Zack. Zack. Zack. Während der Geruch von frisch gebrühtem Kaffee um meine Nase weht, lasse ich die Axt wieder und wieder auf das trockene Stück Kiefernholz hinabsausen. Sophie kocht Kaffee und ich bereite Feuerholz vor. Ein ganz gewöhnlicher Morgen Mitte Mai.

Seit knapp zwei Jahren leben wir in einer Blockhütte im Wald. Wir, das sind Sophie, zwei Dobermänner und ich. Der Wald steht im Yukon, im hohen Norden von Kanada. Im Winter fällt das Thermometer auf minus 45 Grad Celsius und im Sommer geht die Sonne nicht unter.

Die Hütte von Peter Zenkl und Sophie Mutlu im Yukon, Kanada.

Unsere Hütte besteht aus einem einzigen Raum. Geheizt wird mit Holz. Fließendes Wasser gibt es genauso wenig wie Strom. Oft ist es unfassbar romantisch. Aber ebenso oft warten ungewohnte Herausforderungen auf uns.

Wie wir uns im kanadischen Winter warmhalten

Auch Mitte Mai fällt die Temperatur nachts weit unter den Gefrierpunkt. So hilft nur ein Feuer, um die morgendliche Kälte aus unserer Hütte zu vertreiben. Im Winter müssen wir auch nachts alle zwei Stunden aufstehen um das Feuer in Gang zu halten. Wenn wir den Wecker verschlafen, kriecht die Kälte ungebremst durch Spalten und Risse im Holz. 

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Und natürlich muss immer ausreichend trockenes Holz vorhanden sein. Jeden Tag schleppe ich also Baumstämme durch die Gegend. Ich säge, hacke und stapele, bis meine Arme schwer werden. Keinen Tag kann ich mir freinehmen. Nie ist der Vorrat groß genug. Denn der nächste Winter ist immer nur einen einzigen, kurzen Sommer entfernt. 

Wer in der Wildnis waschen und duschen will, muss planen

Ohne einen See oder Fluss vor der Haustür müssen wir mit unserem Wasser haushalten. Im Winter schmelzen wir Schnee. Davon ist immer genug vorhanden. 

Aber im Sommer füllen wir Wassercontainer in der 50 Kilometer entfernten Stadt auf. 60 Liter reichen uns für ungefähr eine Woche. Das bedeutet dann, dass wir planen müssen, wer sich wann wäscht oder gar „duschen“ geht.

Fotograf Peter Zenkl duscht vor seiner Hütte im Yukon, Kanada.

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Die meiste Zeit des Jahres reicht uns Solarstrom vollkommen. Die Sonne scheint fast jeden Tag, und unsere Batteriebank ist immer voll.  

Wenn die Sonne es im Dezember aber nicht mehr über den Horizont schafft, müssen wir auf einen kleinen Generator zurückgreifen. Und so wird in dieser Zeit die Stille des Winters immer wieder von dem leisen Surren eines tragbaren Generators durchbrochen.

Selbstversorger im Yukon – geht das?

So weit im Norden bleibt der Boden gefroren, bis Mitte Juni die Sonne nicht mehr untergeht. Nur mit 24 Stunden Sonnenlicht ist die Wärme groß genug, um in die Erde einzudringen. 

Um unser eigenes Gemüse anzubauen, reicht es aber nicht, wenn wir im Juni anfangen zu pflanzen. Denn schon Ende August friert es nachts wieder. 

Vor ihrer Hütte bauen Peter und Sophie Kartoffeln an – die von den Nagetieren zum Glück verschont bleiben.

Und so verwandelt sich Mitte März unsere Hütte in ein kleines Gewächshaus. Auf jedem freien Quadratzentimeter türmen sich Gefäße mit kleinen Tomatenpflanzen, Möhren, Bohnen und allem anderen, was wir anbauen möchten.

Und dann sind da natürlich noch die kleinen Nager. Ziesel, Streifenhörnchen und Eichhörnchen warten nur darauf, dass die ersten Pflanzen nach draußen gepflanzt werden. Und wenn diese nicht ausreichend gesichert sind, dann finden die kleinen Nager einen Eingang. 

Ein Streifenhörnchen im Yukon, Kanada.

Dann war alles umsonst. Jede einzelne Pflanze wird gekappt und bis zu den Wurzeln abgenagt. Nur Kartoffeln und Zwiebeln bleiben stehen.

Unter den wachsamen Augen wilder Tiere

Die Schatten des Waldes sind immer da. Denn neben den kleinen gibt es hier auch noch die richtig großen Tiere. Wilde Jäger aus einer ursprünglichen Zeit. Hier oben im Reich der Grizzlybären und Wölfe setzt dadurch ein ganz anderes Gefühl der Wachsamkeit ein. 

Ein Wolf steht im Wald im Yukon, Kanada.

Lautlos huschen die Schatten durchs Gebüsch oder beobachten uns mit glühenden Augen vom Waldrand her. Wenn wir am Lagerfeuer sitzen, verleiht das Feuer uns Zuversicht und Kraft. Beim nächtlichen Toilettengang sieht das schon ganz anders aus. Unser Toilettenhäuschen steht 100 Meter tiefer im dunklen Wald.

Wir haben im Norden von Kanada unser Glück gefunden

Aber an diesem Morgen und in diesem Moment ist alldas vergessen. Mit einer dampfenden Tasse starkem Cowboykaffee in den Händen sitzen wir am Fenster und beobachten, wie Streifenhörnchen und Murmeltiere erwachen. 

Der Geruch von warmer Hafergrütze zieht durch unsere Hütte, und ein weiterer Tag voll Arbeit und Abenteuer erwartet uns. Ein anderes Leben können wir uns nicht mehr vorstellen.