nicht in die Katastrophenregion gehen. Auch da müssten Touristen individuell ihre Möglichkeiten aushandeln, sagt Degott auf reisereporter-Nachfrage.

Zyklon „Fani“ wütet weiterhin über Indien 

Die Situation in Odisha und den umliegenden Staaten Andrha Pradesh und Tamil Nadu ist verheerend. Über Twitter teilen User Bilder und Videos der Katastrophe. Der Zyklon erreichte eine Stärke der Kategorie vier, berichtet „CNN“. Damit gilt er als „schwerer“ Zyklonsturm.

Die Küstenwache und die Navy setzten in den Bundesstaaten Odisha, Westbengalen und Andhra Pradesh Schiffe und Hubschrauber für Rettungsaktionen ein.

Rund 900 Notunerkünfte wurden eingerichtet, Schulen bleiben am Freitag noch geschlossen. Menschen werden gebeten, bei einer Evakuierung nur das Nötigste mitzunehmen.

Noch immer bewegt sich „Fani“ mit Extremgeschwindigkeit über das Land. Starke Regenfälle, Strumfluten und Überschwemmungen sind zu erwarten.

Über diese Karte können Reisende live mitverfolgen, in welche Richtung der Zyklon zieht.

Derzeit erwarten Experten, dass der Sturm vorraussichtlich über die Küste von Bangladesch hinwegzieht und sich im Laufe der nächsten Tage abschwächt.

Tropische Wirbelstürme sind im Golf von Bengalen, also vor der südöstlichen Küste Indiens, vor allem zwischen April und November keine Seltenheit. Trotzdem gilt „Fani“ als einer der heftigsten Zyklone seit 1999, als etwa 10.000 Menschen ums Leben kamen.

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