In den kanadischen Provinzen Québec, Ontario und New Brunswick herrscht Ausnahmezustand. Heftige Regenfälle und starke Eisschmelze haben ganze Städte und Landstriche komplett unter Wasser gesetzt – und der Höchststand des Hochwassers soll noch nicht erreicht sein. Das Land bereitet sich auf eine Rekordflut vor.

Filmaufnahmen zeigen die zerstörerische Kraft der Wassermassen:

Flut in Kanada: Tausende Menschen müssen ihr Zuhause verlassen

​Tausende Einwohner flüchteten bereits aus ihren Häusern. Die Bewohnerin eines Vororts von Montreal berichtet, wie plötzlich viele von den Wassermassen überrascht worden sind: „Evakuierung jetzt! Evakuierung jetzt!“ hörte Annie P. jemanden schreien, als am Samstag ihr Mann und ihre Kinder draußen im Garten spielten.

„Ich bin rausgegangen und habe nach meinen Kindern geschaut und sie schrien und weinten. Und dann sind alle weggerannt“, beschreibt sie dem kanadischen Nachrichtensender „CBC“ den Moment, als ein 50 Meter langer Abschnitt eines natürlichen Deiches gebrochen war.

Und dann ging alles ganz schnell: „Das Wasser rollte wie ein Tsunami an“, erzählte ein anderer Einwohner. Nur mit dem Nötigsten bepackt mussten rund 6.000 Menschen ihr Zuhause verlassen – rund ein Drittel der Stadt stand am Wochenende unter Wasser. 

Rekord-Hochwasser in Kanada – Städte rufen Notstand aus

Und nicht nur den Vorort Montreals treffen die Überschwemmungen hart: Seit zwei Wochen kämpft die Region Québec mit den Wassermassen, 7.700 Menschen können derzeit nicht zurück in ihre Häuser. Und auch mit Beginn der neuen Woche gibt es für den Osten des Landes erst mal keine Entwarnung.

Weiterhin unbeständiges Wetter könnte den Pegel des Flusses Ottawa und des Sankt-Lorenz-Stroms noch höher steigen lassen. Mehrere Brücken über dem Ottawa wurden mittlerweile geschlossen. Kanadas gleichnamige Hauptstadt Ottawa und Montreal haben den Notstand ausgerufen.

Den Höchststand sollen die Flüsse am heutigen Montag und am Dienstag erreichen, damit würde der Rekord von 2017 gebrochen werden. Die damalige Flut wurde als Jahrhundert-Katastrophe betitelt. 

Soldaten und Freiwillige kämpfen verzweifelt gegen die Fluten

Präsident Justin Trudeau besuchte am Wochenende die stark betroffenen Regionen. „Gemeinden in ganz Ontario, Québec und New Brunswick haben hart daran gearbeitet, den Betroffenen der Überschwemmungen zu helfen – es ist inspirierend zu sehen, wie viele Kanadier zusammenkommen, wenn unsere Nachbarn in Not sind“, lobte Trudeau den Einsatz und forderte die Bürger zur Mithilfe auf.