Neuseeland: So bedroht ist die paradiesische Natur

Neuseeland: So bedroht ist die paradiesische Natur

Neuseeland ist berühmt für seine Natur – doch die ist massiv bedroht. Tausende Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht, Flüsse sind verdreckt und die Städte nehmen immer mehr Raum in Anspruch.

Annika Jensen
Schafe grasen auf einer Weide in Neuseeland. Die Umwelt in dem Land ist durch Klimawandel und Landwirtschaft massiv bedroht.
Schafe grasen auf einer Weide in Neuseeland. Die Umwelt in dem Land ist durch Klimawandel und Landwirtschaft massiv bedroht.

Foto: imago images/Westend61

Viele Reisende kommen wegen der Natur nach Neuseeland – doch der geht es alles andere als gut. Das Paradies mit seinen saftigen Wiesen, klaren Fjorden und geheimnisvollen Urwäldern ist massiv bedroht.

Das zeigt der kürzlich vom neuseeländischen Umweltministerium veröffentlichte Bericht „Environment Aotearoa 2019“. Aotearoa ist das einheimische Wort für das „Land der langen weißen Wolken“, wie Neuseeland häufig bezeichnet wird.

Darum geht es der Natur in Neuseeland so schlecht

Der Bericht der Regierung kommt zu folgendem Schluss: Tausende Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht, Flüsse verdreckt und große Landflächen von der Ausbreitung der Städte betroffen. Gründe sind vor allem der fortschreitende Klimawandel und die wachsende intensive Landwirtschaft.

Insgesamt seien 4.000 Tier- und Pflanzenarten massiv bedroht. Verantwortlich dafür sei die menschliche Besiedlung des Landes, welche die Landschaften verändere und neue Arten eingeschleppt habe. Lebensräume einheimischer Tiere seien dadurch verschwunden. Über die Pflanzenwelt heißt es, mittlerweile gebe es mehr nicht heimische Pflanzenarten als einheimische.

Neuseelands Waldfläche schrumpft von 80 auf 25 Prozent

Wie sehr sich das Erscheinungsbild des Ozean-Staates geändert hat, lässt sich auch am Verschwinden des Waldes beschreiben. Bevor der Mensch so stark siedelte, war Neuseeland zu 80 Prozent von Wald bedeckt. Heute sind es nur noch gerade einmal 25 Prozent.

Und auch die für viele Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum notwendigen Feuchtgebiete sind erschreckend rasant zusammengeschrumpft. Bestand die Oberfläche Neuseelands einst zu einem Viertel aus Feuchtbiotopen, sind heute 90 Prozent davon verschwunden.

70.000 Hektar Land in Stadt und Landwirtschaft umgewandelt

All das wird auch durch die Ausbreitung der Städte und der Landwirtschaft begünstigt: Zwischen 1996 und 2012 wurden 70.000 Hektar Land in Agrarland und Stadtgebiet umgewandelt. Im gleichen Zeitraum seien die Städte um zehn Prozent gewachsen.

Die Landwirtschaft ist eine enorme Belastung für die Natur in Neuseeland. Sie stellt den Großteil der neuseeländischen Exporte. Doch durch ihre intensive Tätigkeit werden zahlreiche Flüsse in der Nähe der Landwirtschaft und das Grundwasser verschmutzt. 

In mehr als 70 Prozent der Flüsse in den betroffenen Gebiete seien laut Umweltbericht erhöhte Stickstoffwerte festgestellt worden. Zum einen habe das massive Auswirkungen auf das Ökosystem, und zum anderen mache das gut 80 Prozent der Flüsse ungeeignet zum Baden.

CO2-Emissionen pro Kopf zählen zu den höchsten

Auch Neuseelands Anteil am Klimawandel, so der Bericht, sei zu einem großen Teil auf die intensive Landwirtschaft im eigenen Land zurückzuführen. Zwar leiste das Land mit 0,17 Prozent der globalen Kohlendioxid-Emissionen einen relativ geringen Beitrag zum Klimawandel. Allerdings sei der Wert pro Kopf der etwa fünf Millionen Einwohner einer der höchsten unter den westlichen Industrienationen.

Der Bericht der Regierung kommt zudem zu dem Schluss, dass Neuseeland schon heute die Folgen des Klimawandels stark spürt: mit dem steigenden Meeresspiegel, mit der Übersäuerung der Ozeane und mit der steigenden Sonnenintensität. Um ein Viertel seien die Gletscher in Neuseeland zusammengeschmolzen – innerhalb der vergangenen 40 Jahre.

Neuseelands Regierung will handeln

Die Regierung um die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Jacinda Ardern will alldem entgegenwirken. Sie hat die Klima- und Umweltpolitik zur Priorität erklärt. Die Umwelt-Staatssekretärin Vicky Robertson sagt dazu: „Die Wirtschaft ist auf der Umwelt aufgebaut, unsere Bevölkerung wächst und der Klimawandel vergrößert in vielerlei Hinsich den Druck.“

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